NEW YORK/LONDON (dpa-AFX) - Der Ölpreis hat am Montag nach einer Rücknahme der Öffnung der Straße von Hormus durch den Iran deutlich zugelegt. Im Handelsverlauf grenzten die Notierungen aber einen Teil der frühen Gewinne wieder ein. Rohöl der Sorte Brent aus der Nordsee mit Lieferung im Juni kostete 93,61 US-Dollar je Barrel (159 Liter) und damit etwa dreieinhalb Prozent mehr als am Freitag. Zeitweise war die Notierung in der vergangenen Nacht bis auf 97,50 Dollar gestiegen.
Am Freitag hatten noch Meldungen über eine Öffnung der für den Transport von Rohöl wichtigen Meerenge am Persischen Golf für Entspannung gesorgt. Der Preis für Rohöl der Sorte Brent war zeitweise um mehr als zehn Dollar je Barrel eingebrochen. Die Hoffnung auf eine Einigung zwischen den USA und Teheran auf ein Ende des Iran-Kriegs war aber nicht von langer Dauer.
Bereits am Wochenende hatte der Iran die angekündigte Öffnung der Straße von Hormus wieder rückgängig gemacht. Für Spannungen sorgte vor allem die durch US-Präsident Donald Trump verkündete Seeblockade der Vereinigten Staaten in der Straße von Hormus: Die US-Marine hatte am Sonntag einen iranischen Frachter angegriffen und unter ihre Kontrolle gebracht. Irans Militär warf den Vereinigten Staaten "bewaffnete Seepiraterie" vor und kündigte eine Reaktion an.
"Im Fokus bleiben eine Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA, zu der Trump für heute Abend aufgerufen hat", heißt es in einer Analyse der Dekabank. Nach deren Einschätzung ist eine umfassende Einigung kurzfristig unwahrscheinlich. Demnach erscheine ein Übergangskompromiss realistischer.
Kurz vor dem Auslaufen der Feuerpause im Iran-Krieg am Mittwoch ist der Fortgang von Verhandlungen zwischen Washington und Teheran weiter offen. Pakistans Innenminister Mohsin Naqvi empfing unterdessen bei zwei verschiedenen Treffen diplomatische Vertreter aus dem Iran und den USA. Am Nachmittag hatte US-Präsident Trump nach Zeitungsangaben gesagt, dass Vizepräsident JD Vance auf dem Weg zu weiteren Verhandlungen nach Pakistan sei.
Allerdings hat der Iran eigenen Angaben zufolge noch keine Entscheidung über weitere Verhandlungen mit den USA getroffen. Eine erneute Runde sei aktuell nicht geplant, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Teheran.
Sollte es keine Einigung zwischen den Kriegsparteien geben, erwarten Experten einen weiteren Anstieg der Ölpreise. "Wenn alles so weitergeht wie bisher, dürfte der Kurs allmählich auf etwa 105 bis 115 Dollar steigen", sagte ein Rohstoffexperte des Hedgefonds Karobaar Capital in Chicago./jkr/la/he
