Wien (ots) -
Wachstumseinbruch bei längerem Krieg; düstere Aussichten für Ukraine; Stagnation in Russland - trotz hoher Ölpreise; Ungarns Erholung von Orbán braucht Zeit; Strukturwandel in CEE
Trotz des Energiepreisschocks durch den Iran-Krieg bleibt das Wachstum in den meisten Volkswirtschaften Mittel-, Ost- und Südosteuropas resilient, schwächt sich aber ab. Das gilt auch für die EU-Mitglieder der Region. Sollte der Krieg im Nahen Osten aber länger andauern und zu einer ausgeprägten Energiekrise mit dauerhaft höheren Ölpreisen führen, dürfte auch Osteuropa stärker leiden. Das zeigt die neue Frühjahrsprognose des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) für 23 Länder der Region.
"Derzeit sind die Auswirkungen des Iran-Kriegs auf die EU-Mitglieder in Osteuropa noch überschaubar. Über eine anziehende Inflation, eine geringere Exportnachfrage, gestörte Lieferketten und weiter nachlassende Direktinvestitionen könnte man aber stark in Mitleidenschaft gezogen werden", sagt Richard Grieveson, stellvertretender Direktor des wiiw und Hauptautor der Frühjahrsprognose.
Dazu kommen ein enormer Verlust an Wettbewerbsfähigkeit der Industrie in den letzten Jahren durch stark gestiegene Lohnkosten ohne entsprechende Produktivitätszuwächse, zunehmende Konkurrenz aus China und Rückgänge bei den ausländischen Direktinvestitionen. "Das bisherige Erfolgsmodell Ostmitteleuropas als verlängerte Werkbank ausländischer Industriekonzerne, die dort günstig produzieren und dafür große Investitionen tätigen, steht eindeutig zur Disposition", so Grieveson. Das zeigt sich auch daran, dass zum ersten Mal seit Beginn der 1990er-Jahre die Verteidigungsausgaben in der Region einen ebenso hohen oder sogar höheren Anteil an der Wirtschaftsleistung haben wie die bislang dominierenden ausländischen Direktinvestitionen.
Für 2026 prognostiziert das wiiw den EU-Mitgliedern der Region ein Wachstum von durchschnittlich 2,3%, eine Revision nach unten um 0,3 Prozentpunkte gegenüber dem Winter. Auch 2027 sollte es mit 2,3% gleich hoch ausfallen. Gegenüber der Winterprognose ist das für 2027 eine Berichtigung nach unten um 0,4 Prozentpunkte. Damit dürften diese Länder sowohl heuer als auch im nächsten Jahr trotz der aktuellen Schwierigkeiten wieder mehr als doppelt so stark wachsen wie die Eurozone (2026: 0,9% - eine Revision nach unten um 0,5 Prozentpunkte; 2027: 1,1% - eine Korrektur nach unten um 0,4 Prozentpunkte). "Im Negativszenario eines längeren Krieges im Nahen Osten könnte das Wachstum aber in einzelnen Ländern der Region um rund 1 bis 1,5 Prozentpunkte darunter liegen", warnt Grieveson.
Spitzenreiter beim Wachstum unter den östlichen EU-Mitgliedern wird 2026 neuerlich Polen mit 3,6% sein. 2027 dürfte Estland nach einer längeren Durststrecke aber mit 2,8% etwas stärker wachsen als Polen (2,6%). Ungarn, das nach 16 Jahren unter Premier Viktor Orbán einen Machtwechsel erlebt, dürfte 2026 mit 1,6% wachsen, im nächsten Jahr dann um 1,8%. Die sechs Staaten am Westbalkan werden 2026 um durchschnittlich 2,5% und 2027 um 3,1% expandieren, die Türkei 2026 um 3,7% und 2027 um 4,1%.
Die Aussichten für die vom Krieg gezeichnete Ukraine verdüstern sich dagegen zunehmend. Für 2026 prognostiziert das wiiw dem Land ein Wachstum von nur noch 1%, das 2027 unter günstigen Bedingungen auf 2,5% anziehen könnte. Aggressor Russland steckt trotz höherer Energieeinnahmen durch den Iran-Krieg heuer (0,9%) und im nächsten Jahr (1,5%) in einer Beinahe-Stagnation.
Ungarns Erholung von Orbán braucht Zeit
Nach dem fulminanten Wahlsieg von Péter Magyar mit seiner Tisza-Partei gegen Langzeitpremier Viktor Orbán steht die ungarische Wirtschaft vor einer Zeitenwende. 16 Jahre Orbán-Regime haben das Land gegenüber seinen Nachbarn Polen, Tschechien und der Slowakei zurückgeworfen. Die ökonomische Stagnation der letzten Jahre, eine der höchsten Inflationsraten in der Region, ein hohes Budgetdefizit, grassierende Korruption, eingefrorene EU-Gelder und eine einseitige, auf Autos und Batterieproduktion ausgerichtete Industriepolitik, stellen die schwierige Ausgangssituation dar.
"Der designierte neue Regierungschef Péter Magyar hat ein ambitioniertes Wirtschaftsprogramm vorgelegt und möchte den Euro einführen. Angesichts des hohen Defizits wird es aber eine schwierige Aufgabe werden, den dafür notwendigen fiskalischen Spielraum zu schaffen. Der Aufschwung wird Zeit brauchen", gibt Sándor Richter, Ungarn-Experte des wiiw zu bedenken. Für 2026 prognostiziert er dem Land ein Wachstum von 1,6%, das 2027 auf 1,8% anziehen dürfte. Gegenüber dem Winter ist das eine Revision nach unten um 0,6 Prozentpunkte für 2026 und 0,7 Prozentpunkte für 2027, da der Iran-Krieg die zarte Erholung bereits wieder gefährdet.
Düstere Aussichten für die Ukraine
Unter viel schwierigeren Vorzeichen trifft der Krieg im Nahen Osten die Ukraine. Der massive russische Luftkrieg gegen die Energieinfrastruktur des Landes führte im Winter zu großflächigen Stromausfällen. Die Wirtschaftsaktivität wird durch die Stromengpässe stark beeinträchtigt. Dazu kommt die anziehende Inflation aufgrund stark steigender Preise für Treibstoff und Düngemittel als Folge des Iran-Krieges.
Für das Gesamtjahr geht das wiiw noch von einem Wachstum von 1% aus, das 2027 auf 2,5% steigen könnte, wobei das allerdings noch sehr ungewiss ist. Gegenüber dem Winter ist das eine Revision nach unten um 1,5 Prozentpunkte für 2026 und 1 Prozentpunkt für 2027. Neben den enormen Schäden an den Produktionsanlagen durch den russischen Angriffskrieg spiegelt die schwache Wirtschaftsentwicklung auch die Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten sowie den großen Arbeitskräftemangel wider.
"Durch ihre große Importabhängigkeit bei Treibstoff und Düngemitteln für die wichtige Landwirtschaft trifft der Iran-Krieg die Ukraine besonders hart", konstatiert Olga Pindyuk, Ukraine-Expertin des wiiw. "Schon jetzt sehen wir, dass die Nachbarländer ihre Treibstoffexporte in die Ukraine einschränken. Sollte sich diese Entwicklung verstärken, könnte die Ukraine in ernsthafte Schwierigkeiten geraten." Im Negativszenario eines längeren Krieges im Nahen Osten und anhaltend hoher Ölpreise könnte das Land in eine Rezession rutschen.
Stagnation in Russland trotz Geldsegens durch Iran-Krieg
Moskau bescheren die gestiegenen Preise für Öl- und Gas durch die Schließung der Straße von Hormus dagegen unerwartete Zusatzeinnahmen. Aus Russlands Sicht kommen diese genau zum richtigen Zeitpunkt, da sie die angespannte Budgetsituation entschärfen. Vergangenes Jahr betrug das Budgetdefizit 3,9% des BIP - für russische Verhältnisse ein recht hoher Wert. Bis zum Beginn des Krieges gegen den Iran hatte es so ausgesehen, als ob das russische Budgetdefizit heuer aus dem Ruder laufen könnte, weshalb die Regierung mit Ausnahme der Militär- und Sozialausgaben Kürzungen im Umfang von 10% erwogen hatte.
"Der Iran-Krieg stabilisiert das russische Budget. Je länger er dauert und je länger die Ölpreise hoch bleiben oder noch weiter steigen, desto positiver werden die Auswirkungen für Russland sein, schließlich fließen von jedem US-Dollar, um den der Rohölpreis steigt, 58 Cent in den russischen Staatshaushalt", sagt Vasily Astrov, Russland-Experte des wiiw. Die Wirtschaftsleistung des Landes dürfte davon aber nur marginal profitieren, weil das Geld nicht in zusätzliche Ausgaben fließt, sondern für eine geringere Schuldenaufnahme durch den Staat und den Abbau von Verbindlichkeiten der Energieunternehmen verwendet werden soll.
Für 2026 prognostiziert das wiiw Russland ein BIP-Wachstum von nur 0,9%, das sich 2027 auf 1,5% beschleunigen dürfte. In den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres schrumpfte die Wirtschaft annualisiert sogar: um 2,1% im Jänner und 1,5% im Februar. "Die Wachstumsschwäche Russlands ist vor allem auf die immer noch hohen Leitzinsen von derzeit 15%, zu geringe Investitionen in neue Produktionskapazitäten und den Arbeitskräftemangel zurückzuführen. Daran werden die hohen Energiepreise durch den Iran-Krieg nur wenig ändern", so Astrov.
Im aus Russlands Perspektive besten Fall eines längeren Krieges im Nahen Osten mit anhaltend hohen Ölpreisen könnte das Wirtschaftswachstum 2026 um zusätzliche 0,3 Prozentpunkte auf 1,2% zulegen. "Zweifellos hilft der Iran-Krieg Präsident Putin dabei, seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine fortzusetzen, da er ihm zusätzliche Einnahmen und größeren politischen Spielraum verschafft", meint Astrov.
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Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw)
Mag. Andreas Knapp
Telefon: +43 680 1342 785
E-Mail: knapp@wiiw.ac.at
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Wachstumseinbruch bei längerem Krieg; düstere Aussichten für Ukraine; Stagnation in Russland - trotz hoher Ölpreise; Ungarns Erholung von Orbán braucht Zeit; Strukturwandel in CEE
Trotz des Energiepreisschocks durch den Iran-Krieg bleibt das Wachstum in den meisten Volkswirtschaften Mittel-, Ost- und Südosteuropas resilient, schwächt sich aber ab. Das gilt auch für die EU-Mitglieder der Region. Sollte der Krieg im Nahen Osten aber länger andauern und zu einer ausgeprägten Energiekrise mit dauerhaft höheren Ölpreisen führen, dürfte auch Osteuropa stärker leiden. Das zeigt die neue Frühjahrsprognose des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) für 23 Länder der Region.
"Derzeit sind die Auswirkungen des Iran-Kriegs auf die EU-Mitglieder in Osteuropa noch überschaubar. Über eine anziehende Inflation, eine geringere Exportnachfrage, gestörte Lieferketten und weiter nachlassende Direktinvestitionen könnte man aber stark in Mitleidenschaft gezogen werden", sagt Richard Grieveson, stellvertretender Direktor des wiiw und Hauptautor der Frühjahrsprognose.
Dazu kommen ein enormer Verlust an Wettbewerbsfähigkeit der Industrie in den letzten Jahren durch stark gestiegene Lohnkosten ohne entsprechende Produktivitätszuwächse, zunehmende Konkurrenz aus China und Rückgänge bei den ausländischen Direktinvestitionen. "Das bisherige Erfolgsmodell Ostmitteleuropas als verlängerte Werkbank ausländischer Industriekonzerne, die dort günstig produzieren und dafür große Investitionen tätigen, steht eindeutig zur Disposition", so Grieveson. Das zeigt sich auch daran, dass zum ersten Mal seit Beginn der 1990er-Jahre die Verteidigungsausgaben in der Region einen ebenso hohen oder sogar höheren Anteil an der Wirtschaftsleistung haben wie die bislang dominierenden ausländischen Direktinvestitionen.
Für 2026 prognostiziert das wiiw den EU-Mitgliedern der Region ein Wachstum von durchschnittlich 2,3%, eine Revision nach unten um 0,3 Prozentpunkte gegenüber dem Winter. Auch 2027 sollte es mit 2,3% gleich hoch ausfallen. Gegenüber der Winterprognose ist das für 2027 eine Berichtigung nach unten um 0,4 Prozentpunkte. Damit dürften diese Länder sowohl heuer als auch im nächsten Jahr trotz der aktuellen Schwierigkeiten wieder mehr als doppelt so stark wachsen wie die Eurozone (2026: 0,9% - eine Revision nach unten um 0,5 Prozentpunkte; 2027: 1,1% - eine Korrektur nach unten um 0,4 Prozentpunkte). "Im Negativszenario eines längeren Krieges im Nahen Osten könnte das Wachstum aber in einzelnen Ländern der Region um rund 1 bis 1,5 Prozentpunkte darunter liegen", warnt Grieveson.
Spitzenreiter beim Wachstum unter den östlichen EU-Mitgliedern wird 2026 neuerlich Polen mit 3,6% sein. 2027 dürfte Estland nach einer längeren Durststrecke aber mit 2,8% etwas stärker wachsen als Polen (2,6%). Ungarn, das nach 16 Jahren unter Premier Viktor Orbán einen Machtwechsel erlebt, dürfte 2026 mit 1,6% wachsen, im nächsten Jahr dann um 1,8%. Die sechs Staaten am Westbalkan werden 2026 um durchschnittlich 2,5% und 2027 um 3,1% expandieren, die Türkei 2026 um 3,7% und 2027 um 4,1%.
Die Aussichten für die vom Krieg gezeichnete Ukraine verdüstern sich dagegen zunehmend. Für 2026 prognostiziert das wiiw dem Land ein Wachstum von nur noch 1%, das 2027 unter günstigen Bedingungen auf 2,5% anziehen könnte. Aggressor Russland steckt trotz höherer Energieeinnahmen durch den Iran-Krieg heuer (0,9%) und im nächsten Jahr (1,5%) in einer Beinahe-Stagnation.
Ungarns Erholung von Orbán braucht Zeit
Nach dem fulminanten Wahlsieg von Péter Magyar mit seiner Tisza-Partei gegen Langzeitpremier Viktor Orbán steht die ungarische Wirtschaft vor einer Zeitenwende. 16 Jahre Orbán-Regime haben das Land gegenüber seinen Nachbarn Polen, Tschechien und der Slowakei zurückgeworfen. Die ökonomische Stagnation der letzten Jahre, eine der höchsten Inflationsraten in der Region, ein hohes Budgetdefizit, grassierende Korruption, eingefrorene EU-Gelder und eine einseitige, auf Autos und Batterieproduktion ausgerichtete Industriepolitik, stellen die schwierige Ausgangssituation dar.
"Der designierte neue Regierungschef Péter Magyar hat ein ambitioniertes Wirtschaftsprogramm vorgelegt und möchte den Euro einführen. Angesichts des hohen Defizits wird es aber eine schwierige Aufgabe werden, den dafür notwendigen fiskalischen Spielraum zu schaffen. Der Aufschwung wird Zeit brauchen", gibt Sándor Richter, Ungarn-Experte des wiiw zu bedenken. Für 2026 prognostiziert er dem Land ein Wachstum von 1,6%, das 2027 auf 1,8% anziehen dürfte. Gegenüber dem Winter ist das eine Revision nach unten um 0,6 Prozentpunkte für 2026 und 0,7 Prozentpunkte für 2027, da der Iran-Krieg die zarte Erholung bereits wieder gefährdet.
Düstere Aussichten für die Ukraine
Unter viel schwierigeren Vorzeichen trifft der Krieg im Nahen Osten die Ukraine. Der massive russische Luftkrieg gegen die Energieinfrastruktur des Landes führte im Winter zu großflächigen Stromausfällen. Die Wirtschaftsaktivität wird durch die Stromengpässe stark beeinträchtigt. Dazu kommt die anziehende Inflation aufgrund stark steigender Preise für Treibstoff und Düngemittel als Folge des Iran-Krieges.
Für das Gesamtjahr geht das wiiw noch von einem Wachstum von 1% aus, das 2027 auf 2,5% steigen könnte, wobei das allerdings noch sehr ungewiss ist. Gegenüber dem Winter ist das eine Revision nach unten um 1,5 Prozentpunkte für 2026 und 1 Prozentpunkt für 2027. Neben den enormen Schäden an den Produktionsanlagen durch den russischen Angriffskrieg spiegelt die schwache Wirtschaftsentwicklung auch die Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten sowie den großen Arbeitskräftemangel wider.
"Durch ihre große Importabhängigkeit bei Treibstoff und Düngemitteln für die wichtige Landwirtschaft trifft der Iran-Krieg die Ukraine besonders hart", konstatiert Olga Pindyuk, Ukraine-Expertin des wiiw. "Schon jetzt sehen wir, dass die Nachbarländer ihre Treibstoffexporte in die Ukraine einschränken. Sollte sich diese Entwicklung verstärken, könnte die Ukraine in ernsthafte Schwierigkeiten geraten." Im Negativszenario eines längeren Krieges im Nahen Osten und anhaltend hoher Ölpreise könnte das Land in eine Rezession rutschen.
Stagnation in Russland trotz Geldsegens durch Iran-Krieg
Moskau bescheren die gestiegenen Preise für Öl- und Gas durch die Schließung der Straße von Hormus dagegen unerwartete Zusatzeinnahmen. Aus Russlands Sicht kommen diese genau zum richtigen Zeitpunkt, da sie die angespannte Budgetsituation entschärfen. Vergangenes Jahr betrug das Budgetdefizit 3,9% des BIP - für russische Verhältnisse ein recht hoher Wert. Bis zum Beginn des Krieges gegen den Iran hatte es so ausgesehen, als ob das russische Budgetdefizit heuer aus dem Ruder laufen könnte, weshalb die Regierung mit Ausnahme der Militär- und Sozialausgaben Kürzungen im Umfang von 10% erwogen hatte.
"Der Iran-Krieg stabilisiert das russische Budget. Je länger er dauert und je länger die Ölpreise hoch bleiben oder noch weiter steigen, desto positiver werden die Auswirkungen für Russland sein, schließlich fließen von jedem US-Dollar, um den der Rohölpreis steigt, 58 Cent in den russischen Staatshaushalt", sagt Vasily Astrov, Russland-Experte des wiiw. Die Wirtschaftsleistung des Landes dürfte davon aber nur marginal profitieren, weil das Geld nicht in zusätzliche Ausgaben fließt, sondern für eine geringere Schuldenaufnahme durch den Staat und den Abbau von Verbindlichkeiten der Energieunternehmen verwendet werden soll.
Für 2026 prognostiziert das wiiw Russland ein BIP-Wachstum von nur 0,9%, das sich 2027 auf 1,5% beschleunigen dürfte. In den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres schrumpfte die Wirtschaft annualisiert sogar: um 2,1% im Jänner und 1,5% im Februar. "Die Wachstumsschwäche Russlands ist vor allem auf die immer noch hohen Leitzinsen von derzeit 15%, zu geringe Investitionen in neue Produktionskapazitäten und den Arbeitskräftemangel zurückzuführen. Daran werden die hohen Energiepreise durch den Iran-Krieg nur wenig ändern", so Astrov.
Im aus Russlands Perspektive besten Fall eines längeren Krieges im Nahen Osten mit anhaltend hohen Ölpreisen könnte das Wirtschaftswachstum 2026 um zusätzliche 0,3 Prozentpunkte auf 1,2% zulegen. "Zweifellos hilft der Iran-Krieg Präsident Putin dabei, seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine fortzusetzen, da er ihm zusätzliche Einnahmen und größeren politischen Spielraum verschafft", meint Astrov.
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