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Die aufsehenerregende Aufholjagd der Aktienmärkte in den vergangenen Wochen heizt die Gier an. Die Folge: Ein Comeback von Meme-Aktien wie Beyond Meat.
Erholungsrallye erwischt viele Marktteilnehmende auf dem falschen Fuß
Der US-Aktienmarkt hat nach dem Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran eine der beeindruckendsten Börsenrallyes der vergangenen Jahrzehnte erlebt. Der Technologieindex Nasdaq 100 kletterte 13 Tage in Folge - das hat es seit 1992 nicht mehr gegeben.
Die aktuell zur Höchstform auflaufende Quartalssaison, eine Erholung bei den in den vergangenen Wochen und Monaten arg gebeutelten Software-Titeln sowie erneuter Begeisterung für KI-Werte haben die Rallye trotz anhaltend hoher Energiepreise und einem ungewissen Ausgang der politischen Spannungen im Nahen Osten befeuert.

Anlegerinnen und Anleger wollen nicht am Allzeithoch kaufen ...
Dazu kommt noch ein weiterer Faktor: Short-Eindeckungen. Viele Hedgefonds haben auf einen langanhaltenden Konflikt und dauerhaft höhere Energiepreise gewettet und sich dementsprechend mit Wetten auf fallende Aktienkurse positioniert. Vom Waffenstillstand wurden sie auf dem falschen Fuß erwischt und gerieten so in Zugzwang, ihre Positionen wieder zu schließen.
Gleichzeitig wurden auch viele Anlegerinnen und Anleger von der blitzartigen Erholung überrascht. Sie schrecken nun davor zurück, auf den neuen Allzeithochs vieler prominenter Einzelwerte wie AMD, Marvell und SanDisk zuzugreifen - und suchen ihr Heil dagegen in Aktien mit hohen Beta-Werten (also überdurchschnittlich hoher Schwankungsbreite gegenüber dem Gesamtmarkt) beziehungsweise Meme-Aktien (mit hoher Short-Quote).

... stattdessen greifen sie jetzt wieder bei Meme-Aktien zu!
Das jüngste Beispiel des wiedererwachten Risikoappetits ist die Aktie von Beyond Meat. Die erlebte zwar im Herbst vergangenen Jahres schon einmal eine Short-Squeeze- beziehungsweise Meme-Rallye, steht nach einem Plus von nicht weniger als 41,0 Prozent am Montag vor einer weiteren. Darauf deutet auch das Plus von über 20 Prozent in der US-Vorbörse am Dienstag hin.
Fundamental hat sich freilich nur wenig geändert. Die vor knapp 3 Wochen vorgelegten Quartalszahlen wiesen mit 61,6 Millionen US-Dollar ein um knapp 20 Prozent unter dem Vorjahresergebnis liegenden Umsatz aus. Der Verlust pro Aktie betrug mit -0,50 US-Dollar fast so viel, wie das Papier zu diesem Zeitpunkt wert war.
Die Gesamtverschuldung liegt selbst nach den Restrukturierungsmaßnahmen im vergangenen Jahr noch immer bei knapp 300 Millionen US-Dollar. Produktinnovationen wie jüngst "Frühstücksbratwürste" werden angesichts der wachsenden Konkurrenz auch von Eigen- und Handelsmarken kaum zum Abbau des Schuldenberges beitragen.
Handelsaktivität deutet auf Short Squeeze hin
Das ist für die aktuellen Kursbewegung auch gar nicht von Belang. Nur zwei Faktoren sind gegenwärtig relevant: Die Leerverkaufsquote von über 30 Prozent und die Aufmerksamkeit in sozialen Medien wie Reddit (r/wallstreetbets) und auf Social-Investing-Plattformen wie Stocktwits, wo die Anzahl der Nennungen der Aktie und Posts, die einerseits Käufe belegen und andererseits andere Anlegerinnen und Anleger zum Kaufen animieren sollen, in die Höhe geschossen sind.
Diesen Trend spiegelt das Handelsvolumen wider. Am Montag wechselten allein im börslichen Handel 220 Millionen Stück die Besitzerin oder den Besitzer - und damit fast sieben Mal mehr als sonst üblich. Am Dienstagmittag lag die Zahl der vorbörslich gehandelten Stücke bereits bei rund 80 Millionen. Das deutet auf einen weiteren umsatzstarken Handelstag mit hohem Kaufdruck hin.
Technisch ist der Hype bereits insofern erfolgreich gewesen, dass er zum Anstieg der Aktie über die 50-Tage-Linie beigetragen hat. Das gilt in der Chartanalyse als erstes prozyklisches Kaufsignal und könnte in Verbindung mit dem Trendstärkeindikator MACD, der über seine Nulllinie geklettert ist und damit einen neuen Aufwärtstrend anzeigt, zu weiteren Käufen und damit weiter steigenden Kursen beitragen, auch wenn der RSI mit knapp 92 Punkten bereits tief im überkauften Bereich angelangt ist.
Fazit: Bekanntes Muster mit bekanntem Ausgang
Viele Marktteilnehmenden wurden von der steilen Erholungsrallye der Aktienmärkte überrascht. Die Mischung aus Kaufzurückhaltung bei Aktien auf Allzeithochs und gleichzeitig wiedererwachter Risikoneigung führt jetzt dazu, dass High-Beta-Stocks und Werte mit hohem Leerverkaufsinteresse in das Visier von Anlegerinnen und Anleger geraten.
Das hat zum Wochenauftakt nicht nur die Aktie von Beyond Meat, sondern auch andere wie Plug Power (+15,8 Prozent), BlackBerry (+13,2 Prozent) und Hims & Hers (+7,6 Prozent) sowie Cannabis-Werte erfasst. Bei vielen dieser Titel stehen die Zeichen am Dienstag angesichts hoher Gewinne bereits in der Vorbörse auf weiter steigende Kurse.
Kein gutes Omen für den Gesamtmarkt
Mit einer nachhaltigen Entwicklung sollte jedoch nicht gerechnet werden. Es dürfte sich lediglich um einen weiteren Hype-Zyklus handeln, denn mit Ausnahme vielleicht von BlackBerry ist die fundamentale Ausgangslage der Unternehmen kaum anders als während früherer Meme-Rallyes. Das allerdings bedeutet nicht, dass diese Werte jetzt geshortet werden sollen - das Ende solcher Kursanstiege ist kaum richtig zu erraten, während ein Einstieg zu früh zum Totalverlust vor allem von gehebelten Positionen führen kann.
Für den Gesamtmarkt ist eine Neuauflage der Meme-Aktien-Rallye ein schlechtes Zeichen: Sie zeigt an, dass die optimistischen Erwartungen über die weitere Kursentwicklung über ihr Ziel hinausgeschossen sind. Häufig markieren Short-Covering-Rallyes den Anfang vom Ende von Gesamtmarktrallyes.
Gastautor: Max Gross

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