Berlin (ots) -
Bei den vergangenen Wahlkämpfen im Land konnte man eine erstaunliche Veränderung beobachten: Die Menschen interessieren sich nicht länger für den Klimawandel, und er ist als Thema für Parteien unbeliebter geworden. Dem Klimawandel selbst ist das natürlich egal, er wütet weiter; doch Politik folgt bekanntlich nicht der Physik, sondern Mehrheiten. Wie beim Wettrüsten im Kalten Krieg führte die Aktion der einen Seite indes schnell zur Reaktion der anderen, und so passen Klimaschützer*innen ihr rhetorisches Arsenal den politischen Gegebenheiten an und Klimaschutz wird neuerdings mit Sicherheits- und Wirtschaftspolitik begründet.
Im Zeitalter des Neoliberalismus, wo prekäre Arbeitsverhältnisse und generelle Unsicherheit zu Freiheit und Selbstverwirklichung aufpoliert werden, macht das auch nur Sinn. Dann muss eben auch der Klimaschutz gemäß dem momentanen Zeitgeist etwas propagandistische Schminke auftun, um beim Wahlvolk noch von Interesse zu sein. Auch Umweltminister Carsten Schneider (SPD) hat die Strategie erkannt und hofft mit Argumenten wirtschaftlicher Stabilität durch Energie-Autarkie zu Zeiten der Hormus-Krise Pläne seines Hauses gegen die Dominanz der Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) durchsetzen zu können.
Er ist dabei nicht der Einzige, auch NGOs wie die Deutsche Umwelthilfe, Germanwatch oder gar Greenpeace setzen auf ebendiese Argumentationsführung: Wirtschaft, Sicherheit, Autonomie. Man kann das als Kapitulation deuten - oder eben als Realismus. Denn lange galt Klimaschutz als ein moralisches Projekt der urbanen oberen Mittelschicht, das gerade in Form individueller Konsumkritik in Zeiten neoliberaler Rezession und rechten Kulturkampfes gegen erneuerbare Energien politisch nur schwer vermittelbar war. Gemäß dem Motto: "Der Sprit für ihre 3er-Golfs ist zu teuer? Sollen sie doch E-Auto fahren."
Nun schließt sich der Kreis, und die langhaarigen Hippies von damals mimen rhetorisch die Clausewitze und Rockefellers von heute. Die künftige politische Zielgruppe der Energiewende wird nicht länger aus Besserverdienern aus Berlin-Prenzlauer Berg oder Alt-68er bestehen, sondern aus all jenen, die die Furcht vorm Russen und der nächsten Wirtschaftskrise plagt. Das hat Peter Lustig so auch nicht kommen sehen.
Wenn die Deutschen Klimaschutz im Business-Anzug besser verdauen, sei es drum. Wenn es tatsächlich dazu führen würde, dass der Ausbau erneuerbarer Energien massenhaft vorangetrieben wird, kann ein dahergelaufener Konservativer mit bayerisch-schwerer Zunge gerne von den Vorzügen der Energie-Autarkie für die deutsche Verteidigungsfähigkeit schwärmen und danach dreimal auf Habeck schimpfen. Letztlich sind es die Resultate, die zählen. "Wenn ein Löffelchen voll Zucker bittere Medizin versüßt, rutscht sie gleich noch mal so gut", wie Mary Poppins sagen würde.
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Bei den vergangenen Wahlkämpfen im Land konnte man eine erstaunliche Veränderung beobachten: Die Menschen interessieren sich nicht länger für den Klimawandel, und er ist als Thema für Parteien unbeliebter geworden. Dem Klimawandel selbst ist das natürlich egal, er wütet weiter; doch Politik folgt bekanntlich nicht der Physik, sondern Mehrheiten. Wie beim Wettrüsten im Kalten Krieg führte die Aktion der einen Seite indes schnell zur Reaktion der anderen, und so passen Klimaschützer*innen ihr rhetorisches Arsenal den politischen Gegebenheiten an und Klimaschutz wird neuerdings mit Sicherheits- und Wirtschaftspolitik begründet.
Im Zeitalter des Neoliberalismus, wo prekäre Arbeitsverhältnisse und generelle Unsicherheit zu Freiheit und Selbstverwirklichung aufpoliert werden, macht das auch nur Sinn. Dann muss eben auch der Klimaschutz gemäß dem momentanen Zeitgeist etwas propagandistische Schminke auftun, um beim Wahlvolk noch von Interesse zu sein. Auch Umweltminister Carsten Schneider (SPD) hat die Strategie erkannt und hofft mit Argumenten wirtschaftlicher Stabilität durch Energie-Autarkie zu Zeiten der Hormus-Krise Pläne seines Hauses gegen die Dominanz der Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) durchsetzen zu können.
Er ist dabei nicht der Einzige, auch NGOs wie die Deutsche Umwelthilfe, Germanwatch oder gar Greenpeace setzen auf ebendiese Argumentationsführung: Wirtschaft, Sicherheit, Autonomie. Man kann das als Kapitulation deuten - oder eben als Realismus. Denn lange galt Klimaschutz als ein moralisches Projekt der urbanen oberen Mittelschicht, das gerade in Form individueller Konsumkritik in Zeiten neoliberaler Rezession und rechten Kulturkampfes gegen erneuerbare Energien politisch nur schwer vermittelbar war. Gemäß dem Motto: "Der Sprit für ihre 3er-Golfs ist zu teuer? Sollen sie doch E-Auto fahren."
Nun schließt sich der Kreis, und die langhaarigen Hippies von damals mimen rhetorisch die Clausewitze und Rockefellers von heute. Die künftige politische Zielgruppe der Energiewende wird nicht länger aus Besserverdienern aus Berlin-Prenzlauer Berg oder Alt-68er bestehen, sondern aus all jenen, die die Furcht vorm Russen und der nächsten Wirtschaftskrise plagt. Das hat Peter Lustig so auch nicht kommen sehen.
Wenn die Deutschen Klimaschutz im Business-Anzug besser verdauen, sei es drum. Wenn es tatsächlich dazu führen würde, dass der Ausbau erneuerbarer Energien massenhaft vorangetrieben wird, kann ein dahergelaufener Konservativer mit bayerisch-schwerer Zunge gerne von den Vorzügen der Energie-Autarkie für die deutsche Verteidigungsfähigkeit schwärmen und danach dreimal auf Habeck schimpfen. Letztlich sind es die Resultate, die zählen. "Wenn ein Löffelchen voll Zucker bittere Medizin versüßt, rutscht sie gleich noch mal so gut", wie Mary Poppins sagen würde.
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