DJ IRAN-BLOG/Deutschland droht mit neuen Sanktionen gegen den Iran
Nachrichten, Kommentare, Einschätzungen und Entwicklungen im Nahen Osten:
Deutschland droht mit neuen Sanktionen gegen den Iran
Deutschland hat die Ankündigung der USA begrüßt, den Waffenstillstand mit dem Iran zu verlängern, erklärte jedoch, es werde zusätzliche Sanktionen gegen Teheran in Betracht ziehen, sollte das Land die Straße von Hormus weiterhin blockieren. "Teheran sollte diese Gelegenheit nutzen", erklärte Berlin und forderte den Iran auf, "sein Atomwaffenprogramm zu beenden und die Drohungen gegen Israel und andere Nachbarstaaten einzustellen". Deutschland erklärte letzte Woche, es werde sich militärisch an einer internationalen Mission zur Sicherung des Seeverkehrs in der Meerenge beteiligen, sobald die Feindseligkeiten eingestellt seien, jedoch nur, wenn die Mission ein Mandat der Vereinten Nationen, der Nato oder der Europäischen Union erhalten könne. Sollten die USA und der Iran eine Einigung erzielen, sei Berlin bereit, gemeinsam mit seinem Partner an einer Lockerung der bestehenden Restriktionen gegen Teheran zu arbeiten, so die Bundesregierung. "Die Straße von Hormus muss dauerhaft, zuverlässig und ohne jegliche Beschränkungen oder Gebühren offen gehalten werden", fügte sie hinzu.
USA entern Tanker mit iranischem Öl im Indischen Ozean
US-Streitkräfte haben im Indischen Ozean ein sanktioniertes, staatenloses Schiff geentert, das Öl aus dem Iran transportierte, wie das US-Verteidigungsministerium auf X mitteilte. Die Soldaten enterten die "Majestic X" in der Nacht im Rahmen der US-Blockade von Schiffen, denen vorgeworfen wird, dem Iran zu helfen. Das US-Verteidigungsministerium erklärte, es werde "die weltweite Durchsetzung der Seerechtsvorschriften fortsetzen, um illegale Netzwerke zu zerschlagen und Schiffe abzufangen, die dem Iran materielle Unterstützung leisten, wo auch immer sie operieren". Am Dienstag enterten US-Truppen im Indischen Ozean die "Tifani", einen Öltanker, der zuvor von den USA wegen Zusammenarbeit mit dem Iran mit Sanktionen belegt worden war.
Iran verbucht erste Einnahmen aus der Hormus-Maut
Der Iran hat erste Einnahmen aus der Maut für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus erzielt, wie ein iranischer Abgeordneter mitteilte. Hamid Reza Haji Babaei, stellvertretender Parlamentspräsident, erklärte laut der halbstaatlichen Nachrichtenagentur Tasnim, dass die von den durch die Wasserstraße fahrenden Schiffen eingenommenen Gelder auf das Konto der Staatskasse eingezahlt worden seien. Der Iran hat nicht bekannt gegeben, wie viel er durch die Maut eingenommen hat, die gegen ein Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen verstößt, das der Iran allerdings nicht ratifiziert hat. Das Parlament des Landes und das oberste Sicherheitsgremium prüfen derzeit einen Plan, um die Kontrolle über die Meerenge zu formalisieren.
IEA-Chef warnt vor Verschärfung der Energiekrise
Der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA) hat davor gewarnt, dass die aktuelle, durch den Krieg im Nahen Osten ausgelöste Energiekrise schlimmer sei als jede andere in der jüngeren Geschichte und dass ihre Auswirkungen umso gravierender würden, je länger sie andauere. "Je länger sie dauert, desto länger werden wir brauchen, um wieder dorthin zurückzukommen, wo wir waren", sagte Fatih Birol bei einer Veranstaltung von CNBC. Er verglich die Einschränkungen der Öl- und Gasversorgung durch die Sperrung der Straße von Hormus mit den Energieversorgungskrisen von 1973, 1979 und nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine im Jahr 2022. Bei den Ölkrisen der 1970er Jahre, so sagte er, habe die Welt täglich etwa 10 Millionen Barrel Öl verloren, verglichen mit 13 Millionen Barrel pro Tag heute. "Was Gas angeht, haben wir vor vier Jahren im Russland-Ukraine-Konflikt etwa 75 [Milliarden Kubikmeter] verloren, und bis jetzt sind es 100", sagte er. Birol erklärte, dass es darüber hinaus zu Versorgungsengpässen bei lebenswichtigen Rohstoffen wie Düngemitteln und petrochemischen Produkten wie Schwefel komme, was erhebliche Auswirkungen auf die Lieferketten weltweit haben werde. "Wenn man all das zusammennimmt, stehen wir derzeit tatsächlich vor der größten Energiekrise der Geschichte."
Fuest: Ölpreis dürfte nicht über 115 Dollar hinaus steigen
Der Präsident des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, sieht einen nur noch begrenzten Spielraum für einen weiteren Anstieg des Ölpreises. In einem Webinar sagte der Ökonom, 20 Prozent des weltweiten Ölangebots kämen aus der Golfregion. Unter der Annahme, dass die Hälfte hiervon wegfalle und dass die Preiselastizität der weltweiten Ölnachfrage bei 0,15 liege, (ein Preisanstieg um 10 Prozent lässt die Nachfrage um 1,5 Prozent sinken), ergebe sich ein Preisanstieg um 67 Prozent. Auf Basis des Durchschnittspreises von 2025 von 69 US-Dollar ergebe sich ein Anstieg auf 115 Dollar. Was das für die Konjunktur bedeutet, wird Fuest zufolge vom weiteren Verlauf des Konflikts abhängen. Er geht davon aus, dass das von Ifo-Institut entworfene Deeskalationsszenario für den Nahostkonflikt "vom Tisch" ist und man sich nun im Eskalationsszenario befindet.
Energiemärkte normalisieren sich erst Ende September
Rabobank-Analysten erwarten angesichts des Verhandlungsstillstands am Golf eine noch spätere Normalisierung der Energiemärkte. "Da die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran verzögert sind und ein kurzfristiger politischer Ausweg ungewiss bleibt, geht unser Basisszenario nun von einer zwei- bis vierwöchigen verlängerten Schließung der Straße von Hormus aus, was eine nennenswerte Normalisierung der Energieströme bis in den späten September hinauszögert", schreiben sie in einem Kommentar. Ihr Eindruck ist, dass die Märkte die dauerhaften Versorgungsunterbrechungen, die unterbrochenen Lieferketten und die Eskalationsrisiken, die über die Schließung selbst hinaus bestehen blieben, erheblich unterbewerteten. Sie verweisen auf beschädigte LNG-Infrastruktur, verzögertes Angebotswachstum und kritisch niedrige Lagerbestände in Europa.
Trump-Sprecherin betont US-Kontrolle
Die Pressesprecherin des Weißen Hauses hat in einem Fernsehinterview zwei zentrale Punkte erläutert, denen der Iran in den Verhandlungen zustimmen müsse. Erstens dürfe das Land keine Atombombe erlangen, die die USA und ihre Verbündeten bedrohen würde, und zweitens müsse es auf angereichertes Uran verzichten, so Karoline Leavitt. "Die Vereinigten Staaten behalten die Kontrolle über die Situation", sagte Leavitt Fox News Channel. Über Präsident Trump sagte sie: "Er hat den gesamten Handlungsspielraum, und genau deshalb hat er sich mit der Verlängerung der Waffenruhe ein wenig Flexibilität bewahrt, während wir auf eine einheitliche Antwort der Iraner auf den sehr klaren Vorschlag des Präsidenten warten."
Iran signalisiert Gesprächsoffenheit
Der iranische Präsident Masoud Pezeshkian hat Teheran als weiterhin offen für Dialog bezeichnet, Washington aber zugleich vorgeworfen, die Aussichten auf sinnvolle Verhandlungen durch Vertragsbrüche, eine anhaltende Blockade und fortwährende Drohungen zu untergraben. In einem Beitrag in den sozialen Medien kritisierte Pezeshkian die USA für ihre "endlosen heuchlerischen" Botschaften, während die Spannungen angesichts stockender diplomatischer Bemühungen hoch blieben.
Trump will Iran wenige Tage für Friedensplan Zeit geben
US-Präsident Donald Trump will dem Iran laut US-Vertretern ein paar Tage für ein Angebot eines Friedensplans geben. Dies sei ein Zeichen dafür, dass seine Verlängerung des Waffenstillstands nicht auf unbestimmte Zeit andauern werde. Trump und sein Team waren laut den Offiziellen am Dienstag zu der gemeinsamen Einschätzung gelangt, dass es in der iranischen Regierung interne Meinungsverschiedenheiten über das weitere Vorgehen gebe und sie mehr Zeit brauche, um einen Konsensvorschlag zu erarbeiten. Trump zögert, die Angriffe auf den Iran wieder aufzunehmen. Er hält sich diese Option jedoch weiterhin offen. Bei Treffen im Weißen Haus am Dienstag habe er seine Berater sogar nach zukünftigen Operationen gefragt. Dies sagten die Regierungsvertreter.
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April 23, 2026 08:29 ET (12:29 GMT)
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