KIEW/MOSKAU (dpa-AFX) - Die Ukraine hat in ihrer Serie von Gegenangriffen auf die russische Ölindustrie Anlagen in den Städten Perm und Orsk am Ural getroffen. Russische Stellen bestätigten laut Meldungen der staatlichen Nachrichtenagentur Tass die Angriffe, äußerten sich aber nicht zu Schäden.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einer neuen Stufe beim Einsatz von Langstreckenwaffen seiner Armee. "Es ist wichtig, dass jeder Schlag die Leistungsfähigkeit der russischen Rüstungsindustrie, Logistik und die Ölexporte verringert", schrieb er in sozialen Netzwerken. Es sei jedem klar, dass der Angreifer Russland seinen Krieg beenden müsse. "Es ist Zeit, zur Diplomatie überzugehen, und Moskau sollte dieses Signal hören."
In Perm deuteten Videos aus der Region darauf hin, dass die Pumpstation einer wichtigen Ölpipeline getroffen wurde. Die Bilder zeigten über dem Brandherd eine dicke schwarze Rauchwolke. Der ukrainische Geheimdienst SBU bestätigte später auch, dass die Pumpstation Ziel des Angriffs war.
In Orsk ganz im Süden des Ural-Gebirges galt der Angriff höchstwahrscheinlich der dortigen Ölraffinerie, wie der russische Telegramkanal Astra berichtete. Beide Orte liegen zwischen 1.500 und 1.800 Kilometer von der Ukraine entfernt.
Kampf gegen das Feuer in Tuapse
Angespannt blieb die Lage in der südrussischen Hafenstadt Tuapse am Schwarzen Meer, wo ukrainische Angriffe dreimal schwere Brände einer Raffinerie und des Ölverladeterminals ausgelöst hatten. Zuletzt war am Dienstagmorgen ein Feuer ausgebrochen. Der Brand sei unter Kontrolle, sagte der russische Katastrophenschutzminister Alexander Kurenkow abends nach einer Krisensitzung in Tuapse. Es sei auch gelungen, das Auslaufen von brennendem Öl zu stoppen.
Kremlchef Wladimir Putin beklagte in Moskau eine Häufung ukrainischer Angriffe gegen zivile Objekte in Russland. Er sprach zwar von "potenziell schweren Folgen" für die Umwelt in Tuapse, dementierte aber, dass es derzeit ernste Gefahren für die Bewohner gebe. Kiew zielt bei seinen Attacken bewusst auf die Ölindustrie, weil Russland mit deren Einnahmen den von Putin befohlenen Krieg gegen die Ukraine finanziert.
Kremlsprecher Dmitri Peskow warf der Ukraine wegen der Angriffe auf die Ölindustrie vor, damit die Energiekrise auf den Weltmärkten zu verschärfen. Er erinnere daran, dass das in Tuapse nun verbrannte und ausgelaufene Öl für den Export bestimmt gewesen sei, sagte er.
Drohnenangriffe auf die Ukraine
Durch russische Drohnenangriffe auf die Ukraine in der Nacht wurden nach Behördenangaben in Schostka im Gebiet Sumy eine Frau getötet und zwei Personen verletzt. In der Hafenstadt Odessa wurden ein Krankenhaus beschädigt und mehrere Wohnhäuser in Brand geschossen./fko/DP/zb
