BERLIN (dpa-AFX) - Mehr als zwei Drittel der Bürgerinnen und Bürger haben den Eindruck, dass der Bundesregierung eine klare Vorstellung fehlt, wie sich Deutschland im Iran-Krieg verhalten soll. In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa für die Zeitschrift "Internationale Politik" antworteten 68 Prozent der Befragten auf eine entsprechende Frage mit Nein. Nur eine Minderheit von 28 Prozent hat den gegenteiligen Eindruck. Forsa hat am 16. und 17. April 1.002 Menschen befragt.
Nur unter den Anhängern der CDU/CSU hat demnach eine knappe Mehrheit von 54 Prozent den Eindruck, dass die Bundesregierung eine klare Vorstellung hat, wie sich Deutschland im Iran-Konflikt positionieren soll. Die Anhänger der mitregierenden SPD (43 Prozent) sehen das mehrheitlich anders - wie in noch stärkerem Maße auch die Anhänger der Oppositionsparteien. Unter AfD-Wählern ist der Anteil jener, die keinen Kurs erkennen können, mit 86 Prozent besonders hoch. Auch 78 Prozent der Linken- und 69 Prozent der Grünen-Anhänger sind dieser Auffassung.
Im Osten Deutschlands ist diese Einschätzung noch stärker ausgeprägt: Nur 17 Prozent haben den Eindruck, die Bundesregierung sei sich über ihren Kurs in dieser Frage im Klaren. 82 Prozent sind gegenteiliger Meinung.
Beim Blick auf die Alterskohorten fällt auf, dass die 18- bis 29-Jährigen mit 76 Prozent besonders stark den Eindruck haben, die Bundesregierung habe keinen klaren Kurs. Der gegenteiligen Meinung sind hier nur 20 Prozent. Bei den Älteren (60 Jahre und älter) sind dagegen "nur" 63 Prozent der Meinung, die Bundesregierung in Berlin habe keine klare Vorstellung. 34 Prozent sehen das in dieser Altersgruppe anders.
Nachdem die USA und Israel am 28. Februar den Iran angriffen hatten, unterstützte Kanzler Friedrich Merz (CDU) das Vorgehen zunächst. In den vergangenen Wochen übte er allerdings immer wieder Kritik vor allem am Vorgehen der USA und warf der Regierung von Präsident Donald Trump Planlosigkeit vor. Bei einer Initiative zum Schutz der für die Tankertransporte von Öl und Gas wichtigen Straße von Hormus übernahmen Frankreich und Großbritannien die Führung. Deutschland hat angeboten, bei der Räumung von Seeminen zu helfen./bk/DP/zb
