GAZA (dpa-AFX) - Zum ersten Mal seit mehr als 20 Jahren sind einige Menschen im Gazastreifen aufgerufen, bei einer Kommunalwahl abzustimmen. In der Stadt Deir al-Balah im zentralen Abschnitt des Küstengebiets können rund 70.000 Einwohner seit dem Morgen ihren Stadtrat wählen, wie palästinensische und israelische Medien meldeten. Die Wahl hat zunächst vor allem symbolischen Charakter, könnte Berichten zufolge aber als Vorbild für künftige Wahlen im Gazastreifen dienen.
Hinter der Kommunalwahl steht die palästinensische Autonomiebehörde (PA) des Präsidenten Mahmud Abbas, die Teile des Westjordanlands verwaltet. Abbas leitet auch die Fatah-Bewegung, die die Hamas 2007 gewaltsam aus dem Gazastreifen vertrieben hatte. Die "Times of Israel" gab zu bedenken, dass unklar sei, ob die Hamas die Wahlergebnisse letztlich anerkennen werde.
Hamas hat bislang lokale Vertreter bestimmt
Seit Beginn der derzeit geltenden Waffenruhe im Gaza-Krieg kontrolliert das israelische Militär etwas mehr als die Hälfte des Gazastreifens, im restlichen Gebiet hat die islamistische Hamas ihre Kontrolle wieder gefestigt. Die Terrororganisation hat in der Vergangenheit stets selbst die Mitglieder der Stadträte in dem Palästinensergebiet bestimmt und Kommunalwahlen nicht zugelassen.
Einigen Medienberichten zufolge sind auch Kandidaten aufgestellt worden, die der Hamas nahestehen sollen. Offiziell hat die Hamas aber niemanden unterstützt. Kandidaten müssen bei Kommunalwahlen der PA stets eine Erklärung unterzeichnen, in der sie sich unter anderem zur Zweistaatenlösung bekennen. Damit ist gemeint, dass Israel und ein unabhängiger Palästinenserstaat friedlich Seite an Seite existieren. Die Hamas sowie Israels aktuelle Regierung lehnen dies ab.
Berichte: Wahl gibt Einwohnern Hoffnung
Einwohner von Deir al-Balah äußerten in arabischen und US-Medien derweil die Hoffnung, dass ein neu gewählter Stadtrat die noch immer schweren Lebensbedingungen der Menschen verbessern könnte. Berichten zufolge konzentrieren sich die Programme der Kandidaten, die auf vier Listen antreten, vor allem darauf, den Zugang zu Ressourcen wie Wasser und Strom zu verbessern. Allerdings hat auch Israel, das etwa die Einfuhr von Treibstoff für Stromgeneratoren bestimmt, darauf großen Einfluss./cir/DP/he
