DJ Weltbank: Nahostkonflikt dämpft Wachstum durch Rohstoffpreisanstieg
Von Paul Hannon
DOW JONES--Ein sprunghafter Anstieg der Rohstoffpreise infolge des Nahostkonflikts wird nach Einschätzung der Weltbank die Inflation in den Entwicklungsländern in die Höhe treiben und das Wachstum bremsen.
Seit die USA und Israel Ende Februar ihre ersten Angriffe auf den Iran gestartet haben, ist der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus weitgehend zum Erliegen gekommen, was zu einem drastischen Rückgang der Lieferungen von Öl, Erdgas, Harnstoff und anderen Rohstoffen in den Rest der Welt geführt hat. Die Preise sind in Reaktion darauf sprunghaft angestiegen.
In einem Ausblick für Rohstoffe erklärte die Weltbank, dass sie für dieses Jahr einen Durchschnittspreis für Rohöl der Sorte Brent von 86 US-Dollar pro Barrel erwartet, selbst wenn die Meerenge ab nächstem Monat schrittweise wieder geöffnet werde - ein drastischer Anstieg gegenüber 65 US-Dollar im Jahr 2025.
Da auch die Versorgung mit anderen Rohstoffen beeinträchtigt ist, dürften die Rohstoffpreise laut der Weltbank in diesem Jahr voraussichtlich um 16 Prozent steigen. Dies wäre der erste jährliche Anstieg seit 2022, dem Jahr der russischen Invasion in der Ukraine. Die Preise wären in der Folge dann 25 Prozent höher als von den Ökonomen der Bank noch im Januar prognostiziert.
Sollte die Unterbrechung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus jedoch länger andauern, könnte der Preis für Brent im Durchschnitt zwischen 95 und 115 Dollar pro Barrel liegen, wobei auch die Preise für andere Rohstoffe stärker steigen würden.
Die Ökonomen der Entwicklungsbank errechnen, dass Entwicklungsländer in ihrem optimistischeren Szenario ein Wachstum von 3,6 Prozent verzeichnen würden - ein schwächeres Ergebnis als die im Januar prognostizierten 4 Prozent. Die Inflation werde voraussichtlich durchschnittlich 5,1 Prozent betragen, ein Prozentpunkt höher als vor Kriegsbeginn prognostiziert.
Das Wachstum wird sich wahrscheinlich abschwächen, da Haushalte, die mehr für lebensnotwendige Güter auszugeben müssen, weniger für andere Waren und Dienstleistungen übrig haben, während die Zinsen als Reaktion auf die anziehende Inflation wahrscheinlich steigen werden. Die Zentralbanken Pakistans und der Philippinen haben die Kreditkosten bereits angehoben, um den neuen Inflationsschub zu bekämpfen, und weitere dürften folgen.
"Die ärmsten Menschen, die den höchsten Anteil ihres Einkommens für Lebensmittel und Treibstoffe ausgeben, werden am härtesten getroffen, ebenso wie Entwicklungsländer, die bereits unter schweren Schuldenlasten leiden", sagte Indermit Gill, Chefökonom der Weltbank. "Krieg ist Entwicklung im Rückwärtsgang."
Die weltweite Ölproduktion dürfte den Prognosen der Bank zufolge im Jahr 2026 wahrscheinlich um 1,5 Prozent sinken wird.
Abgesehen von Energie hat der Nahost-Konflikt die Versorgung mit Harnstoff beeinträchtigt - ein wichtiger Bestandteil vieler Düngemittel, dessen Herstellung große Mengen des in der Region reichlich vorhandenen Erdgases erfordert. Die Weltbank erwartet, dass die Harnstoffpreise um 60 Prozent über dem Niveau von 2025 liegen werden, was zu einem Anstieg der Düngemittelpreise um 31 Prozent führt.
Für 2026 erwarten die Ökonomen der Bank einen Anstieg der Lebensmittelpreise um 2 Prozent, ein geringerer Zuwachs als 2022. Eine lang anhaltende Blockade der Straße von Hormus könnte jedoch tiefgreifendere Auswirkungen haben.
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