DJ MARKT-AUSBLICK/Rekorde an der Wall Street trotz Nahost-Konflikt
DOW JONES--Die Stimmung an der Wall Street ist prächtig, sowohl der breite S&P-500-Index wie auch die Nasdaq notieren auf Rekordniveau. Investoren gehen davon aus, dass der Nahost-Konflikt die US-Wirtschaft nicht nennenswert ausbremst. Der Anstieg des Ölpreises um 75 Prozent seit Ausbruch des Krieges belastet das globale Wachstum bisher nicht nachhaltig. Die Renditen der zehnjährigen US-Staatsanleihen bei 4,3 Prozent sorgen kaum für Gegenwind bei Risiko-Assets wie Aktien.
Navigieren im Nebel
Jede Prognose zur wirtschaftlichen Entwicklung steht und fällt allerdings mit ihren Annahmen - für die Marktstrategen der DZ Bank sind diese selten so unsicher wie momentan. Der Internationale Währungsfonds (IWF) habe in seinem Weltwirtschaftsausblick deutlich gemacht, dass der weitere Verlauf des Konflikts im Nahen Osten kaum vorhersehbar sei, weshalb seine Analyse und die Prognosen auf drei Szenarien mit unterschiedlichem Eskalationsgrad beruhten.
Das Basisszenario gehe von einem geografisch und zeitlich begrenzten Konflikt mit moderaten wirtschaftlichen Implikationen aus. Deutlich düsterer sei das "ungünstige Szenario", das eine regionale Ausweitung und erhebliche und andauernde Störungen wichtiger Handelsrouten annehme. Das "schwere Szenario" skizziere als Worst Case eine massive militärische Eskalation, die zu einem langanhaltenden, drastischen Einbruch der globalen Energieversorgung führe.
Erwartung an US-Berichtssaison hoch
Für Anleger bleibt abzuwarten, inwieweit sich die geänderten Bedingungen auf die Ertragskraft der Unternehmen niederschlägt. Hier scheinen die US-Unternehmen gegenüber den DAX-Unternehmen die Nase vorne zu haben. Positiv für die Wall Street gestimmt ist Eckhard Schulte, CEO von MainSky Asset Management. Der "American Exceptionalism" mit seiner einzigartige Gewinnerzielungsfähigkeit der US-Unternehmen scheine auch der Krieg am Persischen Golf nicht wirklich in Mitleidenschaft zu ziehen. Für die Unternehmen im S&P-500 werde für das erste Quartal im Schnitt ein Wachstum beim Gewinn je Aktie von rund 12,5 Prozent erwartet. Dies bedeute das sechste Quartal in Folge mit zweistelligen Zuwachsraten im Jahresvergleich. Gerade im Technologiebereich erwartet Schulte deutlich bessere Zahlen, sodass es für den Gesamtindex möglich sei rund 20 Prozent Gewinnwachstum zu erzielen. Das wäre der stärkste Wert seit dem Post-Corona-Boom 2021.
DAX "vielversprechendes Investment"
Aber auch der Trend der Analystenerwartungen für DAX-Unternehmensgewinne dürfte sich trotz des starken Ölpreisanstieges in den kommenden Monaten weiter nach oben bewegen. Das erwarten die Marktstrategen der Commerzbank aufgrund der weiter wachsenden Weltwirtschaft für die kommenden Quartale. Der DAX bleibe trotz der großen Iran-Unsicherheit ein vielversprechendes Investment. Die von den Analysten für die kommenden zwölf Monate erwarteten DAX-Unternehmensgewinne liegen aktuell bei umgerechnet 1.727 Indexpunkten - und damit auf einem Allzeithoch. Rein rechnerisch bedeute dies bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 14 einen DAX von 24.178 und einem KGV von 15 von 25.905 Punkten, während er aktuell bei 24.307 Punkten notiere.
Aktienrückkäufe auf Rekordniveau wirken auf den DAX stabilisierend
Die Unsicherheit an den Kapitalmärkten in Folge der Zollpolitik der Trump-Administration sowie der Eskalation im Nahen Osten sorgt für eine erhöhte Volatilität. Demgegenüber zeichnet sich für Jan Mooren vom Asset Management bei M.M.Warburg auf Unternehmensebene eine vermeintlich positive Entwicklung ab. Unternehmen kauften so viele eigene Aktien zurück wie noch nie. Insgesamt 23 der 40 Dax-Konzerne würden derzeit eigene Anteilsscheine erwerben oder beabsichtigten, dies im Jahr 2026 zu tun. Große Programme von SAP, DHL und Siemens sorgten dafür, dass im DAX 40 Rückkäufe in Rekordhöhe von 54,6 Milliarden Euro erwartet würden.
Ein ähnliches Bild zeige sich auch an der Wall Street: In den USA seien im vergangenen Jahr im S&P-500 Aktienrückkäufe in Rekordhöhe von über einer Billionen US-Dollar getätigt worden. Damit rückten Aktienrückkäufe in der aktuellen Berichtssaison wieder stärker in den Fokus.
Die für kommende Woche Donnerstag anstehenden Einkaufsmanager-Indizes aus der Eurozone dürften für die Europäische Zentralbank (EZB) relevant sein, auch um die Preissetzungsabsichten der Unternehmen zu bewerten. Allgemein wird an der Börse davon ausgegangen, dass die EZB auf ihrer Sitzung Ende des Monats die Füße still halten wird. Ebenfalls am Donnerstag ist der erste große Tag für die Berichtssaison zum ersten Quartal, unter anderem legen aus Europa Kühne & Nagel, Nestle, Roche, Nokia, Safran, STMicroelectronics, Renault, Heineken, Sanofi und Vossloh Zahlen vor.
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April 17, 2026 05:26 ET (09:26 GMT)
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