DJ ÜBERBLICK am Mittag/Konjunktur, Zentralbanken, Politik
Die wichtigsten Ereignisse und Meldungen zu Konjunktur, Zentralbanken, Politik aus dem Programm von Dow Jones Newswires
Deutsches BIP steigt im ersten Quartal um 0,3 Prozent
Das Wirtschaftswachstum in Deutschland hat sich im ersten Quartal verstärkt. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) in einer ersten Schätzung mitteilte, stieg das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem Vorquartal saison- und kalenderbereinigt um 0,3 Prozent und lag kalenderbereinigt um ebenfalls 0,3 Prozent über dem Niveau des Vorjahresquartals. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten einen Quartalszuwachs von 0,2 Prozent und eine Jahreswachstumsrate von 0,3 Prozent prognostiziert.
Deutsches BIP überrascht im 1Q positiv
Die Daten zum deutschen Bruttoinlandsprodukt Deutschlands für das erste Quartal sind nach Aussage von LBBW-Volkswirt Jens-Oliver Niklasch "eine positive Überraschung inmitten der Flut von schwachen Zahlen aus Deutschland und dem Rest des Euroraums". "Allerdings dürfte diese Zahl auch kein sanftes Ruhekissen sein", schreibt er in einem Kommentar. Der Anstieg der Energiepreise werde in den Folgequartalen belasten, dazu kämen heute schon Störungen der Lieferketten sowie möglicherweise eine restriktivere Geldpolitik infolge des wachsenden Inflationsdrucks.
Deutsches Wachstum im ersten Quartal überraschend stark
Das deutsche Wirtschaftswachstum ist zu Jahresbeginn überraschend stark gewesen, insbesondere angesichts der Auswirkungen des Krieges im Iran, schreibt Sebastian Wanke von KfW Research in einer Research Note. Das deutsche BIP ist in den ersten drei Monaten des Jahres um 0,3 Prozent gewachsen, nach 0,2 Prozent im Schlussquartal 2025. "Die Daten zeigen, dass es ein starkes Jahr für die deutsche Wirtschaft hätte werden können", sagt er. Allerdings überschatte der Krieg nun den Ausblick. "Es bleibt die Hoffnung, dass die Straße von Hormus bald wieder geöffnet wird, sodass die Wachstumsmotoren wieder Luft bekommen."
Deutsche Arbeitslosenzahl steigt im April um 20.000
Die Arbeitslosigkeit in Deutschland hat im April deutlicher zugenommen als erwartet. Wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) mitteilte, stieg die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl gegenüber dem Vormonat um 20.000, nachdem sie sich im März um 3.000 erhöht hatte. Die Arbeitslosenquote blieb auf dem nach oben revidierten Vormonatsniveau von 6,4 Prozent. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten einen Anstieg der Arbeitslosenzahl um nur 5.000 und eine unveränderte Quote auf dem vorläufig gemeldeten Niveau von 6,3 Prozent prognostiziert.
Euroraum-Inflation im April etwas höher als erwartet
Der Inflationsdruck im Euroraum hat im April etwas deutlicher als erwartet zugenommen. Laut Mitteilung von Eurostat stiegen die Verbraucherpreise gegenüber dem Vormonat um 1,0 Prozent und lagen um 3,0 (März: 2,6) Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten eine Jahresteuerung von 2,9 Prozent prognostiziert. Die Kernverbraucherpreise stiegen um 0,9 Prozent auf Monats- und 2,2 (2,3) Prozent auf Jahressicht. Erwartet worden war eine Kernteuerung von 2,2 Prozent.
Frankreichs HVPI-Inflation steigt im April auf 2,5 Prozent
Die französische Inflation ist im April stärker als erwartet gestiegen. Die am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) gemessene Jahresteuerung erhöhte sich auf 2,5 (Vormonat: 2,0) Prozent, wie das Statistikamt in einer ersten Veröffentlichung mitteilte. Von Dow Jones Newswires befragte Ökonomen hatten eine Jahresrate von 2,3 Prozent erwartet. Gegenüber dem Vormonat stiegen die Verbraucherpreise um 1,2 Prozent nach 1,1 Prozent im Vormonat.
Euroraum-Wirtschaft wächst im 1Q schwächer als erwartet
Die Wirtschaft des Euroraums ist im ersten Quartal 2026 weniger stark als erwartet gewachsen. Wie Eurostat in einer ersten Schätzung mitteilte, stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem Vorquartal um 0,1 Prozent und lag um 0,8 Prozent über dem Niveau des Vorjahresquartals. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten Zuwachsraten von 0,2 und 0,9 Prozent prognostiziert. Im vierten Quartal war das BIP um 0,2 und 1,3 Prozent gewachsen.
Eurozone-Arbeitslosenquote sinkt im März auf 6,2 Prozent
Die Arbeitslosigkeit in der Eurozone ist im März gesunken. Wie die europäische Statistikbehörde Eurostat mitteilte, sank die Arbeitslosenquote auf das Rekordtief von 6,2 Prozent, nachdem sie im Februar bei revidiert 6,3 (vorläufig: 6,2) Prozent gelegen hatte. Die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte hatten eine Quote von 6,2 Prozent prognostiziert.
Eurozone droht Gefahr einer längeren Stagnation
Die Erholung der Eurozone stehe unter Druck, da schwaches Wachstum auf steigende Inflation treffe, schreibt Joe Nellis von MHA in einem Kommentar. Die Wirtschaft ist im ersten Quartal nur um 0,1 Prozent gewachsen, während die Inflation, hauptsächlich getrieben durch höhere Energiekosten, auf 3 Prozent gestiegen ist. Anhaltende Spannungen im Nahen Osten drohten die Aussichten zu verschlechtern, was potenziell das Verbrauchervertrauen dämpfen, Investitionen verzögern und die Industrie, insbesondere in Deutschland, weiter schwächen könnte, meint Nellis. "Für die Europäische Zentralbank schaffen die Zahlen eine politische Zwickmühle. Das Wachstum ist zu schwach, um es zu feiern, doch eine Inflation von 3 Prozent macht weitere Zinssenkungen weitaus schwerer zu rechtfertigen", meint er.
Lagarde ist nicht zu beneiden
Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, ist nach Aussage von Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der liechtensteinischen VP Bank, angesichts der gerade veröffentlichten Inflations- und Wachstumsdaten nicht zu beneiden. "Die EZB-Chefin muss einen kommunikativen Kraftakt bewältigen. Einerseits muss sie signalisieren, dass die Notenbank die gestiegenen Teuerungsraten ernst nimmt. Andererseits darf die Notenbankpräsidentin, die mit den hohen Energiepreisen einhergehenden konjunkturellen Risiken nicht unter den Teppich kehren", schreibt er in einem Kommentar.
Bank of England belässt Leitzins bei 3,75 Prozent
Die Bank of England (BoE) hat ihren Leitzins bei 3,75 Prozent stabil gehalten. Sie deutete jedoch an, dass sie die Zinsen bald erhöhen könnte, um den durch den Krieg im Nahen Osten ausgelösten Inflationsanstieg einzudämmen. Während die Märkte ursprünglich auf eine baldige Lockerung der Geldpolitik nach dem Inflationsrückgang im Januar gehofft hatten, haben die militärische Eskalation im Persischen Golf und die Blockade der Straße von Hormus die Rahmenbedingungen grundlegend verändert. Ökonomen und Börsianer hatten daher damit gerechnet, dass die BoE ihren Leitzins auf dem aktuellen Niveau halten wird. Der Beschluss fiel mit einer Gegenstimme; ein Ratsmitglied stimmte für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte.
Italiens Wirtschaft wächst im ersten Quartal um 0,2 Prozent
Italiens Wirtschaft hat zum Jahresauftakt die Erwartungen leicht übertroffen. Wie die Statistikbehörde Istat in einer ersten Schätzung mitteilte, stieg das preis-, saison- und kalenderbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorquartal um 0,2 Prozent. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten einen Zuwachs von 0,1 Prozent prognostiziert. Im Vergleich zum Vorjahresquartal ergab sich ein Plus von 0,7 Prozent.
Spanische Wirtschaft verliert an Fahrt im ersten Quartal
Die spanische Wirtschaft hat im ersten Quartal 2026 an Dynamik verloren, da der private Konsum nachließ und die Exporte zurückgingen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal, wie die Statistikbehörde mitteilte. Im Vorquartal hatte das Wachstum 0,8 Prozent betragen. Ökonomen hatten für das erste Quartal ein Plus von 0,5 Prozent erwartet. Im Jahresvergleich lag das BIP um 2,7 Prozent höher.
RWI/ISL-Containerumschlag-Index fällt - Iran-Krieg belastet Welthandel
Der Containerumschlag-Index des RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) ist saisonbereinigt im März kräftig gesunken. Nach einem revidierten Wert von 147,1 Punkten im Vormonat fiel der Index um 4,5 Zähler auf 142,6 Punkte. Damit wurde der Zuwachs des Februars mehr als ausradiert; die Aufwärtsdynamik des Welthandels hat sich seit Jahresbeginn angesichts geopolitischer Spannungen und steigender Kosten spürbar abgeschwächt.
+++ Konjunkturdaten +++
Italien/Verbraucherpreise Apr vorl. +1,7% gg Vm, +2,9% gg Vj
Niederlande BIP 1Q +0,1% gg Vorquartal - CBS
Niederlande BIP 1Q +1,2% gg Vorjahr - CBS
DJG/DJN/apo
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April 30, 2026 07:30 ET (11:30 GMT)
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