
© Foto: von Tawanda Razika auf Pixabay
Microsoft hat im dritten Quartal mal wieder geliefert, sowohl bei Umsatz, Gewinn, KI-Wachstum, alles ist besser als erwartet. Doch wer genauer hinschaut, sieht ein Unternehmen, das enorm viel Geld verbrennt, um an der Spitze zu bleiben. Die KI-Infrastruktur verschlingt Milliarden, weit mehr als ursprünglich geplant. Gleichzeitig schwächelt die Aktie, obwohl die Zahlen stimmen. Der Xbox-Bereich schrumpft, Windows stagniert, und die Konkurrenz schläft nicht. Kann Microsoft den Spagat zwischen Wachstum und explodierenden Kosten dauerhaft stemmen? Und was bedeutet das für Investoren und Anleger? Lesen Sie weiter, die Antwort wird Sie vielleicht überraschen.
Microsoft schlägt alle Erwartungen, jetzt kommt aber der teure Gegenwind
Microsofts drittes Quartal des Geschäftsjahres 2026 lief offensichtlich richtig rund. Der Konzern erzielte einen Umsatz von 82,9 Milliarden US-Dollar. Das sind knapp 18 Prozent mehr als in 2025. Experten hatten mit 81,39 Milliarden US-Dollar spekuliert. Microsoft selbst war noch zurückhaltender. Der Betriebsgewinn legte um 20 Prozent auf 38,4 Milliarden US-Dollar zu. Beim Nettogewinn war es ein Anstieg von 23 Prozent auf 31,8 Milliarden US-Dollar. Das KI-Geschäft wächst dabei so schnell, dass selbst erfahrene Börsianer staunen. Der jährliche KI-Umsatz liegt inzwischen bei 37 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 123 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Cloud-Segment zieht den Wagen, denn der Umsatz stieg hier um 29 Prozent auf 54,5 Milliarden US-Dollar, wobei Azure als stärkster Einzelbereich besonders heraussticht. Doch dieser Boom hat seinen Preis. Microsoft erwartet für das Gesamtjahr Investitionskosten von 190 Milliarden US-Dollar, ursprünglich waren rund 154 Milliarden erwartet worden. Allein 25 Milliarden US-Dollar davon entfallen auf gestiegene Komponentenpreise. Und eins gehört auch zur Wahrheit, denn nicht alles läuft rund: Windows-Lizenzen schrumpften um 2 Prozent, Xbox sogar um 5 Prozent. Zwei Standbeine, die einst zuverlässig Geld brachten, verlieren spürbar an Kraft.
Charttechnik
Die Aktie zeigt ein positives, aber auch gefährliches Bild, was ins Negative ausschlagen könnte. Auf der einen Seite notiert sie noch mit 408 US-Dollar knapp über dem 50-Tage-Durchschnitt, der bei rund 395,75 US-Dollar liegt, das ist ein kleines technisches Plus. Auf der anderen Seite liegt der aktuelle Kurs mit seinen rund 408 US-Dollar deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt, der 468,87 US-Dollar notiert, was mittel- bis langfristig eher trübe Aussichten signalisiert. Das entscheidende Niveau liegt jetzt bei der 400 US-Dollar-Marke. Solange dieser Bereich hält, bleibt Luft nach oben, ein Anstieg in Richtung 450 US-Dollar oder darüber wäre charttechnisch denkbar. Kippt der Kurs jedoch unter 400 US-Dollar und rutscht dann auch noch unter den 50-Tage-Durchschnitt bei 395,75 US-Dollar, würde sich das Bild deutlich eintrüben. Dann wären weitere Verluste gut möglich bis hin zu 350 US-Dollar. Die Aktie steht also vor einer echten Entscheidung. Nach Bekanntgabe der Quartalszahlen schoss der Kurs zunächst nach oben, drehte dann aber ins Minus. Das zeigt: Der Markt ist unsicher. Gute Zahlen allein reichen nicht mehr, um die Anleger zu begeistern.

Was tun?
Microsoft 365 Copilot hat inzwischen 20 Millionen zahlende Nutzer, nach 15 Millionen im Vorquartal. Das ist beeindruckend. Wer auf KI setzt, setzt damit auch auf Microsoft. Die Fundamentaldaten sind solide, das Wachstum real. Gleichzeitig steigen die Kosten massiv, und der Konzern erwartet, dass die Mitarbeiterzahl im kommenden Geschäftsjahr sinken wird, ein Zeichen, dass intern weiter umgebaut wird. Für langfristig orientierte Anleger bleibt Microsoft ein starkes Unternehmen mit echter KI-Substanz. Kurzfristig aber ist Vorsicht angebracht: Die Aktie hängt charttechnisch in der Luft, die Kosten drücken auf die Stimmung, und die Konkurrenz, von Amazon bis Google, schläft nicht. Wer bereits investiert ist, kann halten, aber immer mit Blick auf die 400-US-Dollar-Marke. Wer neu einsteigen will, wartet eventuell besser ab, ob dieser Support hält. Erst dann lässt sich verlässlicher einschätzen, ob der nächste Aufwärtszug wirklich Fahrt aufnimmt.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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