
© Foto: Mathias Reding auf Pexels (Symbolbild)
Volkswagen steckt tief in der Klemme. An mehreren Fronten brennt es gleichzeitig. Die Auto-Elektroverkäufe brechen ein, die Aktie dümpelt nahe an ihrem Jahrestief umher, und Analysten sind sich uneins, wohin die Reise künftig geht. Gleichzeitig präsentiert VW eine scheinbar clevere Idee, denn Autobesitzer sollen künftig Strom aus ihrer Fahrzeugbatterie ins Netz einspeisen und dafür Geld bekommen. Klingt nach Zukunft. Doch ob das reicht, um den riesigen Konzern wieder auf Kurs zu bringen, ist mehr als fraglich. Die Quartalszahlen stehen vor der Tür, der Aufsichtsrat tagt, und die Märkte warten nervös. Wer VW-Aktionär ist oder es werden will, sollte jetzt genau hinschauen.
Strom verkaufen statt nur tanken
Ab dem vierten Quartal 2026 will Volkswagen gemeinsam mit seiner Tochter Elli ein sogenanntes Vehicle-to-Grid-Angebot auf den Markt bringen. Die Idee dahinter ist relativ einfach. Dennoch auch smart, denn wer ein Elektroauto fährt, könnte dann den gespeicherten Strom aus der Batterie ins öffentliche Netz "zurückverkaufen". Er bekäme dann auch eine Vergütung. Laut Marktschätzungen sollen dabei bis zu 900 Euro im Jahr drin sein. Vorregistrierungen sollen ab Juni möglich sein. Das Paket kommt komplett: Fahrzeug, App, Stromtarif, Smart Meter, bidirektionale Wallbox und Installation inklusive. Rund eine Million Fahrzeuge in Europa sind technisch bereits dafür vorbereitet. Mit der kommenden Softwareversion ID.6 soll die Funktion auf weitere Modelle ausgeweitet werden. Der Plan klingt zukunftsweisend, aber nur der Zeitpunkt ist eventuell denkbar ungünstig.
Im ersten Quartal 2026 lieferte VW weltweit rund 2,05 Millionen Fahrzeuge aus. Das sind knapp 4 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum 2025. Besonders weh tun die Einbrüche in den wichtigsten Wachstumsmärkten. In China brachen die Elektroverkäufe um satte 64 Prozent ein. In den USA sieht es noch düsterer aus. Dort wurden bis März gerade einmal 4.000 E-Autos verkauft, was einem Rückgang von 80 Prozent entspricht. Die Konsequenz ist, dass die US-Produktion des ID.4 eingestellt wird, stattdessen setzt VW dort auf klassische Verbrenner-SUVs vom Typ Atlas. Lichtblicke gibt es in Europa und Südamerika, wo der Konzern zumindest leichte Zuwächse verzeichnen konnte.
Gleichzeitig kämpft VW mit massiven Überkapazitäten. Im chinesischen Werk Hefei ruhen die Bänder teils bis zu 14 Stunden täglich. CEO Oliver Blume schließt Werksschließungen inzwischen nicht mehr grundsätzlich aus, spricht aber von intelligenteren Lösungen. Eine davon könnte sein, dass in China entwickelte Modelle in europäischen Werken gefertigt werden, um die Auslastung zu verbessern. In Deutschland profitieren derweil vor allem ausländische Anbieter wie BYD von der neuen E-Auto-Prämie. Der Marktanteil heimischer Hersteller bei Elektroautos rutschte im März auf 56 Prozent.

Charttechnik
Die Volkswagen-Vorzugsaktie hat in den vergangenen Wochen deutlich eingebüßt. Seit Jahresbeginn summieren sich die Verluste auf fast 20 Prozent. Aktuell bewegt sich der Kurs um die Marke von 87,50 Euro, damit ist er nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 83,24 Euro. Vom Jahreshoch bei fast 110 Euro aus dem Dezember 2025 ist die Aktie hingegen weit entfernt. Das charttechnische Bild gibt aktuell wenig Anlass zur Hoffnung: Das sogenannte Todeskreuz ist bestätigt, also der Moment, an dem der 50er SMA den 200er SMA von oben nach unten durschneidet. Das ist ein klassisches Warnsignal. Zudem brach der Kurs auch zuletzt wieder unter die wichtige 90 Euro-Marke. Der RSI liegt bei 36 und deutet damit auch die Schwäche der Aktie an. Seit Anfang März gelingt es einfach nicht, die Marke von 95 Euro nachhaltig zu überwinden. Das Chartbild bleibt damit klar bärisch geprägt.
Was tun?
Auf der einen Seite ist die Bewertung der Aktie auf dem aktuellen Niveau durchaus interessant. RBC nennt ein Kursziel von 131 Euro, das ist jede Menge Potenzial vom heutigen Stand. Auf der anderen Seite zeigen die zuletzt veröffentlichten Quartalszahlen, wie ernst die Lage ist. Die operative Marge lag 2025 bei mageren 2,8 Prozent, für 2026 peilt der Vorstand 4 bis 5,5 Prozent an. Das wäre ein Fortschritt, aber Analysten hatten zuletzt 5,3 Prozent erwartet. Das Chartbild spricht derzeit gegen einen Einstieg, solange die Aktie unter der 95-Euro-Marke bleibt. Wer bereits investiert ist, sollte die Quartalszahlen am 30. April und die Aufsichtsratsentscheidungen genau verfolgen. Erst wenn VW die operative Trendwende signalisiert, könnte das Papier wieder Fahrt aufnehmen. Bis dahin bleibt Geduld gefragt. Vielleicht ist es besser, von der Seitenlinie aus zuzuschauen.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
Haftungsausschluss/Disclaimer
Die hier angebotenen Artikel dienen ausschließlich der Information und stellen keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar. Sie sind weder explizit noch implizit als Zusicherung einer bestimmten Kursentwicklung der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren birgt Risiken, die zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals und - je nach Art des Investments - sogar zu darüber hinausgehenden Verpflichtungen, bspw. Nachschusspflichten, führen können. Die Informationen ersetzen keine auf die individuellen Bedürfnisse ausgerichtete fachkundige Anlageberatung. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden wird weder ausdrücklich noch stillschweigend übernommen. Finanznachrichten.de hat auf die veröffentlichten Inhalte keinerlei Einfluss. Finanznachrichten.de hat bis zur Veröffentlichung der Artikel keine Kenntnis über Inhalt und Gegenstand der Artikel. Die Veröffentlichungen erfolgen durch externe Autoren bzw. Datenlieferanten. Infolgedessen können die Inhalte der Artikel auch nicht von Anlageinteressen von Finanznachrichten.de und/oder seinen Mitarbeitern oder Organen bestimmt sein.




