DJ EZB/Nagel: KI könnte kurzfristig inflationstreibend sein
Von Hans Bentzien
DOW JONES--Der Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) in der Wirtschaft könnte nach Aussage von EZB-Ratsmitglied Joachim Nagel in bestimmten Anwendungen kurzfristig inflationstreibend wirken. Bei einer Konferenz in Rom wies Nagel laut veröffentlichtem Redetext darauf hin, dass der Einsatz von Algorithmen die Festsetzung von Preisen oberhalb des Wettbewerbsniveaus erleichtern könne. "Es gibt Belege dafür, dass KI-Algorithmen in der Lage sind, konsequent zu lernen, überhöhte Preise zu verlangen, ohne dabei miteinander zu kommunizieren. Aus Sicht der Zentralbanken erfordert diese Ungewissheit besondere Wachsamkeit", sagte er.
Generell sind die potenziellen Auswirkungen von KI auf die Inflation Nagel zufolge aber noch ungewiss. "Einerseits erweitert die durch den Einsatz von KI resultierende höhere Produktivität das Gesamtangebot, was die Kosten der Unternehmen und potenziell auch den durch demografische Faktoren verursachten Arbeitskräftemangel verringert", sagte er. All dies würde dazu tendieren, den Inflationsdruck zu dämpfen - zumindest anfänglich.
Andererseits könne die Einführung von KI im Laufe der Zeit das Einkommen, den Bedarf an zusätzlichen Investitionen und Vorleistungen sowie - fast mit Sicherheit - die Nachfrage nach Elektrizität erhöhen. "Diese zusätzliche Gesamtnachfrage würde den Inflationsdruck erhöhen", erläuterte Nagel.
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