(neu: Details aus der Telefonkonferenz, Aktienkurs aktualisiert)
HERZOGENAURACH (dpa-AFX) - Der Sportartikelhersteller Adidas hat im ersten Quartal dem Gegenwind durch Zölle und dem starken Euro getrotzt und besser abgeschnitten als erwartet. Der Nike-Konkurrent legte bei Umsatz und Gewinn deutlich zu und bestätigte seine Prognose. Der Krieg im Nahen Osten hat aktuell noch wenig direkte Auswirkungen auf das Geschäft - die hohen Ölpreise und die wieder aufkommenden Inflationssorgen lassen die Verbraucher speziell in Europa jedoch etwas zurückhaltender agieren. Die Aktie legte am Vormittag deutlich zu.
So stieg der Umsatz um gut 7 Prozent auf rund 6,6 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Mittwoch in Herzogenaurach mitteilte. Währungsbereinigt erzielte Adidas ein Wachstum von 14 Prozent. Der starke Euro belastete den Umsatz mit rund 350 Millionen Euro. Währungsbereinigt legte Adidas in allen Regionen prozentual zweistellig zu - mit Ausnahme von Europa, wo ein Plus von 6 Prozent verbucht wurde. Adidas bewege sich weiter in einem volatilen Umfeld, sagte Konzernchef Björn Gulden. In Europa gebe es die meiste Unsicherheit bei den Verbrauchern. Dort werde derzeit auch am stärksten mit Rabatten gearbeitet, um die Produkte loszuschlagen.
Die Aktie legte am späten Vormittag um fast sieben Prozent zu. Das Papier ist dabei in der letzten Zeit schlecht gelaufen. 2026 kommt die Aktie bislang bereits wieder auf ein Minus von rund 13 Prozent, auf 12 Monate gesehen hat der Kurs fast ein Drittel verloren. Analysten lobten die Zahlen. Adidas profitiere von einer gesunden Dynamik bei Marke und Umsatz, was in einem herausfordernden und sich fragmentierenden Sportbekleidungsmarkt zunehmend selten sei, notierte Analyst Piral Dadhania von der kanadischen Bank RBC.
Eine robuste Nachfrage verzeichnete das Unternehmen insbesondere in seinen eigenen Verkaufskanälen. Dagegen fiel das Plus im Großhandel schwächer aus - da der Einzelhandel derzeit wegen des unsicheren Konsumumfeldes verstärkt auf Rabatte setzt, verkauft Adidas eigenen Angaben zufolge aktuell keine "übermäßigen Mengen" an seine Partner, um die Preisnachlässe unter Kontrolle zu behalten. Dies gilt speziell für das Lifestyle-Segment. "Wir hoffen natürlich, dass sich das Umfeld stabilisiert und sich die Rabatte normalisieren, aber das liegt leider nicht in unserer Hand", erklärte Konzernchef Gulden.
Das Betriebsergebnis stieg trotz Gegenwind durch Währungseffekte und Zöllen um 15,5 Prozent auf 705 Millionen Euro. Analysten hatten sowohl bei Umsatz als auch operativem Ergebnis mit weniger gerechnet. Der auf die Anteilseigner entfallende Gewinn verbesserte sich um 12,6 Prozent auf 482 Millionen Euro.
An seiner Prognose hielt Adidas angesichts des unsicheren Umfelds fest. Im laufenden Jahr soll der Umsatz währungsbereinigt im hohen einstelligen Prozentbereich steigen. In absoluten Zahlen wäre dies ein Plus von rund 2 Milliarden Euro. 2025 waren die Erlöse der Marke Adidas währungsbereinigt um 13 Prozent auf 24,8 Milliarden Euro gestiegen. Das Betriebsergebnis soll sich von knapp 2,1 Milliarden auf rund 2,3 Milliarden Euro verbessern. Allerdings dürften Zölle und Währungseffekte den Gewinn mit 400 Millionen Euro belasten.
Der Krieg im Nahen Osten hat derzeit noch geringfügige Auswirkungen auf Adidas. Direkt betroffen sei aktuell das Geschäft in der Region, wie etwa durch Ladenschließungen. Auch gebe es Probleme, Ware dorthin zu bekommen. Insgesamt könnten in den nächsten sechs bis zwölf Monaten jedoch stark steigende Transport- sowie Materialkosten ein Thema werden, so Gulden.
Rückenwind erhofft sich Adidas von der Fußballweltmeisterschaft der Männer in den USA, Kanada und Mexiko in diesem Sommer. "Trotz vieler Liefer- und Transportprobleme haben wir den Großteil der Produkte in den Märkten und freuen uns auf ein fantastisches Event, das für uns großartig werden wird", so Gulden./nas/niw/stk




