DJ MÄRKTE EUROPA/Schwächer mit explodierendem Ölpreis
DOW JONES--Europas Börsen sind mit Abgaben in den Handel am Donnerstag gestartet. Die Ölpreisrally setzt sich fort und drückt auf das Sentiment. Der Preis für Brent zieht am Morgen um weitere 3 Prozent an und notiert nun mit 122,40 Dollar über dem bisherigen Hoch seit Ausbruch des Iran-Kriegs. Belastend wirken nicht nur die Berichte über eine verlängerte Blockade der Straße von Hormus, sondern auch angebliche Pläne für neue US-Militärschläge gegen den Iran. Die nachbörslich veröffentlichten Quartalszahlen zahlreicher US-Technologiegiganten spielen in dem Umfeld eine untergeordnete Rolle.
Der DAX verliert 0,3 Prozent auf 23.881, für den Euro-Stoxx-50 geht es um 0,6 Prozent nach unten. Am Devisenmarkt notiert der Euro wenig verändert bei 1,1674 Dollar - die Renditen am Anleihemarkt ziehen kräftig an.
Die US-Notenbank hat derweil ihre Zinspause wie mehrheitlich erwartet verlängert, wobei sich allerdings größere Meinungsverschiedenheiten darüber zeigten, ob weitere Zinssenkungen in Aussicht gestellt werden sollten. Denn die Ratsmitglieder Beth Hammack, Neel Kashkari und Lorie Logan sprachen sich gegen einen solchen Hinweis im geldpolitischen Statement aus. Der Leitzins liegt weiter in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent.
Am Berichtstag stehen nun die geldpolitischen Entscheidungen der Bank of England sowie der EZB im Fokus. In beiden Fällen wird eine Bestätigung des aktuellen Zinsniveaus erwartet, spannend werden daher die Ausblicke. Mit Blick auf die EZB gehen die meisten Beobachter davon aus, dass die EZB die Zinsen zweimal im laufenden Jahr anheben wird. Allerdings stellt der massiven Ölpreisanstieg die EZB vor ein Dilemma. "Nach den gestrigen Marktbewegungen sind Spekulationen über einen Emergency-Hike oder mögliche 50 Basispunkten wieder zurück", heißt es bei der Commerzbank.
Die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen hat am Vortag den höchsten Schlusskurs seit dem Jahr 2011 erreicht. "Wir sehen hier aktuell eine doppelte Anleger-Angst. Das ist die Kombination aus Angst vor höherer Inflation und Angst vor höherer Staatsverschuldung", heißt es bei QC Partners.
Etwas Mut machen die neuen Konjunkturdaten aus China. Händler hatten die Einkaufsmanager-Indizes (PMI) dieses Mal als besonders wichtig bezeichnet, da es die ersten Daten seit dem Ausbruch des Iran-Krieges sind, die damit auch schon die Ölpreis-Explosion enthalten.
Daneben wütet die Berichtssaison, die eher positive Akzente an den Börsen setzt. Das EBIT der Porsche AG (+1,7%) im ersten Quartal ist laut RBC mit 595 Millionen Euro klar über der Schätzung von 557 Millionen ausgefallen. Die EBIT-Marge liegt damit mit 7,1 Prozent über der Markterwartung von 6,6 Prozent. Die Analysten glauben, dass die Margen unter anderem von Kostendisziplin profitiert hätten. Wichtig sei die bestätigte Prognose, obgleich hier mögliche Negativ-Effekte durch den Krieg im Nahen Osten nicht berücktsichtigt worden seien.
Auch Kion (+5,8%) legte gute Geschäftszahlen vor, vor allem der Auftragseingang überraschte: Er lag im ersten Quartal bei knapp 3 Milliarden Euro, während Analysten nur etwas über 2,7 Milliarden Euro erwartet hatten. "Das zeigt, dass die Investitionsbereitschaft bei Unternehmen doch noch höher zu sein scheint", sagt ein Händler. Die Jahresprognose bestätigte Kion.
Puma (+2,2%) hat laut RBC einen guten Jahresauftakt hingelegt. Die Umsätze seien 2 Prozent besser als erwartet ausgefallen, die Bruttomarge entspreche den Erwartungen. Zugleich seien die operativen Kosten um 5 Prozent gefallen, teilweise aufgrund niedrigerer Marketingausgaben. Die Prognose wurde bestätigt. Leicht positiv könnte der angekündigte CFO-Wechsel wirken.
Fielmann gehen mit Abschlägen von 2,7 Prozent in den Handel. Die Erstquartalszahlen sind wie erwartet schwach ausgefallen. Der Hauptdruck auf die Aktie dürfte vom Ausblick auf das laufende Jahr kommen. Wie Baader anmerkt, strebt der Brillenhersteller Umsätze zwischen 2,55 bis 2,60 Milliarden Euro an, was unter der Marktschätzung liege. Das treffe auch auf die angestrebte bereinigte EBITDA-Marge zu. Fielmann begründe dies mit höheren Investitionen.
BNP Paribas (-3,8%) hat besser als erwartet ausgefallene Erstquartalszahlen vorgelegt. Der Gewinn hat mit 3,22 Milliarden Euro die Marktschätzung von 2,93 Milliarden klar geschlagen. RBC weist aber darauf hin, dass die Geschäftszahlen von Einmaleffekten geprägt gewesen seien, so etwa einer Belastung von 245 Millionen Euro aufgrund von Rechtsrisiken wegen Motor Finance und einem positiven Effekt von 372 Millionen Euro im Zusammenhang mit einer Neubewertung der Allfunds-Beteiligung.
=== INDEX zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag +/- % YTD Euro-Stoxx-50 5.780,26 -0,6 -36,22 5.816,48 -0,2 Stoxx-50 4.981,55 -0,2 -10,77 4.992,32 1,3 DAX 23.881,13 -0,3 -73,43 23.954,56 -2,5 MDAX 30.100,59 +0,3 89,81 27.039,42 -1,7 TecDAX 3.632,34 +0,2 7,39 3.091,28 0,3 SDAX 17.674,54 +0,2 32,97 13.062,07 2,9 CAC 7.981,34 -1,1 -90,79 8.072,13 -2,1 SMI 12.989,70 -0,3 -42,20 13.031,90 -2,1 ATX 5.798,93 -0,6 -35,01 5.833,94 8,9 DEVISEN zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Mi, 17:29 EUR/USD 1,1682 +0,0 0,0005 1,1677 1,1691 EUR/JPY 187,05 -0,1 -0,1600 187,21 187,2500 EUR/CHF 0,923 -0,1 -0,0010 0,9240 0,9237 EUR/GBP 0,8658 -0,1 -0,0007 0,8665 0,8669 USD/JPY 160,08 -0,2 -0,3100 160,39 160,2200 GBP/USD 1,349 +0,1 0,0017 1,3473 1,3485 USD/CNY 6,8335 -0,1 -0,0040 6,8375 6,8380 USD/CNH 6,8371 -0,1 -0,0093 6,8464 6,8424 AUS/USD 0,713 +0,2 0,0014 0,7116 0,7130 Bitcoin/USD 76.069,63 +0,5 410,32 75.659,31 76.240,38 ROHÖL zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag WTI/Nymex 108,38 +1,4 1,50 106,88 Brent/ICE 121,9 +3,3 3,87 118,03 Metalle zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Gold 4.600,76 +1,3 59,01 4.541,75 Silber 73,15 +2,3 1,66 71,48 Platin 1.946,83 +3,6 67,52 1.879,31 ===
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