
© Foto: Opt Lasers from Poland auf Pexels (Symbolbild)
Wer in den letzten Wochen die LPKF-Aktie verfolgt hat, traut seinen Augen kaum. Innerhalb von vier Monaten kletterte der Kurs um deutlich über 200 Prozent nach oben, von knapp unter 6 Euro auf zeitweise über 18 Euro. Das klingt nach einer Erfolgsgeschichte. Ist es aber nicht, zumindest nicht so, wie es auf den ersten Blick aussieht. Denn hinter der glänzenden Oberfläche lauert ein ernstes Problem:
Die Zahlen des Unternehmens passen einfach nicht zu dieser Bewertung. Der Umsatz bricht ein, das Unternehmen schreibt tiefrote Zahlen, und der Auftragsbestand ist dramatisch geschrumpft. Trotzdem feiert die Börse LPKF wie einen kommenden Weltmarktführer. Doch woher kommt dieser Hype? Und vor allem, wie lange kann er noch anhalten? Wer jetzt noch einsteigt, spielt ein gefährliches Spiel. Wer bereits investiert ist, sollte sehr genau hinschauen, denn die nächste große Bewegung könnte nach unten gehen. Deutlich nach unten.
Rally nach Blogbeitrag
Die Rally begann nicht mit einem Großauftrag. Nicht mit einem Durchbruch in den Geschäftszahlen. Sie begann mit einem Blogbeitrag. Ein viraler Post über die sogenannte LIDE-Technologie von LPKF, kurz für Laser Induced Deep Etching, reichte aus, um die Aktie in kürzester Zeit in die Höhe zu katapultieren. Das Verfahren erlaubt es, hauchdünne Glasscheiben mit Millionen winziger Löcher zu versehen, ohne dass das Material bricht. Das klingt technisch unspektakulär, hat aber für die Chipindustrie enormes Potenzial. Denn Glas könnte künftig die heute verwendeten Kunststoffträger ersetzen, gerade für KI-Hochleistungschips, die extreme Hitze erzeugen und bisher an die Grenzen der Materialien stoßen. Kooperationen mit TPK Holding und ASE Technology sind bereits abgeschlossen, eine Pilotlinie soll noch dieses Jahr stehen. Klingt vielversprechend. Das Problem ist aber, dass der eigentliche Volumenhochlauf vom LPKF-Management frühestens ab 2029 erwartet wird. Bis dahin fließt aus dieser Technologie so gut wie kein Geld in die Kasse.

Charttechnik
Der Chart sagt eigentlich alles. Die Aktie hat sich in kürzester Zeit wie eine Fahnenstange entwickelt, steil nach oben, ohne nennenswerte Pausen. Solche Bewegungen sehen spektakulär aus, aber sie enden selten sanft. Der Relative-Stärke-Index liegt auch jetzt noch bei über 82 Punkten und damit tief im überkauften Bereich. Das bedeutet, dass die Aktie heiß gelaufen ist, sehr heiß sogar. Gleichzeitig zeigen die langen oberen Dochte auf den Candelsticks, dass Anleger bei höheren Kursen zunehmend verkaufen. Der Kaufdruck lässt nach. Größerer Widerstand findet sich im Bereich zwischen 19,50 und 21,00 Euro. Darunter wird es ebenfalls schnell ungemütlich. Die nächsten Unterstützungszonen liegen bei rund 10,50 bis 11,00 Euro, danach droht ein freier Fall bis in den einstelligen Bereich. Alle wichtigen gleitenden Durchschnitte, der SMA 50 und 200, notieren weit unterhalb des aktuellen Kursniveaus im einstelligen Bereich bei ca. 8 und darunter. Das zeigt, wie weit die Aktie schon gelaufen ist und wie viel Luft nach unten noch vorhanden ist.
Was tun?
Wer jetzt noch kauft, braucht starke Nerven und sollte sich ehrlich fragen: Kaufe ich hier ein Unternehmen, eine Geschichte oder zocke ich einfach nur gerne? Denn die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Der Umsatz sank 2025 auf 115 Millionen Euro. Das bereinigte Betriebsergebnis lag bei knapp 0,8 Millionen Euro, quasi null. Der Nettoverlust belief sich auf 14,3 Millionen Euro. Der Auftragsbestand halbierte sich auf 27 Millionen Euro. Für 2026 rechnet das Management mit einem Verlust je Aktie. Die Analysten von Montega haben die Aktie bereits auf "Halten" herabgestuft und sehen das Kursziel bei 9 Euro, rund 45 Prozent unter dem aktuellen Niveau. Die ganze Rally basiert auf Spekulationen rund um die LIDE-Glastechnologie, die frühestens ab 2027 nennenswerte Umsätze liefern soll. Harte Fakten in Form von Großaufträgen fehlen bislang. Am 30. April legt LPKF die Quartalszahlen vor. Sollte da keine konkrete Auftragsperspektive kommen, dürfte die Luft schnell raus sein. Wer bereits investiert ist, sollte Gewinne konsequent absichern. Ein Neueinstieg ist angesichts der überhitzten Lage, der schwachen Fundamentaldaten und der klaren Warnsignale im Chart derzeit nicht unbedingt zu empfehlen, außer für Zocker, die auch bereit sind, ihren Einsatz zu verlieren.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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