DJ MÄRKTE USA/Aktien freundlich erwartet - Quartalszahlen in Hülle und Fülle bewegen
Von Steffen Gosenheimer
DOW JONES--Für die US-Börsen deutet sich am Donnerstag ein freundlicher Start an. Von der US-Notenbanksitzung am Vortag geht kaum ein Impuls aus. Sie brachte für die Zinsaussichten keine neuen Erkenntnisse, auch wenn innerhalb des Offenmarktausschusses die Uneinigkeit zugenommen hat. Die Notenbank nahm in ihrer Erklärung zu den wie erwartet unverändert belassenen Leitzinsen keine Änderungen an der im Herbst gewählten Formulierung vor. Demnach ist die nächste Zinsänderung eher nach unten als nach oben zu erwarten.
Die Zinsentwicklung dürfte laut Marktteilnehmern für den Rest des Jahres zunehmend von der Dauer des Nahostkonflikts bestimmt werde. "Wir erwarten weiterhin eine Zinssenkung in diesem Jahr, aber die Risiken sind eindeutig in Richtung 'keine Maßnahmen' für den Rest des Jahres verschoben", kommentiert Fidelity International.
Rückenwind kommt von den Ölpreisen. Sie waren am frühen Morgen noch sehr stark gestiegen auf das höchste Niveau seit Beginn des Nahostkonflikts vor dem Hintergrund eines Berichts, wonach die USA möglicherweise neue militärische Optionen gegen den Iran erwägen, um die festgefahrenen Friedensgespräche wieder zu beleben. Brent-Öl erreichte über 126 Dollar je Fass. Inzwischen hat sich die Lage aber wieder stark entspannt und das Nordseeöl wird mit 114,59 Dollar gehandelt, knapp 3 Prozent unter dem Vortagsniveau.
Von neuen Konjunkturdaten kommt zumindest kein Störfeuer. Das US-BIP-Wachstum ist im ersten Quartal mit 2,0 Prozent zum Vorquartal nah an der Schätzung von 2,2 Prozent ausgefallen, damit aber auch deutlich stärker als noch im Quartal zuvor. Zugleich lag das von der Notenbank favorisierte Preismaß, der Gesamtindex für die persönlichen Konsumausgaben, exakt wie erwartet 3,5 Prozent höher als vor einem Jahr. Es liegt damit weiter klar über dem angestrebten Wert von 2,0 Prozent. Der Anleihemarkt reagiert auf dem jüngst gestiegenen Niveau entspannt auf den Datenmix, die Renditen sinken. Im Zehnjahresbereich geht es um 3 Basispunkte auf 4,39 Prozent nach unten.
Im Blick stehen somit vor allem Unternehmenszahlen, zumal vier Technologie-Dickschiffe ihre Bücher geöffnet haben. Den Zahlen kommt auch deswegen erhöhte Aufmerksamkeit zu, weil zuletzt wieder die Bedenken zunahmen, ob sich die massiven Investitionen vieler Unternehmen in Künstliche Intelligenz am Ende auch rentieren.
Die Quartalszahlen an sich sind überwiegend überzeugend ausgefallen, sie stoßen aber dennoch auf unterschiedliche Resonanz. Die Google-Mutter Alphabet meldete einen Umsatzanstieg von 22 Prozent im ersten Quartal und einen Sprung des Nettogewinns um 81 Prozent, wobei das Wettrennen um Künstliche Intelligenz (KI) das Wachstum des Cloud-Geschäfts antrieb. Für die Alphabet-Aktie geht es vorbörslich auf Nasdsaq.com um über 7 Prozent aufwärts.
Meta Platforms berichtete den größten vierteljährlichen Umsatzsprung seit fast fünf Jahren. Überschattet wird dies aber davon, dass der Technologieriese noch mehr Geld in den Ausbau von KI-Rechenzentren investieren will. Meta sacken daher um gut 8 Prozent ab.
Für Microsoft geht es um knapp 1 Prozent abwärts. Der Softwaregigant informierte über starkes Cloud-Wachstum und einen Anstieg der zahlenden KI-Abonnenten und erwartet für das Juni-Quartal ein Umsatzwachstum von 13 bis 15 Prozent. Ähnlich wie bei Meta belasten aber auch hier Investitionspläne: Microsoft will die Ausgaben im Vergleich zu 2025 um 61 Prozent steigern.
Bei Amazon sind Umsatz und Gewinn im ersten Quartal gestiegen, angetrieben durch wachsende KI-Dienstleistungen und Cloud-Verkäufe. Die Aktie zieht um gut 3 Prozent an.
Sehr gut kommen Zahlen und eine Neuigkeit des Chipherstellers Qualcomm an, die Aktie wird 10 Prozent höher gesehen. Qualcomm will in den lukrativen Markt für Rechenzentren einsteigen und mit einem führenden Hyperscaler an maßgeschneiderten Chips arbeiten. Das Unternehmen meldete außerdem einen höheren Umsatz im jüngsten Quartal.
Merck hat im ersten Quartal höhere Umsätze als erwartet erzielt und die Gewinnprognose für das Gesamtjahr angehoben. Treiber ist die starke Nachfrage nach dem Krebsmedikament Keytruda. Merck legen vorbörslich um 1,1 Prozent zu. Der Wettbewerber Eli Lilly konnte den Gewinn weit über den Erwartungen der Analysten steigern und erhöhte dazu passend die Prognose für das Gesamtjahr. Der Kurs legt um gut 6 Prozent zu.
Der Zigarettenhersteller Altria hat einen höheren Umsatz erzielt, wobei höhere Preise niedrigere Absatzmengen ausglichen. Die Aktie wird 2 Prozent höher gestellt.
Ebay verlieren 2,3 Prozent, nachdem die Online-Auktionsplattform eine enttäuschende Prognose für das zweite Quartal abgegeben hat. Ein ebenso berichteter Gewinnanstieg tritt dagegen in den Hintergrund.
Ford geben um 4 Prozent nach. Der Autohersteller hat die Gewinnerwartungen deutlich übertroffen und seine Prognose angehoben. Allerdings konnte Ford Bedenken hinsichtlich steigender Kosten nicht ausräumen.
Im Blick dürften die Akteure auch die Apple-Aktie haben, die iPhone-Ikone präsentiert nach Handelsende ihre Quartalszahlen. Die Aktie liegt gut behauptet im Markt.
US-Treasuries Rendite +/- Tageshoch Tagestief 2 Jahre 3,89 -0,04 3,95 3,89 5 Jahre 4,03 -0,04 4,08 4,02 10 Jahre 4,39 -0,03 4,44 4,39 DEVISEN zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Mi, 17:29 EUR/USD 1,1691 +0,1 0,0014 1,1677 1,1691 EUR/JPY 183,31 -2,1 -3,9000 187,21 187,2500 EUR/CHF 0,9165 -0,8 -0,0075 0,9240 0,9237 EUR/GBP 0,8652 -0,2 -0,0013 0,8665 0,8669 USD/JPY 156,77 -2,3 -3,6200 160,39 160,2200 GBP/USD 1,3509 +0,3 0,0036 1,3473 1,3485 USD/CNY 6,8302 -0,1 -0,0073 6,8375 6,8380 USD/CNH 6,8325 -0,2 -0,0139 6,8464 6,8424 AUS/USD 0,715 +0,5 0,0034 0,7116 0,7130 Bitcoin/USD 76.314,03 +0,9 654,72 75.659,31 76.240,38 ROHOEL zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag WTI/Nymex 104,92 -1,8 -1,96 106,88 Brent/ICE 114,52 -3,0 -3,51 118,03 Metalle zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Gold 4.640,09 +2,2 98,34 4.541,75 Silber 73,60 +3,0 2,12 71,48 Platin 1.957,50 +4,2 78,19 1.879,31
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April 30, 2026 09:10 ET (13:10 GMT)
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