
© Foto: Daniil Komov auf Pexels (Symbolbild)
Wer auf Palantir gesetzt hat, durfte zuletzt aufatmen. Der KI- und Datenspezialist legte Zahlen vor, die selbst die strengsten Analysten überraschten. 85 Prozent Umsatzwachstum, ein vervierfachter Gewinn, eine angehobene Jahresprognose, das klingt nach einer Erfolgsstory ohne Makel. Doch die Aktie reagierte merkwürdig verhalten. Kein Jubel, kein Kursfeuerwerk. Stattdessen Zögern und Unsicherheit. Warum? Die Bewertung des Unternehmens ist nach wie vor gelinde gesagt "sportlich", manche sagen schlicht: zu teuer. Gleichzeitig zeigt die Charttechnik ein interessantes Bild mit Chancen, aber auch Risiken. Was also tun? Kaufen, halten oder lieber die Finger davon lassen? Ein nüchterner Blick auf Zahlen, Chart und die Perspektive.
Quartalszahlen: Palantir überrascht auf ganzer Linie
Die Erwartungen waren hoch, und Palantir hat sie übertroffen. Im ersten Quartal 2026 steigerte das Unternehmen seinen Umsatz auf 1,63 Milliarden US-Dollar. Analysten hatten 1,54 Milliarden erwartet. Das Wachstum gegenüber dem Vorjahr liegt bei 85 Prozent. Für ein Unternehmen dieser Größe ist das schon gut. Der bereinigte Gewinn je Aktie kletterte auf 33 Cent, erwartet waren 28 Cent. Der Nettogewinn hat sich sogar mehr als vervierfacht und liegt bei 871 Millionen US-Dollar. CEO Alex Karp ließ die Zahlen für sich sprechen und legte noch eins drauf. Er hob die Jahresprognose an. Statt 7,18 bis 7,20 Milliarden US-Dollar rechnet er nun mit 7,65 bis 7,66 Milliarden US-Dollar Umsatz für das Gesamtjahr. Auch der freie Cashflow soll höher ausfallen als bisher geplant. Für das zweite Quartal stellt Karp 1,8 Milliarden US-Dollar in Aussicht, Analysten hatten nur 1,68 Milliarden auf dem Zettel. Das Wachstum kommt vor allem aus den USA. Das amerikanische Geschäft hat sich gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Besonders der kommerzielle Bereich legte mit einem Plus von 133 Prozent stark zu. Auch das Regierungsgeschäft wuchs kräftig, um 84 Prozent auf 687 Millionen US-Dollar. Die Software von Palantir läuft unter anderem beim Pentagon und beim Heimatschutzministerium. Karp sagte, die Nachfrage in den USA sei aktuell so groß, dass Palantir kaum hinterherkomme. Das klingt vielversprechend.

Charttechnik
Die Aktie notiert aktuell bei rund 146 US-Dollar. Seit Jahresbeginn hat sie ein paar Prozent verloren. Das zeigt aber auch, wie hoch die Messlatte für Palantir liegt. Charttechnisch ist das Bild jedoch nicht hoffnungslos. Im Februar und April bildete die Aktie bei rund 120 - 125 US-Dollar einen Doppelboden aus. Das ist ein erstes positives Signal. Seitdem kämpft der Kurs sich zurück. Aktuell kämpft der Kurs mit dem 50er SMA, der ebenfalls bei um die 146 US-Dollar liegt. Gelingt der Sprung darüber, dürfte als nächstes Ziel der 200er SMA bei ca. 164 US-Dollar sein. Schafft es die Aktie über diese Marke, dann ist der Weg zu den alten Hochs geebnet. Zuvor steht die Aktie vor einer wichtigen Zone. Zwischen 153 und 155 US-Dollar ballen sich mehrere Widerstände. Schafft die Aktie dort den Ausbruch, wäre das nächste Ziel bei rund 162 US-Dollar und danach dann die 164 US-Dollar vom 200er SMA. Ein Durchbruch über diese Marke würde den Bären endgültig den Wind aus den Segeln nehmen. Dreht der Kurs hingegen nach unten und fällt wieder unter 141 US-Dollar, ist Vorsicht geboten. Dann könnten neue Jahrestiefs schnell in den Blick rücken. Entwarnung gibt es trotz der top Zahlen noch nicht.
Was tun?
Palantir hat geliefert. Die Zahlen sind stark, die Prognose überzeugend, das Geschäftsmodell funktioniert. Gleichzeitig sollte man die Bewertung nicht ignorieren. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt je nach Berechnung bei über 100, das ist kein Schnäppchen. Auch ein paar Analysten sehen den fairen Wert deutlich unter dem aktuellen Kurs. Charttechnisch fehlt noch der klare Befreiungsschlag. Die Zone um 155 US-Dollar ist erstmal entscheidend. Erst ein überzeugender Ausbruch darüber und dann bei 164 US-Dollar würde frisches Momentum bringen. Für Neueinsteiger gilt daher: vielleicht besser abwarten und die kommenden Reaktion und den Verlauf in den nächsten Tagen genau beobachten. Wer bereits investiert ist, kann die Position halten, aber enge Stopps sind bei dieser Bewertung wahrscheinlich kein Fehler.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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