
© Foto: Brian Penny auf Pixabay (Symbolbild)
Oracle ist gerade eines der Unternehmen, über das alle reden - und das vielleicht auch absolut zu Recht. Der Datenbankspezialist hat sich mit einem der größten Cloud-Deals der Geschichte mitten ins Herz des KI-Booms katapultiert. 300 Milliarden US-Dollar mit OpenAI, neue Rechenzentren quer durch die USA, Wachstum in der Cloud von über 80 Prozent, die Zahlen klingen nach Aufbruch, nach Wachstum und nicht nach Krise. Doch gleichzeitig wächst auch der Schuldenberg, der Kurs ist weit vom Hoch entfernt, und Kritiker zweifeln, ob das alles so gut geht. Was steckt aber wirklich hinter Oracle? Ist das hier genau das Unternehmen was der KI-Gewinner der nächsten Jahre sein wird? Wer Oracle nur als alten Datenbankkonzern kennt, hat nicht genau hingeschaut. Wir klären auf!
Oracle hat sich neu erfunden, radikal, mutig und fast ein bisschen verrückt. Der Konzern, der jahrzehntelang als solider, etwas langweiliger Datenbankgigant galt, steckt mitten in einer großen Transformation. Larry Ellison hat für Oracle eine klare Richtung vorgegeben: Das Unternehmen soll die tragende Infrastruktur des KI-Zeitalters werden. Ob das gelingt, ist offen, die aktuellen Zahlen sprechen allerdings dafür. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 kletterte der Umsatz auf 17,2 Milliarden US-Dollar. Das Cloud-Geschäft wuchs um 44 Prozent. Die Infrastruktursparte kletterte sogar um 84 Prozent. Was dabei besonders auffällt: Umsatz und bereinigter Gewinn je Aktie legten gleichzeitig um mehr als 20 Prozent zu, das gab es seit über 15 Jahren nicht mehr. Der Auftragsbestand summiert sich inzwischen auf rund 553 Milliarden Dollar, wobei allein der Vertrag mit OpenAI mehr als 300 Milliarden davon ausmacht.
Oracle baut dafür fünf große Rechenzentren quer durch die USA. In Michigan steht ein Campus mit mehr als einem Gigawatt Kapazität kurz vor dem Start, finanziert mit 16 Milliarden US-Dollar. Für das Gesamtjahr plant Oracle Kapitalausgaben von 50 Milliarden US-Dollar. Der Umsatz soll auf 67 Milliarden steigen, für 2027 peilt Ellison sogar 90 Milliarden an.

Charttechnik
Das Widersprüchliche zu den obigen Zahlen ist, dass der Kurs in den vergangenen Monaten deutlich gelitten hat. Von seinem 52-Wochen-Hoch bei rund 345,70 US-Dollar im September 2025 ist die Aktie auf aktuell etwa 164 US-Dollar gefallen, ein Rückgang von mehr als 50 Prozent. Das klingt brutal. Aber genau hier wird es interessant. Der RSI liegt bei knapp 50, weder Fleisch noch Fisch. Solche Niveaus könnten aber eine richtungsweisende Entscheidungsfindung begünstigen. Der durchschnittliche Analystenkurs liegt bei rund 230 US-Dollar und 80 Prozent aller Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf. Der nächste harte Prüfstein kommt dann wohl am 16. Juni 2026, wenn Oracle die Q4-Zahlen vorlegt. Dort hat das Management bereits starkes Wachstum von 19 bis 21 Prozent beim Umsatz und bis zu 50 Prozent im Cloud-Segment in Aussicht gestellt.
Was tun?
Die Bilanz trägt einen Schuldenberg von über 153 Milliarden US-Dollar, der freie Cashflow ist negativ, und die "Abhängigkeit" von OpenAI bleibt ein Risiko. Wer auf schnelle Gewinne hofft, könnte hier möglicherweise enttäuscht werden, jedoch wer die mittelfristige Perspektive im Blick hat, findet gerade eine interessante Kombination vor, nämlich starkes operatives Wachstum, ein stark korrigierter Kurs, eine klare strategische Vision und eine Bewertung, die unter den Kurszielen der meisten Analysten liegt. Das KI-Infrastrukturgeschäft wächst rasant, die Kundenbasis ist breit, und der Auftragsbestand gibt Sicherheit für die kommenden Jahre. Für langfristig orientierte Anleger mit hoher Risikobereitschaft bietet Oracle auf dem aktuellen Niveau eine nicht zu unterschätzende Einstiegsmöglichkeit. Mit einem klarem Stopp-Loss abgesichert und dem Blick auf die Q4-Zahlen im Juni könnte man eventuell einen Trade riskieren.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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