DJ IWF: Schulden fortgeschrittener Länder steigen bis 2031 auf 115% des BIP
Von Hans Bentzien
DOW JONES--Die Staatsverschuldung der sogenannten fortgeschrittenen Volkswirtschaften nimmt aus Sicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) mit einem beängstigenden Tempo zu. Wie der IWF in seinem aktuellen Fiscal Monitor mitteilt, dürfte die Bruttoverschuldung von 108,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im vergangenen Jahr auf 114,8 Prozent 2031 steigen. Entscheidenden Anteil daran haben die USA und einige andere G7-Länder, während sich die Verschuldungsdynamik im Euroraum vergleichsweise bescheiden ausnimmt.
Den USA prognostiziert der IWF einen Anstieg der Schulden auf 142,1 (2025: 123,9) Prozent des BIP. Das laufende Haushaltsdefizit, das 2025 bei 6,8 Prozent gelegen hatte, dürfte bis 2031 bei deutlich über 7 Prozent bleiben.
Japans Schuldenstand soll dagegen auf 192,8 (204,4) Prozent zurückgehen, obwohl mit einem stetigen Anstieg des Haushaltsdefizits von 1,1 auf 4,0 Prozent gerechnet wird. Die Schulden des Euroraums werden demnach auf 89,7 (87,1) Prozent steigen. Ausgehend von 3,0 Prozent im Jahr 2025 dürfte das Haushaltsdefizit des Währungsraums in den Folgejahren etwas zunehmen, aber bis 2031 wieder auf 3,0 Prozent fallen.
Deutschlands Schulden steigen um 10 Prozentpunkte
Deutschlands Schuldenstand wird laut IWF-Schätzungen auf 73,7 (62,9) Prozent zunehmen und das Haushaltsdefizit von 2,7 auf 3,7 Prozent - mit einem zyklischen Hoch von 4,2 Prozent 2027. Für Frankreichs Staatsschulden wird ein Anstieg bis 2031 auf 120,7 (116,0) Prozent prognostiziert, wobei ein Defizitrückgang von 5,1 auf 2,9 Prozent unterstellt wird.
Italiens Staatsschuld wird demnach auf 136,1 (137,1) sinken und sein Defizit von 3,1 auf 2,7 Prozent. Belgiens Schuldenstand zieht der IWF-Prognose zufolge auf 122,3 (106,3) Prozent an. Das Defizit steigt von 5,3 auf 5,8 Prozent.
Noch ein Blick auf die Schwellenländer: Ihre Schuldenquote sieht der IWF 2031 im Durchschnitt bei 88,9 (75,39 Prozent, wobei Chinas Prognose mit 126,8 (99,2) Prozent heraussticht.
Eine zentrale Sorge des IWF ist nicht nur das hohe Niveau der weltweiten Verschuldung, sondern auch die Entwicklung, die sich aus den aktuellen finanzpolitischen Rahmenbedingungen ergibt. "Höhere Zinsen und eine gesteigerte Sensibilität der Märkte gegenüber finanzpolitischen Nachrichten deuten darauf hin, dass der Spielraum für diese Entwicklung schrumpft", heißt es in dem Bericht. Die globale Fiskallücke - die Differenz zwischen den prognostizierten Primärsalden und dem Niveau, das zur Stabilisierung der Schuldenquote erforderlich wäre - sei praktisch verschwunden: von einem Puffer von mehr als 1 Prozent des BIP vor einem Jahrzehnt auf nahezu Null heute.
Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com
DJG/hab/apo
(END) Dow Jones Newswires
April 15, 2026 09:00 ET (13:00 GMT)
Copyright (c) 2026 Dow Jones & Company, Inc.
