BEIRUT/TEL AVIV (dpa-AFX) - Kurz vor einem weiteren Treffen auf Botschafterebene zwischen den verfeindeten Nachbarländern Israel und Libanon hat es erneut tödliche Zwischenfälle im Südlibanon gegeben. Ein israelischer Luftangriff habe auf einer Straße nahe der Stadt Nabatija drei Menschen getötet, teilte das libanesische Gesundheitsministerium am Abend mit. Demnach gab es bei israelischem Artilleriebeschuss in einem Ort unweit der israelischen Grenze zudem zwei Verletzte. Das israelische Militär teilte auf Anfrage mit, den Vorwürfen nachzugehen.
Derzeit gilt zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon eine Waffenruhe. Die libanesische Regierung, die selbst keine Kriegspartei ist, will, dass die am vergangenen Freitag in Kraft getretene zehntägige Waffenruhe in eine dauerhafte Beilegung der Kämpfe mündet. Zudem will sie einen Abzug der israelischen Soldaten aus dem Südlibanon erreichen. Israel strebt ein dauerhaftes Friedensabkommen mit dem Libanon sowie eine Entwaffnung der Hisbollah an.
Israels Militär: Zwei Bewaffnete getötet
Israels Armee teilte mit, in dem südlibanesischen Dorf Ainata hätten sich zwei Bewaffnete israelischen Soldaten genähert. Um die Gefahr zu beseitigen, seien beide getötet worden. Aus dem Libanon gab es für diesen Vorfall zunächst keine Bestätigung.
Seit Beginn der Waffenruhe gibt es aber immer wieder gewaltsame Vorfälle im Libanon. In der aktuellen Waffenruhe-Vereinbarung heißt es, Israel solle zwar "offensive" Einsätze gegen Ziele im Libanon unterlassen. Das Land darf sich demnach aber gegen geplante, unmittelbar bevorstehende oder andauernde Angriffe verteidigen.
Israel hat im Südlibanon nach eigenen Angaben eine sogenannte Sicherheitszone eingerichtet, die zum Schutz der nordisraelischen Ortschaften vor Hisbollah-Angriffen dienen solle. Die libanesische Führung spricht dagegen von einer Besatzung ihres Staatsgebiets.
Israel und Libanon setzen Gespräche in Washington fort
Am späten Abend waren in Washington erneut Gespräche zwischen der libanesischen Botschafterin in den USA, Nada Hamadeh Moawad, sowie dem israelischen Vertreter in Washington, Jechiel Leiter, geplant. Beide hatten sich bereits in der vergangenen Woche getroffen. Es waren die ersten direkten Gespräche von Repräsentanten der beiden verfeindeten Länder seit Jahrzehnten./wh/DP/he
