
© Foto: von Hans auf Pixabay
Mercedes-Benz hat ein Jahr zum Abhaken hinter sich, doch wer jetzt wegschaut, könnte eine der spannendsten Chancen im DAX verpassen. Der Stuttgarter Autobauer kämpft sich zurück. Die Elektromodelle boomen, das Nordamerika-Geschäft läuft auf Hochtouren, und der Chart sendet erste Signale einer Trendwende. Ja, China bleibt das Sorgenkind. Und ja, die Dividende wurde gekürzt. Aber genau diese Mischung aus Belastung und aufkeimender Hoffnung macht die Aktie gerade so interessant. Denn oft sind es die ungeliebten Momente, in denen die besten Einstiegschancen entstehen. Wer jetzt genauer hinsieht, erkennt, dass unter der Oberfläche etwas brodelt. Die Frage ist nur, ob man dabei sein möchte, wenn der Stern wieder aufgeht. Und dann ist da noch ein mögliches Kauf-Signal, aber dazu mehr im Text.
Trendwende in Sicht
Mercedes-Benz steckt in einem Übergangsjahr, das ist kein Geheimnis. Doch wer nur auf die schlechten Nachrichten schaut, übersieht möglicherweise das eigentlich Interessante, denn hinter den Quartalszahlen ist der Autobauer dabei Gas zu geben. In Q1 hat Mercedes-Benz weltweit rund 419.000 PKW ausgeliefert. Das sind 6 Prozent weniger, als im Vergleichsquartal 2025. Das klingt erstmal enttäuschend, aber wenn man China aus dem Zahlenwerk ausklammert, ergibt sich ein völlig anderes Bild. Ein weltweites Absatzwachstum von 5 Prozent. In den USA legten die Verkäufe um satte 20 Prozent zu, Europa wuchs um 7 Prozent. Der Konzern läuft also, nur eben nicht überall. China ist das große Fragezeichen. Der Absatz dort brach im ersten Quartal um 27 Prozent ein. Das Unternehmen selbst spricht von einem bewussten Übergang: Mehrere Modelle laufen aus, Nachfolger stehen in den Startlöchern. 2026 sei ein Übergangsjahr, 2027 soll China wieder anspringen. Wer das für eine Ausrede hält, könnte falsch liegen, denn solche Modellwechsel sind im Premiumsegment normal, und sie bieten historisch gesehen oft gute Einstiegsgelegenheiten. Hinzu kommt: Mercedes hat den Rotstift angesetzt und will im laufenden Jahr über 3,5 Milliarden Euro einsparen. Das Werk im mexikanischen Aguascalientes wird bis Mai geschlossen, die Produktion konsolidiert. Das tut weh, aber es macht den Konzern schlanker und widerstandsfähiger. Auch auf der Produktseite läuft es gut. Der neue CLA als vollelektrisches Modell übertrifft alle Erwartungen. Die Nachfrage ist so hoch, dass das Werk in Rastatt im Drei-Schicht-Betrieb läuft. In Europa wuchsen die Elektroauslieferungen um 34 Prozent. Konzernweit legte das BEV-Geschäft um 11 Prozent auf gut 50.000 Fahrzeuge zu. Und bei den aktuellen Spritpreisen könnte das erst der Anfang sein. Der neue elektrische GLC wurde in den ersten drei Monaten häufiger vorbestellt als jedes andere Elektromodell in der Unternehmensgeschichte. Die Elektrowende greift, schneller als viele gedacht hatten.
Charttechnik
Der Chart der Mercedes-Benz-Aktie zeigt gerade etwas, dass die Anleger aufmerksam werden lassen sollte. Nach dem Tief zuletzt hat die Aktie wieder Boden gutgemacht. Und jetzt verdichten sich die Zeichen für ein Kaufsignal. Der 50-Tage-Durchschnitt nähert sich dem 200-Tage-Durchschnitt von unten, ein mögliches Golden Cross zeichnet sich ab. Wer weiß, was das bedeutet: Solche Kreuzungen gelten als eines der klassischen Kaufsignale in der Charttechnik. Auch der RSI spricht für einen Anstieg. Er liegt aktuell noch bei rund 43, also noch im neutralen Bereich, mit reichlich Luft nach oben. Die Aktie ist weder überkauft noch ausgereizt. Der Schwung der letzten Handelstage deutet darauf hin, dass die Käufer langsam zurückkehren. Noch entscheidender: Schafft die Aktie den Sprung über die Marke von 56 Euro, das wären keine zwei Euro vom aktuellen Kurs entfernt, würde ein bullisches Signal ausgelöst, sowohl vom RSI, als wohl auch das Richtung Golden Cross. Das Kursziel danach könnte im Bereich von 65 - 70 Euro zu finden sein und ist kein Wunschdenken. Es ist technisch begründet und liegt in greifbarer Nähe. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die Käufer wirklich das Ruder übernehmen.

Was tun?
Wer jetzt auf Mercedes-Benz schaut, sieht auf den ersten Blick ein Unternehmen unter Druck. Dividende gesenkt, China schwach, Margen reduziert. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn fundamental ist die Aktie nach wie vor interessant bewertet: Das KGV liegt bei unter 9, die Dividendenrendite beträgt trotz Kürzung noch über 6 Prozent. Beim KUV gilt die Aktie mit einem Wert von unter 0,5 als klar unterbewertet. Das Aktienrückkaufprogramm mit einem verbleibenden Volumen von 1,7 Milliarden Euro zeigt, dass das Management selbst an die Unterbewertung glaubt. Die nächsten Wochen könnten wichtige Signale bringen. Diese Woche, am 16. April findet die Hauptversammlung statt, wo über die Dividende abgestimmt wird. Am 29. April folgen der Q1-Zwischenbericht und eine Analystenkonferenz, dann wird sich zeigen, ob die Zahlen das halten, was die jüngsten Absatzdaten versprechen. Die Analystenziele der großen Häuser reichen von 55 bis 74 Euro. Das bedeutet: Selbst bei den pessimistischeren Einschätzungen ist kaum weiteres Abwärtspotenzial eingepreist. Wer bereits investiert ist, sollte die Dividende mitnehmen und die Entwicklung in China genau beobachten. Wer einsteigen möchte, findet bei den aktuellen Kursen um 54 Euro ein recht günstiges Einstiegsniveau, vorausgesetzt, der Sprung über 56 Euro gelingt in den nächsten Wochen. Dann könnte der Stern tatsächlich wieder aufleuchten.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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