
© Foto: 2026 Heidelberger Druckmaschinen AG
Druckmaschinen und Drohnenabwehr, klingt wie ein schlechter Witz, ist aber tatsächlich ernsthaft. Heidelberger Druck steckt mitten in einem Umbau. Das Unternehmen verlässt sein angestammtes Terrain und drängt in völlig neue Märkte. Lateinamerika liefert überraschend starke Auftragszahlen, während in Brandenburg eine Anlage zur Drohnenabwehr angelaufen ist. Gleichzeitig kämpft der Konzern mit einer verfehlten Marge und einem Aktienkurs, der nach einem Anstieg zuletzt wieder ordentlich Federn ließ. Genau hier könnte aber eine Chance sein, denn wer in unruhigen Zeiten die Nerven behält, sieht manchmal Gelegenheiten, die andere verpassen. Lohnt sich jetzt ein Blick auf Heidelberger Druck?
Umbau mit Risiko, und Potenzial
Heidelberger Druck ist nicht mehr das, was es mal war, und das ist durchaus nicht böse gemeint. Der Konzern, der jahrzehntelang als Inbegriff des deutschen Maschinenbaus galt, erfindet sich gerade neu. CEO Jürgen Otto bleibt bis Juli 2029, Technologievorstand Dr. David Schmedding sogar bis Juni 2031. Der Aufsichtsrat hat die Verträge beider Führungskräfte vorzeitig verlängert, ein klares Statement zur eingeschlagenen Richtung. Mitten in einer Phase, in der Anleger nervös werden, setzt das Kontrollgremium auf Stabilität. Der Umbau läuft auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Im Verpackungsdruck geht Heidelberg mit dem Cartonmaster CX 145 in die Offensive, und das ausgerechnet ohne seinen Hardware-Partner Manroland Sheetfed, der seit März im Schutzschirmverfahren steckt. Statt zurückzurudern, übernimmt Heidelberg Vertrieb und Service kurzerhand selbst. Ein Risiko ist dies zweifellos, aber auch ein Signal, dass man eigenständig bestehen kann. Auf der Messe interpack in Düsseldorf im Mai soll der Cartonmaster erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden, versprochen werden beeindruckende 90 Prozent Maschinenverfügbarkeit und Druckgeschwindigkeiten bis 600 Meter pro Minute. Parallel dazu ist das Joint Venture ONBERG Autonomous Systems vor kurzem gestartet, in Brandenburg an der Havel, gemeinsam mit dem Partner Ondas Autonomous Systems. Ziel sind autonome Drohnenabwehrsysteme für den europäischen Markt. Erste Umsätze werden frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2026/2027 erwartet. Bis dahin kostet der Aufbau Geld, und drückt auf die Marge. Brummt aber das Geschäft, sollte das die Börse früher oder später honorieren.

Charttechnik
Der Kurs hat zuletzt deutlich gelitten. Nach einem kurzen Ausbruch nach oben, befeuert von der Rüstungsfantasie rund um das neue Drohnenabwehr-Joint-Venture, kam die Ernüchterung prompt in Form einer Gewinnwarnung. Die Aktie brach unter den 200er SMA bei 1,83 Euro und fiel auf knapp über 1,50 Euro zurück. Aber auf diesem Niveau könnte man durchaus mal ein paar Stücke einsammeln und auf eine Erholung in Richtung Kursziel 2,00 Euro setzen. Das durchschnittliche Analystenkursziel liegt immerhin bei knapp über 2,00 Euro, da wäre Luft nach oben. Ein enger Stopp bei z. B. etwa 1,35 Euro begrenzt das Risiko überschaubar. Wer den Trade angehen möchte, findet hier ein interessantes Chance-Risiko-Verhältnis.
Was tun?
Die Zahlen zeigen ein gemischtes Bild. Die bereinigte EBITDA-Marge liegt bei rund 6,6 Prozent, deutlich unter dem Zielwert von 7,1 Prozent. Ursache sind Gegenwind durch Währungseffekte, ein ungünstiger Produktmix und die nachlassende Investitionsbereitschaft der Kunden seit dem Beginn des Iran-Konflikts Ende Februar. Auf der anderen Seite wuchs der Umsatz in den ersten neun Monaten auf 1,6 Milliarden Euro, ein Plus von rund 6 Prozent. Der Nettogewinn drehte ins positive Terrain. Aus Lateinamerika kommen starke Signale: Auf der Expoprint in São Paulo sammelte Heidelberg Aufträge über 30 Millionen Euro ein, der Auftragseingang in der Region Americas stieg im dritten Quartal um 17 Prozent. Am 10. Juni legt das Unternehmen die endgültigen Jahreszahlen vor. Dann wird es spannend. Wer bereit ist, etwas Geduld mitzubringen und das Risiko kennt, findet bei Heidelberger Druck aktuell eine interessante Spekulation (siehe oben) mit echtem Aufwärtspotenzial.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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