
© Foto: KI-generiertes Symbolbild (ChatGPT).
Ein Plus von über 70 Prozent in nur 4 Wochen und eine Steigerung von 260 Prozent in einem Jahr. AMD kennt aktuell kein Halten mehr. Kann das gut gehen?
KI-Begeisterung ist zurück, Halbleiterwerte explodieren
Der US-Aktienmarkt hat sich in den vergangenen 3 Wochen eindrucksvoll zurückgemeldet. Nach der durch den Iran-Krieg geschürten Unsicherheit gaben vor allem Technologie- und Halbleiterwerte den Ton an und bescherten sowohl dem Nasdaq 100 als auch dem marktbreiten S&P 500 neue Allzeithochs.
Zurückhaltung ließen die Anlegerinnen und Anleger bislang noch keine erkennen, ganz im Gegenteil: Am Freitag gingen nach einem überraschend starken Quartalsergebnis von Intel vor allem die Anteile von CPU-Herstellern durch die Decke. Davon profitierte neben Intel selbst Erzrivale AMD, dessen Aktie sich nach einem ohnehin steilen Rekordlauf in den vergangenen Wochen mit einem Plus von 13,9 Prozent auf ein weiteres Allzeithoch vorschob.

Nach +260 Prozent in einem Jahr: Was geht jetzt noch bei AMD?
Kann die Aktie das hohe Tempo der zurückliegenden Monate halten und ihren Rekordlauf fortsetzen und wenn ja wie hoch? Oder gibt es doch Gründe dafür, dass sich Investoren langsam zurückhalten und etwas mehr Vorsicht walten lassen sollten.

Datencenter-Geschäft treibt AMD auf immer neue Rekordhochs
Die AMD-Aktie befindet sich in einem übergeordneten Aufwärtstrend, wobei der letzte Impuls gestartet wurde nach dem Zoll-Crash im vergangenen Jahr. Fundamental sind steigende Kurse gerechtfertigt durch das starke Server- und Datencenter-Geschäft des Konzerns, der seine Produktpipeline in den vergangenen Jahren deutlich vergrößert hat und mit seinen MI350X-Prozessoren inzwischen über konkurrenzfähige KI-Beschleuniger verfügt. Mit deren Hilfe gelangen AMD zuletzt immer wieder spektakuläre Vertragsabschlüsse, darunter mit Meta Platforms, OpenAI und SAP-Rivale Oracle, der vor allem auf das Nachfolgermodell MI355X setzt.
Nach den Quartalszahlen im vergangenen Oktober haben die Anteile die 50-Tage-Linie per Gap-Up überwunden. Das gilt technisch als besonders starkes Kaufsignal, woraufhin ein Anstieg bis knapp 270 US-Dollar erfolgte. Hier allerdings geriet die AMD-Aktie nach überkauften Zuständen und bearishen Divergenzen in den technischen Indikatoren zunächst einen Seitwärtstrend, ein Doppel-Top und eine Konsolidierung bis zur 200-Tage-Linie folgte.
Es riecht zwar nach Fahnenstange und Blow-Off-Top ...
Hier griffen Käuferinnen und Käufer nach ein Stabilisierungsphase zwischen Februar und März zu. Die Bodenbildung im Bereich von 190 US-Dollar wurde durch steigende technische Indikatoren unterstützt, was die Akkumulation beschleunigte und schließlich nach der Rückeroberung der gleitenden Durchschnitte in einen steilen Aufwärtstrend mündete.
Mit dessen Hilfe konnte zunächst das Doppel-Top zwischen 260 und 270 US-Dollar abgeräumt und anschließend eine Ausbruchsrallye erreicht werden, die in den vorläufigen Höhepunkt am Freitag mündete. Grundsätzlich sind neue Allzeithochs starke technische Kaufsignale, das spricht für eine Rallyefortsetzung. Andererseits ist AMD mit Blick auf den RSI kurzfristig stark überkauft, was für wachsende Pullbackgefahr spricht.
... doch so einfach ist es nicht!
Außerdem lag das Handelsvolumen am Freitag über dem Doppelten des 3-Monats-Durchschnitts. Das spricht in Verbindung mit dem starken Kursanstieg für ein Blow-Off-Top, also eine finale Übertreibung, der eine rasche Trendwende mit fallenden Kursen folgt. Gegen diese These spricht jedoch, dass AMD zwar auf Tageskursbasis stark überverkauft ist, der RSI mit Wochen- und Monatswerten von 77,6 und 72,9 aber durchaus noch Platz nach oben bietet.
Hier sind Speicherchip-Hersteller wie SanDisk mit einem Monats-RSI von 96,6 (!) sehr viel stärker gefährdet. Das spricht dafür, dass die AMD-Aktie nach einer Konsolidierung, um die kurzfristige Überhitzung abzubauen, durch aus noch weiter steigen könnte. Aus einer Fibonacci-Projektion lässt sich bei der 161,8-Prozent-Extension ein Kursziel von rund 412 US-Dollar für den aktuellen Aufwärtsimpuls ableiten. Dieses Setup dürfte für alle Kurse nachhaltig über dem Ausbruchsniveau von 270 US-Dollar aktiv bleiben. Erst darunter dürfte der jüngste Kursanstieg als dauerhaftes Blow-Off-Top bestätigt sein.
Fazit: Da ist noch Platz, aber nicht für alle Anlegerinnen und Anleger
Mit Blick auf die Unternehmensbewertung gilt ähnlich wie für den Chart ein Wenn-dann-Szenario. Gegenwärtig steht für 2026 ein KGVe von 51,8 und für 2027 von 31,6 zu Buche. Das ist sehr weit fortgeschritten und liegt sogar über den Vielfachen, die für Mitbewerber Nvidia abgerufen werden. Gleichzeitig ist das Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis mit 1,22 noch moderat. Sollte AMD seine Erträge schneller steigern können, als es der Markt aktuell erwartet, hat die Aktie durchaus noch Platz zur Oberseite. Ist das nicht der Fall, ist die Bewertung weitestgehend ausgereizt.
Für Anlegerinnen und Anleger bedeutet das: Wer bereits investiert ist, kann seine Gewinne zunächst laufen lassen, solange das Momentum hoch ist. Wer die Rallye verpasst hat, sollte ihr jedoch nicht hinterherjagen und gegebenenfalls einen Pullback abwarten, da der aktuelle Aufwärtsimpuls sowohl technisch als auch fundamental zu weit fortgeschritten ist, um das Risiko angesichts des noch verbliebenen Aufwärtspotenzials zu rechtfertigen.
Gastautor: Max Gross

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