DJ Anthropic-CEO trifft US-Regierungsvertreter -- Entspannung im Streit
Von Amrith Ramkumar und Keach Hagey
DOW JONES--Anthropic-CEO Dario Amodei hat zum Ende der Woche mit ranghohen Vertretern der Trump-Administration die Frage nach einem verwantwortungsvollen Einsatz des mächtigen neuen KI-Modells seines Unternehmens erörtert. Es handelte sich dabei um eine der bislang öffentlichkeitswirksamsten Bemühungen, die Spannungen zwischen Anthropic mit der Regierung zu entschärfen.
Zu den Teilnehmern des Treffens gehörten laut Insidern die Stabschefin des Weißen Hauses, Susie Wiles, und Finanzminister Scott Bessent. Bessent hat Führungskräfte der Finanzbranche vor Risiken gewarnt, die vom neuesten Anthropic-KI-Modell Mythos ausgehen.
Das Weiße Haus arbeitet mit Hochdruck an der eigenen Vorbereitung auf das Modell, das nach Angaben des Unternehmens Cyberrisiken birgt, die zu weitreichenden Online-Störungen führen könnten.
Anthropic hat eine Vorabversion des Modells an Technologiekonzerne und Organisationen herausgegeben, die kritische Infrastrukturen betreiben. Regierungsbeamte wurden informiert, wie etwaige Schäden minimiert werden könnten. Es gibt derzeit keine Pläne, das Modell der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Anthropic verhandelt laut den Personen darüber, Regierungsbehörden einen frühzeitigen Zugang zu dem Modell zu gewähren.
Anthropic und das Weiße Haus liegen seit Monaten in einem erbitterten Streit über Leitplanken für den Einsatz der Claude-Modelle des Unternehmens durch das Pentagon. Anthropic weigerte sich, der Forderung des Verteidigungsministeriums zuzustimmen, seine Technologie für "alle rechtmäßigen Zwecke" einzusetzen, woraufhin Verteidigungsminister Pete Hegseth das Unternehmen als Sicherheitsrisiko einstufte und Präsident Trump die Bundesbehörden anwies, die Beziehungen zu Amodeis Firma abzubrechen.
Anthropic erklärte, explizite Schutzmaßnahmen gegen den Einsatz Künstlicher Intelligenz für autonome Waffen und Massenüberwachung zu wollen.
Das Unternehmen bekämpft die Maßnahmen der Regierung vor zwei verschiedenen Gerichten. Das sorgt auf beiden Seiten für Unsicherheit, während die Technologie des Unternehmens während des Konflikts im Iran eingesetzt wurde.
Das Weiße Haus bezeichnete das Treffen am Freitag als "sowohl produktiv als auch konstruktiv". Zu den besprochenen Themen gehörten "Möglichkeiten zur Zusammenarbeit sowie gemeinsame Ansätze und Protokolle, um die Herausforderungen beim Skalieren dieser Technologie anzugehen", so das Weiße Haus in einer Erklärung.
Mythos habe beide Seiten gezwungen, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, und sei eine Basis für "Friedensgespräche", sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen. Anfang dieser Woche teilte ein ranghoher Beamter des Office of Management and Budget den Regierungsbehörden per E-Mail mit, dass Schutzmaßnahmen eingeführt werden, damit sie mit der Nutzung von Mythos beginnen können, so die Personen. Die E-Mail war eine Reaktion auf Maßnahmen von National Cyber Director Sean Cairncross, der das Thema der Regierung koordiniert, sagte eine der Personen.
Die Regierung arbeitet mit führenden Entwicklern von KI-Modellen zusammen, um kritische Software-Schwachstellen zu sichern, sagte ein Beamter des Weißen Hauses.
Anthropic hat zudem Lobbyisten engagiert, die der Administration nahestehen, um den Frieden zu suchen. Nachdem Hegseth das Unternehmen als Risiko für die Lieferkette eingestuft hatte, engagierte es Brian Ballard, einen Mega-Lobbyisten, der mehr als 50 Millionen Dollar für Trump im Wahlkampf 2024 gesammelt hat. Das Unternehmen arbeitet auch mit einer Firma zusammen, die von Carlos Trujillo gegründet wurde, der in der ersten Trump-Administration tätig war.
Das Pentagon hat Vereinbarungen mit dem Anthropic-Konkurrenten OpenAI und Elon Musks xAI getroffen, um deren Modelle in geheimen Umgebungen einzusetzen, aber es wird laut Sicherheitsexperten wahrscheinlich noch Monate dauern, bis sie so in den laufenden Betrieb integriert sind wie jene von Anthropic.
Analysten haben es als kontraproduktiv bezeichnet, eines der führenden KI-Unternehmen des Landes zu bestrafen.
Beobachter von Anthropic fürchten, die Ambitionen des Unternehmens, ein führender Modellanbieter zu werden und an die Börse zu gehen, könnten leiden, falls Republikaner es als mit den Demokraten verbundene Firma wahrnehmen, die bereit sei, sich mit einer republikanischen Regierung anzulegen. Einige meinten, das Unternehmen hätte bei den Verhandlungen mit dem Verteidigungsministerium weniger konfrontativ vorgehen sollen.
Auch die Europäische Union spricht mit Anthropic über Mythos, hat aber derzeit keinen Zugang zu dem Modell, sagte ein Sprecher der EU-Kommission am Freitag in Brüssel gegenüber Journalisten.
Ein europäischer Regierungsbeamter sagte, Mythos sei als ungeplanter Punkt auf die Tagesordnung der internationalen Führungskräfte geraten, die sich diese Woche im Rahmen der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington treffen. Die Führungskräfte wüssten, dass sie etwas gegen die Cyberrisiken unternehmen und eine multilaterale Lösung finden müssten, so der Beamte.
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