DJ MARKT-AUSBLICK/Mit Iran-Hängepartie setzt nun die Berichtssaison Akzente
Von Manuel Priego Thimmel
DOW JONES--Der Irankrieg wird zur Hängepartie. Zwar gilt weiter ein unbefristeter Waffenstillstand, allerdings sind die Bemühungen um eine diplomatische Lösung ins Stocken geraten. Offenbar wird aktuell nicht einmal zwischen dem Iran und den USA verhandelt. Derweil klettert der Ölpreis weiter - Brent notiert nun bei 105 Dollar das Fass - und damit steigen die Inflations- und Wachstumsrisiken. Keine leichte Ausgangslage für die Zentralbanken, die nächste Woche über die Geldpolitik entscheiden.
Die gestiegenen Energiepreise haben die Euroraum-Inflation im März auf 2,6 Prozent von 1,9 Prozent stark nach oben getrieben. Auch bei den gerade veröffentlichten schwachen Einkaufsmanagerindizes indizieren die Unterkomponenten einen steigenden Preisdruck. "Gerade die Entwicklung im verarbeitenden Gewerbe erinnert frappierend an den Anstieg vor wenigen Jahren", so die Commerzbank. Gleichzeitig geben mehr Firmen an, insbesondere im verarbeitenden Gewerbe an, ihre Verkaufspreise erhöht zu haben.
Für die EZB, die am Donnerstag ihre geldpolitische Entscheidung treffen wird, ist das keine einfache Situation. Die Inflationserwartungen der Verbraucher sind bereits gestiegen, und damit auch das Gespenst von Zweitrundeneffekten, wie nach dem Corona-Schock gesehen. Gleichzeitig gehen die Konjunkturdaten in den Sinkflug über, wie gerade der Ifo-Index gezeigt hat. Die EZB dürfte also erst einmal stillhalten, man wird der weiteren Dinge harren.
Auch bei der US-Notenbank, die am Mittwoch über die Geldpolitik entscheidet, wird erwartet, dass sie das aktuelle Zinsniveau bestätigen wird, und das trotz des hohen politischen Drucks, die Zinsen zu senken. Da sich die Ernennung des designierten Nachfolgers von Fed-Chairman Jerome Powell, Kevin Warsh, hinzieht, wird es in der Fragerunde vor allem darum gehen, ob Powell wie bereits angekündigt tatsächlich über den 15. Mai hinaus die Amtsgeschäfte ausüben wird.
US-Präsident Donald Trump hat für diesen Fall bereits mit der Entlassung von Powell gedroht. "Auch wenn dies rechtlich auf hohe Hürden stoßen würde, ist ein Wiederaufflammen des Konflikts zwischen Weißem Haus und Fed kaum dazu geeignet, in der momentan schwierigen Lage die Märkte zu beruhigen", heißt es bei der Commerzbank.
In der Zwischenzeit setzt die an Fahrt aufnehmende Berichtssaison zunehmend Akzente an den Börsen. Für Erleichterung sorgen die mit großer Spannung erwarteten Erstquartalszahlen des DAX-Schwergewichts SAP. Diese fielen besser als erwartet aus. Die Aktie hat seit Jahresbeginn aus Angst vor KI-Disruptionen fast 30 Prozent an Wert verloren, was das aktuelle Kursplus von 6 Prozent stark relativiert. Anleger warten nun auf ein KI-Update des Softwaregiganten auf der Sapphire-Konferenz im Mai.
Die Berichtssaison beginnt vor dem Hintergrund eines herausfordernden makroökonomischen Umfelds und geopolitischer Unsicherheiten. Dennoch wurden die Gewinnschätzungen für das erste Quartal laut der Deutschen Bank in den vergangenen Wochen nach oben korrigiert; der Konsens erwartet nun ein Gewinnwachstum von 2 Prozent. Die Analysten sehen daher nur begrenzten Spielraum für positive Überraschungen, und erwarten eine unterdurchschnittliche "Beat-Rate". Das könnte zum Problem für die Börsen werden.
Unterstützung für die Börsen sollte aber die gerade beginnende Dividendensaison liefern. Airbus, Deutsche Telekom, Mercedes-Benz und Siemens sowie Infineon, Siemens Energy und Siemens Healthineers haben laut der Commerzbank nach ihren Hauptversammlungen bereits 17 Milliarden Euro ausgeschüttet. Die restlichen 33 DAX-Unternehmen dürften weitere 37,9 Milliarden an Dividenden zahlen. Die gesamte DAX-Dividendensumme wird damit wahrscheinlich um 4 Prozent auf 54,9 Milliarden steigen - ein Allzeithoch.
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