DJ MÄRKTE EUROPA/Investoren bleiben vorsichtig - Brent-Öl bei 105 USD
Von Steffen Gosenheimer
DOW JONES--Am europäischen Aktienmarkt hat am Freitag Vorsicht das Geschehen dominiert. Die unverändert angespannte Lage im Iran-Krieg und die weiter gesperrte Straße von Hormus mit in der Folge weiter hohen Ölpreisen sorgten für Zurückhaltung - zumal vor dem Wochenende. Nur zwischenzeitlich hatten die Kurse mit Aufschlägen auf Berichte reagiert, laut denen Irans Außenminister zu einer Reise nach Pakistan, Oman und Russland aufbrechen werde. Das schürte Hoffnung, dass Bewegung in die stockenden Verhandlungen des Iran mit den USA bringen könnte.
Am Ende des Tages lag der DAX bei 24.129 Punkten, 0,1 Prozent unter dem Vortagesschluss. Der Euro-Stoxx-50 kam um 0,2 Prozent zurück. Brent-Öl kostete weiter klar über 100 Dollar, zuletzt waren fast 105 Dollar je Fass fällig. Trotz der damit verbundenen Inflationssorgen kamen die Renditen am Anleihemarkt zumindest leicht zurück.
Ein schwach ausgefallener Ifo-Index war nicht dazu angetan, die Stimmung zu verbessern. Der wichtige deutsche Geschäftsklimaindex sank vor dem Hintergrund des Krieges im Iran im April stärker als erwartet - auf den niedrigsten Stand seit Mai 2020. "Die Irankrise trifft die deutsche Wirtschaft hart", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Volkswirte der Commerzbank sprachen gar von einem Einbruch, der unmissverständlich zeige, wie sehr der Energiepreisschock die deutsche Wirtschaft treffe.
Für Erleichterung sorgten die mit Spannung erwarteten Quartalszahlen von SAP. Sie fielen besser als erwartet aus. Nachdem die SAP-Aktie am Vortag noch um gut 6 Prozent abgerutscht war im Zuge einer neuerlichen breiten Schwäche bei Aktien aus dem Bereich Unternehmenssoftware, ging es mit dem Kurs um 4,7 Prozent nach oben. Die Aktie liegt dennoch seit Jahresbeginn fast 30 Prozent im Minus, weil am Markt seit einiger Zeit die Sorge grassiert, dass der immer breitere Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) disruptive Wirkungen auf die Branche ausüben könnte.
Neben SAP wartete aus der Branche Atoss Software mit guten Geschäftszahlen und einem erhöhten Ausblick für die operative Gewinnmarge auf. Der Münchener Spezialist für Personal-Software meldete erneut Wachstumsraten im zweistelligen Prozentbereich. Die Aktie verteuerte sich um 3,9 Prozent.
Weiter aufwärts ging es für Infineon, diesmal um 1,5 Prozent. ASML legten um 2,3 und ASM International um 1,9 Prozent zu. Im Halbleitersektor reiht sich eine positive Unternehmensmeldung derzeit an die nächste. Nach ASM International, TSMC und Texas Instruments wartete nun Intel mit starken Zahlen und einem positiven Ausblick auf. Im TecDAX gewannen Aixtron 0,3 und Suss Microtec 0,8 Prozent.
Siemens Energy gewannen 2,6 Prozent. Der Energieanbieter verzeichnete in seinem zweiten Quartal eine starke Nachfrage insbesondere im Bereich Netztechnik und erzielte ein kräftiges Wachstum beim Auftragseingang. Dazu hob Siemens Energy die Jahresprognose für Umsatz, Ergebnis und Cashflow an.
Im Bausektor legten Vinci und Holcim Zahlen vor. Die französische Vinci bestätigte ihre Prognosen für das Jahr nach einem leichten Umsatzrückgang im ersten Quartal und trotz der Unsicherheit über die potenziellen Auswirkungen des Krieges im Iran. Für die Aktie ging es um 2,6 Prozent nach unten. Holcim stiegen dagegen um 1,3 Prozent, der Kurs der US-Tochter Amrize machte 1,1 Prozent gut. Der Schweizer Baustoffkonzern ist auf organischer Basis mit einem profitablen Wachstum ins neue Jahr gestartet und konnte den Gewinn mit 8,3 Prozent stärker steigern als den Umsatz. Die Ende Februar angekündigten Jahresziele wurden bestätigt.
In Mailand gaben Eni um 1,4 Prozent nach. Das Energieunternehmen hatte mit seinen Zahlen die Erwartungen verfehlt, erhöhte aber den Ausblick. Außerdem will Eni mehr eigene Aktien zurückkaufen.
Beim Gesundheitskonzern Sanofi fielen Umsatz und Ergebnis über dem Konsens aus. Allerdings bestätigten die Franzosen den Ausblick nur. Die Aktie gab um 2,3 Prozent nach.
Auf der Verliererseite fanden sich europaweit einmal mehr die offenbar zu weit gelaufenen Rüstungsaktien. Im DAX waren Rheinmetall mit einem Minus von 6,2 Prozent das Schlusslicht. Die Aktie notiert damit auf einem Jahrestief. Im MDAX traf es Hensoldt mit einem Abschlag von 6,9 und Renk mit 5,3 Prozent. TKMS verbilligten sich ebenfalls um 5,3 Prozent. Im Mailand verloren Leonardo 3,0, in Paris Thales 4,1 Prozent.
Index Schluss Entwicklung in % Seit Jahresbeginn (%) Euro-Stoxx-50 5.883 -0,2 1,78 Stoxx-50 5.057 -0,3 3,10 Stoxx-600 611 -0,6 3,72 DAX 24.129 -0,1 -1,37 FTSE-100 London 10.457 -0,8 5,29 CAC-40 Paris 8.227 -0,8 0,95 AEX Amsterdam 1.014 0,6 6,60 ATHEX-20 Athen 5.676 -0,8 6,06 BEL-20 Brüssel 5.392 -0,9 6,18 BUX Budapest 134.799 -0,7 21,41 OMXH-25 Helsinki 6.314 -1,4 10,70 OMXC-20 Kopenhagen 1.446 1,3 -10,06 PSI 20 Lissabon 9.209 -0,9 11,44 IBEX-35 Madrid 17.886 -1,1 3,34 FTSE-MIB Mailand 47.907 -0,5 6,59 OBX Oslo 1.953 -0,7 22,23 PX Prag 2.631 -1,2 -2,05 OMXS-30 Stockholm 3.131 -1,0 8,62 WIG-20 Warschau 130.656 -0,6 12,09 ATX Wien 5.814 -1,0 9,15 SMI Zürich 13.248 -0,6 -0,15 DEVISEN zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Do, 18:05 EUR/USD 1,1714 +0,3 0,0031 1,1683 1,1700 EUR/JPY 186,75 +0,1 0,1700 186,58 186,5600 EUR/CHF 0,9195 +0,1 0,0011 0,9184 0,9178 EUR/GBP 0,8669 -0,1 -0,0006 0,8675 0,8672 USD/JPY 159,4 -0,2 -0,3100 159,71 159,4500 GBP/USD 1,3509 +0,3 0,0042 1,3467 1,3489 USD/CNY 6,8359 +0,2 0,0099 6,8260 6,8260 USD/CNH 6,8339 -0,0 -0,0004 6,8343 6,8311 AUS/USD 0,7147 +0,3 0,0019 0,7128 0,7153 Bitcoin/USD 77.741,55 -0,2 -179,45 77.921,00 78.449,30 ROHOEL zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag WTI/Nymex 94,16 -1,8 -1,69 95,85 Brent/ICE 104,88 -0,2 -0,19 105,07 Metalle zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Gold 4.719,68 +0,6 26,99 4.692,69 Silber 76,07 +0,9 0,64 75,43 Platin 2.015,33 +0,5 9,28 2.006,05
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