Deutz schreibt eine beeindruckende Erfolgsstory an der Börse. Allein in den letzten zwölf Monaten hat der Kurs um mehr als 50 Prozent zugelegt. Und das, obwohl das Kerngeschäft des Unternehmens auf Verbrennungsmotoren für klassische Industriezweige ausgerichtet ist. Auch wenn auf diese Aggregate aktuell und wohl auch noch für lange Zeit in vielen Bereichen zurückgegriffen wird, geht vom Vormarsch der Elektromotoren Druck auf die Märkte aus. Deutz ist auch hier sehr aktiv, aber grundsätzlich ist im Bereich der Elektromotoren die Wettbewerbsintensität, insbesondere durch asiatische Anbieter, höher.
Mehrere Initiativen für Defence-Sektor
Aber Deutz hat darauf eine gute Antwort gefunden und expandiert in attraktive Nischen, was die Wachstumsdynamik und die Margenpotenziale erhöht. Besonders im Fokus steht dabei der Defence-Sektor, der derzeit große Chancen bietet. Deutz ist hier sehr umtriebig und hat sich bereits an zwei aussichtsreichen Unternehmen beteiligt, die sich auf Drohnenabwehrsysteme (Tytan Technologies) bzw. Robotersysteme (ARX Robotics) spezialisiert haben. Die Sobek Group, die elektrische Antriebe und Steuerungssysteme vor allem für Drohnen herstellt, wurde im letzten Jahr vollständig übernommen. Für den Kapitalmarkt bietet Deutz damit ein attraktives Paket aus einem etablierten Kerngeschäft und starken Wachstumschancen in neuen Märkten, was von den Anlegern auch honoriert wird.
Heidelberger Druck mit ähnlichem Ansatz
Dieses Modell wird inzwischen auch von Heidelberger Druckmaschinen verfolgt. Der Startschuss wurde im Sommer 2025 in Form einer strategischen Partnerschaft mit der Gesellschaft VINCORION gegeben, die Energiesysteme für sicherheitskritische Anwendungen entwickelt und mittlerweile selbst börsennotiert ist. Das Asset, das Heidelberger Druck einbringen kann, ist das ausgeprägte Produktions-Know-how im Anlagenbau, mit dem die Herstellung von Defence-Partnern professionalisiert und skaliert werden kann. Genau dieser Ansatz wird auch gemeinsam mit der Gesellschaft Ondas Autonomous Systems verfolgt, mit der ein Joint Venture gegründet wurde, um nun von einem Heidelberg-Standort in Brandenburg aus den Vertrieb in Europa zu forcieren und - bei entsprechendem Markterfolg - die Produktion deutlich auszuweiten. Die Aktie von Heidelberger Druckmaschinen hat auf diese Entwicklungen mit wiederkehrenden deutlichen Ausschlägen nach oben reagiert, bislang wurde sie jedoch von der schwierigen Lage im Kerngeschäft mit Druckmaschinen immer wieder nach unten gezogen.
Neuer Kandidat in den Startlöchern
Anders könnte es bei der electrovac AG aussehen. Das Unternehmen, das sich gerade in der IPO-Phase befindet und dessen Aktien noch bis zum 27. April gezeichnet werden können, kann schon für das bisherige Kerngeschäft einen schönen Wachstumstrend vorweisen. Denn die Gesellschaft hat sich auf hermetische Glas-Metall-Gehäuse spezialisiert, die empfindliche Elektronik in sicherheitskritischen Anwendungen schützen. Eine Nische zwar, aber eine mit zahlreichen Anwendungen, hohen Qualifikationsanforderungen und großer Relevanz für die Sicherheit und Zuverlässigkeit der Produkte, in denen die electrovac-Lösungen Verwendung finden. Dementsprechend reichen die Einsatzgebiete von Airbags und Gurtstraffern über Raumfahrtanwendungen bis hin zu militärischen Systemen. Neben stabilen Kundenbeziehungen ermöglicht diese Aufstellung auch ansehnliche Margen. Im Geschäftsjahr 2024/25 konnte electrovac bei einem Umsatz von 98,2 Mio. Euro ein EBIT von 9,1 Mio. Euro erzielen. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2025/26 waren es bei 85,9 Mio. Euro Umsatz sogar 10,5 Mio. Euro EBIT.
Auch hier steht der Defence-Sektor im Fokus
Für besondere Wachstums- und Margenchancen sorgt vor allem der Einsatz im Defence-Sektor, der aufgrund der neuen geopolitischen Lage in Europa eine Renaissance erlebt. Daher ist es gut möglich, dass electrovac den Wachstumstrend bei Umsatz und Ergebnis weiter beschleunigen kann. Das Unternehmen selbst traut sich mittelfristig einen Umsatz von 150 Mio. Euro sowie eine EBIT-Marge von über 12 Prozent zu. Um das zu erreichen, sollen die Zuflüsse aus dem derzeit laufenden Börsengang vor allem für den Ausbau der Kapazitäten und eine stärkere Internationalisierung verwendet werden.
Fazit
Deutz macht vor, wie man seine Equity-Story für den Kapitalmarkt erfolgreich weiterentwickelt - mit einem starken Standbein in klassischen Industrien, kombiniert mit einer Expansion in attraktive Wachstumsmärkte, wobei der Defence-Sektor derzeit besonders attraktiv ist. Auch Heidelberger Druckmaschinen folgt diesem Weg, der Kurs wird durch das aktuell schwierige Kerngeschäft aber noch ausgebremst.
Mit electrovac kommt gerade ein weiteres Unternehmen an die Börse, das ein starkes und in vielen Industriezweigen etabliertes Kerngeschäft mit einem wachsenden Defence-Geschäft kombiniert. Noch läuft die Zeichnungsphase, bei der dieses Mal auch Privatanleger deutlich bessere Zuteilungschancen haben, da ihre Orders quotal berücksichtigt werden sollen. Zudem wurde die Möglichkeit geschaffen, über die Website von electrovac direkt Zeichnungen aufzugeben - eine interessante Innovation für den IPO-Markt. Der Marktstart der Aktie wird spannend, insgesamt dürfte die Gesellschaft mit dieser Aufstellung eine Bereicherung für den Kurszettel werden. (aktien-globlal.de, erstellt 24.04.26, 16:17 Uhr, veröffentlicht 24.04.26, 16:18 Uhr, bitte beachten Sie unseren Disclaimer zu potenziellen Interessenkonflikten: https://www.aktien-global.de/impressum/)
Originalmeldung: https://www.aktien-global.de/news-cov/newscov_deutz_ag/deutz_das_erfolgsmodell__und_die_nachfolger-23698/



