FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach der Dax -Erholung der vergangenen Tage können die Anleger in der neuen Woche auf weitere Gewinne hoffen. Zuletzt sorgte die Aussage des iranischen Außenministers, dass die Durchfahrt der Straße von Hormus nun für alle Handelsschiffe frei sei, für Euphorie. Durch die Meerenge verläuft eine wichtige Handelsroute für die Weltwirtschaft, die wegen des Iran-Kriegs zuletzt weitgehend blockiert war.
"Auch an den übrigen Börsenplätzen stehen die Ampeln wieder auf Grün, nachdem Donald Trump Hoffnungen auf eine Einigung mit dem Iran geweckt hat", schreibt Aktienstratege Frank Klumpp von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Besonders beeindruckend sei die Kursrally in den USA mit Rekorden für den marktbreiten S&P 500 sowie das Tech-Barometer Nasdaq 100 verlaufen. Damit haben die beiden Indizes die Verluste seit Beginn des Kriegs Ende Februar mehr als wettgemacht.
Der japanische Nikkei-225 hatte zuletzt ebenfalls eine neue Bestmarke aufgestellt. Dagegen hat der deutsche Leitindex bis dahin noch eine Wegstrecke vor sich. Das charttechnische Bild hat sich aber deutlich aufgehellt, seitdem er es wieder über die 100- und 200-Tage-Linien als wichtige Indikatoren für den mittel- bis langfristigen Trend geschafft hat.
Derweil "stecken in den aktuellen Kursen schon viele Vorschusslorbeeren", warnt Klumpp vor zu hohen Erwartungen. Denn die Belastungen aus dem Iran-Krieg seien noch schwierig zu beziffern, und an den Ölmärkten bleibe die Lage angespannt.
Die Experten der Landesbank Helaba erinnerten daran, dass die Aktienkurse zu Kriegsbeginn Ende Februar zwar sichtbar nachgegeben hätten, aber nicht so deutlich wie bei früheren Krisen. "Panik war in den klassischen Angstindikatoren wie der impliziten Aktienvolatilität zu keinem Zeitpunkt festzustellen", betonen sie. Und offenbar hätten die jüngsten Entspannungssignale vielen Anlegern gereicht, um auf dem etwas niedrigeren Bewertungsniveau wieder einzusteigen.
Da ein optimistisches Nahost-Szenario schon eingepreist scheine, "baut sich für die kommenden Wochen ein gewisses Enttäuschungspotenzial auf", heißt es im Helaba-Wochenausblick weiter. Denn seit Beginn des Kriegs habe es nach Hoffnungsschimmer immer wieder Enttäuschungen gegeben, sodass es "bis zu einer dauerhaften Friedenslösung ein steiniger Weg werden dürfte".
In die gleiche Kerbe hieb Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater. Er macht zwar Fortschritte bei den Gesprächen aus, insbesondere zwischen dem US-Kriegspartner Israel und dem Libanon, von dem aus die mit dem Iran verbündete Hisbollah-Miliz operiert. "Aber über Ankündigungen und Kommentierungen des US-Präsidenten hinaus liegen noch keine konkreten Ergebnisse vor", gibt er zu bedenken.
Laut Marktanalyst Timo Emden zeigt sich der deutsche Aktienmarkt weiterhin "erstaunlich robust" gegenüber dem anhaltenden Nahost-Konflikt. Die Investoren setzten darauf, dass die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran zumindest vorerst halte und "mittelfristig in ein tragfähiges Friedensabkommen münden könnte". Das stütze "die Risikobereitschaft vieler Investoren, die geopolitische Risiken derzeit eher ausblenden als neu einpreisen".
Neben diesen Unsicherheiten begrenzt Helaba zufolge auch die hohe Bewertung vieler Aktienindizes das weitere Potenzial. Vor diesem Hintergrund rücke die anlaufende Quartalsberichtssaison wieder stärker in den Fokus der Anleger.
Zu Beginn der neuen Woche ist die deutsche Unternehmensagenda noch weitgehend leer. Am Dienstag informiert der Konsumgüterkonzern Beiersdorf über seine Umsatzentwicklung, tags darauf folgt der Zwischenbericht des Onlinebrokers Flatexdegiro . Aus den USA veröffentlichen unter anderem der Airbus -Rivale Boeing und nach Börsenschluss in New York der Elektroautobauer Tesla Geschäftszahlen.
Am Donnerstag folgen der Labor- und Pharmazulieferer Sartorius, der Scheinwerferhersteller Hella, der Bahntechnikkonzern Vossloh und am späten Abend der Softwarehersteller SAP . Den Zahlenreigen beschließt am Freitag Atoss Software .
Potenziell marktbewegende Konjunkturdaten dürften laut Dekabank-Volkswirt Kater weiterhin im Schatten der Entwicklungen im Nahen Osten stehen. Stimmungsindikatoren aus Deutschland sollten "Aufschluss darüber geben, ob die Unternehmen die Lage ähnlich optimistisch sehen wie die Teilnehmer an den Finanzmärkten". Am Dienstag stehen die ZEW-Konjunkturerwartungen an, am Donnerstag Einkaufsmanagerdaten von S&P Global und am Freitag das Ifo-Geschäftsklima./gl/ajx/he
--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---
