DJ ÜBERBLICK am Mittag/Konjunktur, Zentralbanken, Politik
Die wichtigsten Ereignisse und Meldungen zu Konjunktur, Zentralbanken, Politik aus dem Programm von Dow Jones Newswires
S&P Global: Deutsche Wirtschaft schrumpft im April
Die deutsche Wirtschaft ist im April wegen des Iran-Kriegs erstmals seit knapp einem Jahr wieder in den rezessiven Bereich abgerutscht. Der von S&P Global erhobene Sammelindex für die Produktion in der Privatwirtschaft - Industrie und Dienstleister zusammen - fiel auf 48,3 von 51,9 Punkten im Vormonat, wie aus den Daten der ersten Veröffentlichung für den Monat hervorgeht. Von Dow Jones Newswires befragte Ökonomen hatten nur einen Rückgang auf 51,0 erwartet.
Deutsche Konjunktur bessert sich ab Sommer wieder
Michael Herzum, der Chefvolkswirt von Union Investement, sieht gute Chancen, dass sich die Stimmung in den deutschen Unternehmen rasch wieder verbessert. "Die USA und der Iran haben kein Interesse an einer erneuten militärischen Eskalation", schreibt er in einem Kommentar zum unerwartet deutlichen Rückgang der deutschen Einkaufsmanagerindizes im April. Die derzeit hohen Benzin- und Dieselpreise in den USA seien Gift für Donald Trumps Republikaner sechs Monate vor den Midterm-Wahlen im November, und der militärisch und wirtschaftlich erheblich geschwächte Iran könne nicht lange auf seine Öleinnahmen verzichten.
S&P Global: Euroraum-Wirtschaft schrumpft im April
Die Eurozone-Wirtschaft ist im April vor dem Hintergrund des Iran-Kriegs in die Schrumpfungszone abgerutscht. Der Sammelindex für die Produktion in der Privatwirtschaft - Industrie und Dienstleister zusammen - fiel auf 48,6 Zähler von 50,7 im Vormonat, wie S&P Global im Zuge der ersten Veröffentlichung berichtete. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten nur einen Rückgang auf 50,0 Punkte vorhergesagt.
Iran-Krieg belastet Euroraum-Konjunktur
Der Krieg gegen den Iran und die damit einhergehende Sperrung der Straße von Hormus werden nach Aussage von Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der liechtensteinischen VP Bank, zu einer Belastung für die Konjunktur des Euroraums. "Herrschte noch bis März Aufbruchstimmung, kann davon überhaupt keine Rede mehr sein. Die höheren Energiepreise werden nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung in der Eurozone erheblich dämpfen, sondern die gesamte Weltwirtschaft ist davon betroffen", schreibt er in einem Kommentar zum unerwartet deutlichen Rückgang des aggregierten Einkaufsmanagerindex (PMI) im April auf 48,6 (März: 50,7) Punkte.
Frankreich profitiert von Atomkraft
Frankreich dürfte die hohen Energiepreise nach Aussage von Analysten von Goldman Sachs besser als andere europäische Länder abwettern. "Die zwei Hauptgründe hierfür sind, dass Frankreichs Industrie kleiner und weniger energieintensiv ist, während seine Atomstromproduktion dazu beiträgt, die Verbindung zwischen Strom- und Gaspreisen zu trennen", schreiben sie in einem Kommentar. Infolgedessen liege die Wachstumsprognose von Goldman Sachs für das Wirtschaftswachstum mit 0,8 Prozent nur leicht unter den Prognosen der Regierung, der Banque de France und dem Konsens von 0,9 Prozent.
Energiemärkte normalisieren sich erst Ende September
Rabobank-Analysten erwarten angesichts des Verhandlungsstillstands am Golf eine noch spätere Normalisierung der Energiemärkte. "Da die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran verzögert sind und ein kurzfristiger politischer Ausweg ungewiss bleibt, geht unser Basisszenario nun von einer zwei- bis vierwöchigen verlängerten Schließung der Straße von Hormus aus, was eine nennenswerte Normalisierung der Energieströme bis in den späten September hinauszögert", schreiben sie in einem Kommentar. Ihr Eindruck ist, dass die Märkte die dauerhaften Versorgungsunterbrechungen, die unterbrochenen Lieferketten und die Eskalationsrisiken, die über die Schließung selbst hinaus bestehen blieben, erheblich unterbewerteten.
Brent über 100 Dolar - Kaum Fortschritte bei Gesprächen USA-Iran
Die Ölpreise steigen, wobei die Rohölsorte Brent über 100 US-Dollar je Barrel notiert. Die Unsicherheit bezüglich der Friedensgespräche zwischen den USA und dem Iran und die erhöhten Spannungen in der Straße von Hormus halten den Markt in Atem. Im frühen europäischen Handel legt der internationale Öl-Benchmark um 1,3 Prozent auf 103,26 US-Dollar je Barrel zu, während sich WTI um 1,5 Prozent auf 94,32 US-Dollar je Barrel verteuert. Regionale Vermittler versuchen, den diplomatischen Prozess wieder in Gang zu bringen, aber bisher wurden nur geringe Fortschritte erzielt.
DJG/DJN/apo
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April 23, 2026 07:30 ET (11:30 GMT)
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