
© Foto: Nicolas auf Pixabay (Symbolbild)
Beim norwegischen Elektrolyseur-Spezialist Nel ASA könnte es jetzt spannend werden. Einerseits häufen sich die positiven Signale. Ein Rekordauftragseingang, eine neue Technologieplattform, EU-Fördergelder in dreistelliger Millionenhöhe und ein südkoreanisches Unternehmen als strategischer Partner. Andererseits notiert die Aktie nahe ihrem 52-Wochen-Tief, und der Markt wartet. Doch genau das macht die Situation so brisant. Denn zwischen dem aktuellen Kurs und einem potenziellen charttechnischen Ausbruchssignal liegen gerade einmal 2 Cent. Am 22. April kommen die Q1-Zahlen. Sollten die auch nur ansatzweise positiv überraschen, könnte die Lunte gezündet sein. Wer jetzt genauer hinschaut, könnte genau im richtigen Moment dabei sein.
Neues Vergütungsmodell, starker Partner, große Pläne
Die Hauptversammlung vom 10. April hat mehr bewegt als bloße Formalitäten. Die Aktionäre verabschiedeten ein komplett neues Vergütungssystem für das Management. Statt klassischer Aktienoptionen setzt Nel ASA künftig auf sogenannte Performance Share Units, Anteilseinheiten, die nur dann in echte Aktien umgewandelt werden, wenn das Unternehmen zuvor definierte Meilensteine erreicht. Die Führungsetage soll liefern, nicht nur verwalten. Gleichzeitig wurde die Zusammenarbeit mit Samsung E&A weiter vertieft. Der südkoreanische Anlagenbauer hatte sich im Frühjahr 2025 für rund 33 Millionen US-Dollar einen Anteil von 9,1 Prozent an Nel gesichert und gilt seither als bevorzugter globaler Wasserstoffpartner. Mit der Bestätigung von Gyuyeon Kang im Aufsichtsrat ist die Allianz nun auch formal verankert. Nel plant, seine neue "Pressurized Alkaline"-Elektrolyseur-Plattform noch in der ersten Jahreshälfte 2026 kommerziell einzuführen. Diese verspricht Herstellungskosten, die um bis zu 60 Prozent unter dem liegen, was jetzt gilt.

Charttechnik
Die Aktie befindet sich seit mehreren Monaten in einer "Seitwärtsphase", zuvor in einer Abwärtsphase. Nach einem Hoch Mitte 2023 bei knapp 1,30 Euro fiel der Kurs kontinuierlich und markierte im März 2025 ein Tief bei unter 0,17 Euro. Zuletzt pendelte das Papier knapp bei 0,19 Euro und schloss die vergangene Handelswoche auch so ab. Doch der entscheidende Punkt liegt bei 0,21 Euro. Wer Charts liest, erkennt dort den Bereich, an dem sich mehrere technische Widerstände bündeln. Ein Schlusskurs über dieser Marke würde den Abwärtstrend brechen und dürfte eine Kettenreaktion auslösen: Stopps von Leerverkäufern würden gerissen, neue Käufer angelockt. Das wäre kein gewöhnlicher Kursanstieg, das wäre ein technisches Ausbruchssignal mit Eigendynamik. Aktuell kämpft Nel ASA genau an der 50-Tage-Linie bei 0,19 Euro. Ein nachhaltiges Überwinden dieser Hürde wäre der erste Schritt. Danach folgt die entscheidende Zone um 0,21 Euro. Gelingt der Sprung, wäre auch die 200-Tage-Linie bei umgerechnet überwunden. Die Marktkapitalisierung liegt aktuell unter 500 Millionen Euro, das macht die Aktie für große institutionelle Adressen noch uninteressant. Aber genau das kann sich schnell ändern, wenn der Chart erst einmal dreht.
Was tun?
Nel ASA ist kein einfaches Investment, aber ein potenziell lohnendes. Die Fundamentaldaten sind noch schwach: Der Gesamtumsatz fiel 2025 um 31 Prozent, und der Nettoverlust belief sich auf rund 870 Millionen Norwegische Kronen. Das klingt dramatisch, relativiert sich aber: Der Großteil der Belastung entstand durch einmalige, nicht zahlungswirksame Abschreibungen auf ältere Produktionsanlagen, ein bewusster Technologieschnitt, kein operatives Versagen. Der Auftragsbestand von über 1,3 Milliarden Norwegische Kronen und die Liquidität von rund 1,6 Milliarden Kronen verschaffen dem Unternehmen Spielraum. Entscheidend wird jetzt der Q1-Bericht am 22. April. Gibt es erste Anzeichen dafür, dass die Auftragsflut in echte Umsätze mündet, könnte die Stimmung rasch drehen, und den Kurs genau in jene Zone treiben, die charttechnisch alles verändern würde. Wer hochspekulativ aufgestellt ist, kann den aktuellen Kursbereich als Einstiegsgelegenheit in Betracht ziehen, mit einem klaren Stoppkurs z. B. knapp unter dem 52-Wochen-Tief bei 0,18 Euro und dem Blick auf die 0,21-Euro-Marke als erstem Kursziel.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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