VILNIUS (dpa-AFX) - Litauens Präsident Gitanas Nauseda hat die Wahlniederlage von Ungarns Regierungschef Viktor Orbán als Chance bezeichnet und sich erleichtert über das Ergebnis gezeigt. "Es war frustrierend zu sehen, wie praktisch eine einzelne Person oder ein einzelner Politiker die übrigen EU-Mitgliedstaaten als Geisel hielt", sagte der Staatschef des baltischen EU- und Nato-Landes der Agentur BNS zufolge in Kybartai. "Nicht nur bei technischen oder nebensächlichen Entscheidungen, sondern bei grundlegenden Entscheidungen, die sowohl für unsere Zukunft als auch für unser Image wichtig sind."
Der Wahlsieg von Oppositionsführer Peter Magyar bietet nach Ansicht von Nauseda eine "großartige Gelegenheit", Dinge voranzubringen, die bislang von Orbán blockiert wurden. Dies sei eine Chance für Ungarn selbst und für die EU, stärker zu werden. Und auch die Situation hinsichtlich der Unterstützung für die Ukraine könne sich noch ändern. Er hoffe nun auf "gute Nachrichten" mit Blick auf die milliardenschwere EU-Finanzhilfe für die Ukraine und die Aussichten auf einen EU-Beitritt der Ukraine, sagte der litauische Staatschef.
Ungarn stand in der Vergangenheit immer wieder wegen Blockaden in der EU-Außenpolitik in der Kritik. Maßnahmen wie Sanktionen gegen Russland oder Fortschritte in den Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine erfordern die Einstimmigkeit aller 27 EU-Mitgliedsstaaten. Auch hatte Orbán in der Vergangenheit mehrfach europäische Hilfen für die Ukraine ausgebremst - zum großen Unmut von Litauen. Der Baltenstaat ist ein enger Partner und Unterstützer der Ukraine, die sich seit mehr als vier Jahren gegen eine russische Invasion wehrt./awe/DP/jha
