
© Foto: Bbingzhenzhen auf Pixabay (Symbolbild)
Wer Eutelsat nach dem Anstieg und dem anschließenden mehrmonatigen Abwärtstrend bereits abgeschrieben hatte, dürfte sich gerade etwas verwundert die Augen reiben. Der europäische Satellitenbetreiber hat sich zuletzt spektakulär zurückgemeldet, mit einem Kursplus von über 50 Prozent seit Januar und einer Nachrichtenlage, die sich zuletzt geradezu überschlägt. Neue Verträge in Lateinamerika, eine wegweisende Breitbandpartnerschaft in Westafrika, ein milliardenschweres Finanzierungspaket und dazu 440 neue Satelliten in der Pipeline: Das klingt nach einem Unternehmen, das endlich in die Gänge kommt. Aber kann Eutelsat dieses Tempo halten? Und was bedeutet das für die Aktie, die charttechnisch kurz vor einer entscheidenden Hürde steht? Wir klären auf welche das ist! Wer jetzt nicht hinschaut, könnte etwas verpassen!
Neue Verträge und Wachstum auf allen Ebenen
Eutelsat hat in den letzten Wochen gleich mehrere wichtige Deals unter Dach und Fach gebracht. PCTV, der mexikanische Pay-TV-Anbieter unter dem Dach von Megacable, bleibt dem Satelliten Eutelsat 117 West A treu, der Vertrag wurde verlängert. Für Eutelsat bedeutet das verlässliche Einnahmen aus dem klassischen TV-Geschäft. Dieses Segment läuft zwar weltweit auf Schrumpfkurs, hat im ersten Halbjahr 2025/26 mit rund 266 Millionen Euro aber noch immer fast die Hälfte des Gesamtumsatzes gestemmt, keine Kleinigkeit. Gleichzeitig tut sich einiges auf dem afrikanischen Kontinent: In Westafrika hat Eutelsat eine Partnerschaft mit MTN Cote d Ivoire an Land gezogen. Gemeinsam wollen die beiden Unternehmen über den Satelliten Eutelsat Konnekt ländliche Gebiete der Elfenbeinküste ans Breitbandnetz anbinden, samt Community-Wlan-Hotspots vor Ort. Das Timing ist clever: Die ivorische Regierung treibt aktiv die Digitalisierung öffentlicher Dienste voran, und Eutelsat positioniert sich als Infrastrukturpartner. Auch das junge LEO-Segment, also das Geschäft mit erdnahen Satelliten über die OneWeb-Konstellation, legt kräftig zu, die Einnahmen sprangen zuletzt um über 84 Prozent nach oben auf 111 Millionen Euro. Der Konzernumbau läuft, und er zeigt erste greifbare Ergebnisse.

Charttechnik
Die Aktie hat den 50er SMA zuletzt klar überwunden, das ist ein erstes chartechnisches Lebenszeichen - und auch ein positives. Jetzt fehlt nur noch ein Schritt: der Sprung über den 200er SMA, der aktuell als unmittelbare Hürde fungiert. Diese Marke liegt bei 2,72 Euro. Gelingt dieser Ausbruch, ist der Weg nach oben erstaunlich offen. Die nächste nennenswerte chartechnische Bremse liegt erst bei rund 4 Euro, das wäre von aktuell etwa 2,55 Euro aus gerechnet ein Potenzial von über 50 Prozent. Der RSI-Wert um 60 signalisiert zwar kurzfristig fast einen überkauften Zustand, was eine technische Gegenbewegung begünstigen könnte. Aber es ist noch Platz bis zur 70er Marke und in einem Trend mit Momentum kann der RSI auch eine ganze Weile im überkauften Bereich verharren, ohne dass die Bären gleich das Ruder übernehmen. Bis zum 52-Wochen-Hoch bei 4,55 Euro ist die Aktie zwar noch ein gutes Stück entfernt, aber wird die Hürde bei 4 genommen, so wäre das dann wohl die nächste charttechnische Anlaufstelle. Wer auf einen nachhaltigen Aufwärtstrend setzt, braucht aber unbedingt den Durchbruch über den 200er, denn der ist der eigentliche Schlüssel.
Was tun?
Das Unternehmen kämpft an mehreren Fronten gleichzeitig: GEO-Geschäft stabilisieren, LEO-Segment hochfahren, Schulden im Griff behalten. Die Nettoverschuldung bleibt mit dem 2,7-fachen EBITDA ein Faktor, den man nicht ignorieren darf, aber gleichzeitig zeigen die jüngsten Zahlen, besonders das LEO-Wachstum von über 84 Prozent, dass die Transformation greift. Das 5-Milliarden-Euro-Finanzierungspaket schafft Spielraum, 440 neue Satelliten ab Ende 2026 geben langfristige Perspektive. Die Q3-Zahlen am 12. Mai werden zeigen, ob die kommunizierten Nachfragesignale aus den USA bereits in echten Vertragsabschlüssen angekommen sind. Charttechnisch ist der 200er SMA die Nagelprobe. Gelingt der Ausbruch, öffnet sich Raum bis 4 Euro. Für Neueinsteiger gilt: abwarten, ob der 200er fällt, dann wird die Sache richtig spannend.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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