DJ Lagarde: EZB braucht noch mehr Informationen über Schock
Von Hans Bentzien
DOW JONES--EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat sich vor dem Hintergrund des Iran-Kriegs und des damit einhergehenden Energiepreisschocks für eine abwartende Haltung der Europäischen Zentralbank (EZB) ausgesprochen. In einer Rede anlässlich des 75-jährigen Bestehens des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) verwies sie laut veröffentlichtem Redetext auf die Unsicherheit darüber, wie lange der Schock anhalten werde und wie sich die höheren Energiepreise auf andere Preise auswirken würden und sagte: "Diese doppelte Ungewissheit über die Dauer des Schocks und das Ausmaß der Weitergabe spricht dafür, mehr Informationen zu sammeln, bevor wir endgültige Schlussfolgerungen für unsere Geldpolitik ziehen."
Die nächste Zinsentscheidung steht am 30. April an. Analysten und Marktteilnehmer rechnen überwiegend damit, dass die EZB ihrem Leitzins bei 2,00 Prozent belassen wird. ESTR-Forwards preisen auch für Juni eine Zinsanhebung um 25 Basispunkte nur zu gut 60 Prozent ein.
Lagarde verwies darauf, dass die Spot- und Terminkurse für Öl derzeit über den Annahmen des Basisszenarios der EZB lägen, dass aber die Märkte darauf zu wetten schienen, dass die Störung von kurzer Dauer sein werde. "Die europäischen Erdgaspreise liegen unter unserem Basisszenario, was unter anderem den Wechsel von Gas zu Kohle in Asien und das relativ milde Wetter in China widerspiegelt", fügte sie hinzu. Falls der Konflikt schnell gelöst werde, könnte sich der direkte Energiepreisschock am unteren Ende der Erwartungen bewegen - und die wirtschaftlichen Auswirkungen blieben begrenzt.
"Der Ausblick bleibt jedoch fragil - und schlechtere Verläufe sind nach wie vor möglich", warnte sie zugleich. Die EZB müsse bereit sein zu handeln, sobald sei über die erforderlichen Informationen verfüge.
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April 20, 2026 13:21 ET (17:21 GMT)
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