DJ ÜBERBLICK am Morgen/Konjunktur, Zentralbanken, Politik
Die wichtigsten Ereignisse und Meldungen zu Konjunktur, Zentralbanken, Politik aus dem Programm von Dow Jones Newswires
Deutscher Einzelhandel verbucht deutliches Umsatzminus im März
Die Umsätze im deutschen Einzelhandel sind im März stärker gesunken als erwartet. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) auf Basis vorläufiger Daten mitteilte, fielen die Umsätze nach Abzug der Inflation um 2,0 Prozent gegenüber dem Vormonat. Von Dow Jones Newswires befragte Ökonomen hatten nur einen Rückgang um 0,2 Prozent prognostiziert. Für den Februar wurde der monatliche Rückgang auf real 0,3 (zunächst: 0,5) Prozent revidiert.
Deutscher Einzelhandel spürt Iran-Krieg
Die deutschen Einzelhandelsumsätze für den März geben nach Aussage von Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der liechtensteinischen VP Bank, einen Vorgeschmack auf die wirtschaftlichen Schäden des Iran-Krieges. "Bleibt mehr Geld an der Tankstelle liegen, bleibt weniger übrig für anderweitigen Konsum", schreibt er in einem Kommentar zum unerwartet deutlichen Umsatzrückgang. Auch die Umsätze an den Tankstellen selbst seien um real 5,6 Prozent zurückgegangen, und die Lebensmittelumsätze um 2,7 Prozent. "Dies passt genau zur These, dass die höheren Ölpreise insgesamt das Budget der privaten Haushalte schmälert."
Deutsche Importpreise steigen im März sprunghaft
Die Importpreise in Deutschland sind im März stärker gestiegen als erwartet. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) berichtete, stieg der Index der Einfuhrpreise im Vergleich zum Vormonat um 3,6 Prozent. Einen stärkeren Anstieg hatte es zuletzt im März 2022 mit 5,4 Prozent gegeben, als die Importpreise für Energie nach dem russischen Angriff auf die Ukraine sprunghaft gestiegen waren. Von Dow Jones Newswires befragte Ökonomen hatten nur einen Anstieg von 2,0 Prozent prognostiziert.
Ifo: Materialknappheit in der Industrie steigt sprunghaft
Die Beschaffungssituation für industrielle Vorprodukte hat sich in jüngster Zeit spürbar angespannt. Im April berichteten 13,8 Prozent der Unternehmen in der Industrie von Engpässen bei der Beschaffung von Materialien nach 5,8 Prozent im Januar. Das ergab eine aktuelle Umfrage des Ifo-Instituts. "Die Lieferketten geraten spürbar unter Druck", sagte Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen. "Der Konflikt im Nahen Osten und die Einschränkungen im Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus wirken sich zunehmend auf die Versorgung mit Vorprodukten aus."
Frankreichs Wirtschaft stagniert im ersten Quartal
Die französische Wirtschaft hat einen schwachen Start ins Jahr gehabt und dürfte auch weiterhin zu kämpfen haben, da der Anstieg der Energiepreise die Konsumausgaben dämpft und die erhoffte Erholung der Industrie verzögert. Der Konflikt im Nahen Osten ist der jüngste Rückschlag für Europas Hoffnungen auf eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung, nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022 und Präsident Donald Trumps Zolloffensive im vergangenen Jahr. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) blieb im ersten Quartal des Jahres unverändert, verglichen mit einem Wachstum von 0,2 Prozent im letzten Quartal 2025, teilte das französische Statistikamt Insee in einer ersten Veröffentlichung mit. Eine von Dow Jones Newswires befragte Gruppe von Ökonomen hatte ein Wachstum von 0,2 Prozent erwartet.
Chinas Industriekonjunktur hält den Turbulenzen im Nahen Osten stand
Chinas Industriekonjunktur ist im April stabil geblieben, was darauf hindeutet, dass der Druck durch die aufgrund des Konflikts im Nahen Osten gestiegenen Energiepreise begrenzt war. Der offizielle Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe sank geringfügig auf 50,3 von 50,4 im März, wie das Statistikamt mitteilte. Ökonomen hatten mit einem stärkeren Rückgang auf 50,1 gerechnet. Der Wert lag den zweiten Monat in Folge über der Marke von 50 Punkten, der eine Expansion des Sektors signalisiert. Ein Wert darunter deutet auf eine Schrumpfung hin. Der private Index von Ratingdog für das verarbeitende Gewerbe stieg derweil von 50,8 auf 52,2 Punkte, den höchsten Stand seit Dezember 2020.
US-Notenbank belässt Leitzins bei 3,50 bis 3,75 Prozent
Die US-Notenbank hat ihre Zinspause verlängert, wobei sich allerdings größere Meinungsverschiedenheiten darüber zeigten, ob weitere Zinssenkungen in Aussicht gestellt werden sollten. Die drei Ratsmitglieder Beth Hammack, Neel Kashkari und Lorie Logan sprachen sich gegen einen solchen Hinweis im geldpolitischen Statement aus. Der Leitzins liegt weiter in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent, wie die Fed mitteilte. Börsianer und Ökonomen hatten mit dieser Entscheidung gerechnet. Ratsmitglied Stephen Miran votierte für eine Zinssenkung um 25 Basispunkte. Damit stieß die geldpolitische Erklärung der Fed bei vier von zwölf Mitgliedern auf Ablehnung - so viele wie noch nie bei einer Sitzung seit 1992.
Powells Äußerung gegen Zinserhöhung gilt nur für diese Sitzung
Nachdem Notenbankchef Jerome Powell auf seiner Pressekonferenz gesagt hatte, "Niemand fordert im Moment eine Zinserhöhung", sagte Diane Swonk, Chefvolkswirtin bei KPMG, dass dies nur für diese geldpolitische Sitzung gelte. "Das ist mehr als ein Ölschock", sagte sie. "Es erinnert an die Pandemie, da es die Lieferketten in der ganzen Welt in Aufruhr versetzt." Nachdem die Erklärung des Offenmarktausschusses (FOMC) der Fed auf den Widerspruch von vier der zwölf Mitglieder gestoßen war, sagte Swonk, der designierte Vorsitzende Kevin Warsh trete in eine gespaltene Fed ein, "was wir bereits wussten."
Powells Entscheidung verbaut Trump den Weg zur Ernennung eines Nachfolgers
Hätte sich Jerome Powell entschieden, nach dem Ende seiner Amtszeit als Vorsitzender im Mai von der Fed zurückzutreten, hätte Präsident Trump die Chance erhalten, zusätzlich zu Kevin Warsh, der den Sitz von Stephen Miran besetzt, einen neuen Gouverneur als seinen Nachfolger zu nominieren. Powell betonte auf seiner Pressekonferenz, dass seine Entscheidung, vorerst zu bleiben, nichts mit Politik zu tun habe oder damit, Trump absichtlich die Möglichkeit zu nehmen, jemand anderen zu ernennen.
Brasiliens Zentralbank senkt Leitzins den zweiten Monat in Folge
Die brasilianische Zentralbank hat ihren Leitzins den zweiten Monat in Folge gesenkt. Der geldpolitische Ausschuss der Notenbank, bekannt als Copom, senkte den Selic-Referenzzinssatz auf 14,5 von 14,75 Prozent. Der Ausschuss deutete an, dass künftige Zinsentscheidungen angesichts der ungewissen Auswirkungen des Iran-Krieges unklar bleiben. Das Wachstum schwächt sich ab und die Wirtschaft des Landes ist mit Gegenwind von der Inflationsseite durch den Krieg im Nahen Osten konfrontiert.
+++ Konjunkturdaten +++
Japan/Industrieproduktion März -0,5% (PROG: +1,1%) gg Vm
Japan/Industrieproduktion Jan-März +2,4% gg Vq
Japan/Einzelhandelsumsatz März +1,7% gg Vorjahr
Japan/Einzelhandelsumsatz Supermärkte März +1,1% gg Vj
DJG/DJN/apo
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April 30, 2026 03:00 ET (07:00 GMT)
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