DJ IWF: Folgen des Iran-Kriegs für Finanzstabilität noch nicht ausgestanden
Von Hans Bentzien
DOW JONES--Die Auswirkungen des Iran-Kriegs auf die Finanzstabilität sind nach Aussage des Internationalen Währungsfonds (IWF) bisher überschaubar geblieben. Wie aus einem Blog zum aktuellen Finanzstabilitätsbericht hervorgeht, hält der IWF die Sache aber noch nicht für ausgestanden und glaubt, dass die Finanzmärkte negativere Szenarien noch nicht voll eingepreist haben. "Diese Widerstandsfähigkeit sollte nicht als selbstverständlich vorausgesetzt werden. Vielmehr spiegelt sie Zyklen von Eskalation und Deeskalation, strukturelle Verbesserungen im Finanzsystem sowie das Ausbleiben einer entscheidenden negativen Wende wider, die anhaltende Markteinbrüche auslösen würde", heißt es in dem Bericht.
Besondere Sorge bereitet dem IWF die hohe Staatsverschuldung. "Viele fortgeschrittene Volkswirtschaften gehen mit einem hohen Schuldenstand und begrenztem fiskalischem Spielraum in diese Phase. Zusammen mit Veränderungen in der Anlegerbasis - weg von den Zentralbanken hin zu preisempfindlichen Nichtbanken-Investoren - könnten Staatsanleiherenditen heftiger auf Inflationsschocks reagieren als in der Vergangenheit", warnt er. Vor diesem Hintergrund ist auch seine Mahnung an die Zentralbanken zu verstehen, ihre Geldpolitik, falls nötig, rechtzeitig zu straffen.
Dabei ist das Umfeld für Zentralbanken derzeit nicht einfach, denn Inflationsrisiken stehen andererseits Wachstumsrisiken gegenüber. Je länger der Krieg andauere, desto schädlicher sei er für das Wirtschaftswachstum und die Arbeitsmärkte - die Abflachung der Renditekurve könnte, sollte sie anhalten, ein Zeichen dafür sein. "In diesem Umfeld sind klare Kommunikation, Glaubwürdigkeit, institutionelle Unabhängigkeit und eine rechtzeitige Straffung, sofern gerechtfertigt, unerlässlich, um die Erwartungen zu verankern", so der IWF.
Die zentralen Risiken für die Finanzstabilität liegen nach seiner Aussage nicht im ersten Schock selbst, sondern in Verstärkungsmechanismen, die Marktvolatilität und Ausverkäufe in akuten Stress verwandeln könnten. "Eine hohe Hebelwirkung (Leverage) in Teilen des Nichtbanken-Finanzsektors, die zunehmende Konzentration an den Aktienmärkten und historisch enge Kreditspreads erhöhen das Potenzial für abrupte Zwangsverkäufe und plötzliche Liquiditätsengpässe durch Nachschussforderungen und Sicherheitsleistungen", warnt er.
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