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Angesichts hoher Energiepreise, Düngemittelknappheit und einem El-Nino-Jahr ist mit explodierenden Agrarrohstoffpreisen zu rechnen. Sonderkonjunktur für ADM!
Anleger feiern, doch es zeichnen sich bereits die nächsten Probleme ab
An ebenso weit- wie folgenreichen Krisen hat es dem Aktienmarkt in den vergangenen Jahren nicht gefehlt. Nach dem Bärenmarkt 2022 sorgten vor allem der Zoll-Crash im vergangenen Jahr sowie der Iran-Krieg in diesem Jahr für Verunsicherung unter Investoren und starke Kursverluste.
Mit Blick auf die Kurstafeln scheint die Welt jedoch bereits wieder in Ordnung, zahlreiche Aktienindizes, allen voran technologielastige Börsenbarometer wie der Nasdaq 100, der japanische Nikkei und der südkoreanische KOSPI jagen seit Wochen von einem Allzeithoch zum nächsten. Der Markt wird von einer neuen Welle der KI-Euphorie erfasst.

In der Landwirtschaft bahnt sich eine neue Krise an
Zusätzliches Öl ins Kursfeuer gießen einerseits starke Quartalszahlen sowie die vorsichtige Entspannung im Nahostkonflikt, von der sich Anlegerinnen und Anleger sinkende Energiepreise und fallende Inflations- und damit auch Zinserwartungen erhoffen.
Doch genau diese Hoffnungen könnten schon sehr bald an der Realität zerschellen, denn steigende Energiepreise sind bei weitem nicht die einzige Folge, welche der Iran-Krieg hervorgerufen hat. Die Probleme ziehen sich inzwischen durch die Lieferketten vieler Branchen.
Vor allem mit Blick auf die Landwirtschaft wird die seit Wochen anhaltende Sperrung der Straße von Hormus unterschätzt. Hier braut sich bereits die nächste Mega-Krise und Gegenwind für die globalen Aktienmärkte zusammen - mit Archer-Daniels-Midland, kurz ADM, dürfte jedoch ein Unternehmen als Krisengewinner hervorgehen. Die Aktie bietet jetzt ein spannendes Setup.
Archer-Daniels-Midland dürfte wie schon 2022 stark profitieren
ADM ist einer der weltweit größten Händler und Verarbeiter von Agrarrohstoffen. Aktiv ist der Konzern vor allem im Bereich Weizen, Soja und Ölsaaten sowie Biokraftstoffen.
Für seine Verarbeitungsdienstleistungen erhält das Unternehmen eine Beteiligung, die sich am Umsatz orientiert. Damit bieten steigende Preise für Agrarrohstoffe einen operativen Hebel auf die Ertragslage - eine Entwicklung, von der AMD bereits während des Ukraine-Krieges profitiert hat.
Nach Preisrückgängen in den vergangenen Jahren dürfte der Markt für Agrarrohstoffe nun für einer neuen Kursexplosion stehen. Hierfür sind die stark gestiegenen Energiepreise, die bis zu 40 Prozent der Gesamtkosten von Lebensmitteln ausmachen, wenn neben dem Anbau auch die Logistik berücksichtigt wird, nur ein Grund.
Ein weiterer sind die zuletzt stark gestiegenen Düngemittelpreise, denn die Straße von Hormus ist hierfür ebenfalls eine bedeutende Transportroute. Bei Vorprodukten wie Phosphat, Ammoniak und Schwefel kommen die Golfstaaten auf einen Weltmarktanteil von bis zu 40 Prozent. Seit dem Kriegsbeginn sind die Preise für Dünger um bis zu 85 Prozent gestiegen - eine Last, welche von vielen finanziell ohnehin angeschlagenen US-Landwirten kaum bewältigt werden kann. Ganz zu schweigen von Agrarwirten in weniger entwickelten Teilen der Welt.
Agrarrohstoffe vor Preisexplosion
Agrarverbände stellen sich daher auf Düngezurückhaltung und geringere Erntemengen ein. Diese Lage dürfte zusätzlich verschärft werden durch die Gefahr eines sogenannten Super-El-Ninos. Dessen Wahrscheinlichkeit ist nach Prognosemodellen in den vergangenen Wochen stark gestiegen. Damit dürfte 2026 von einer Häufung von Extremwetterereignissen geprägt sein.
Üblicherweise zeichnet sich das periodisch auftretende Wetterphänomen durch Hitze und Dürre in wichtigen Anbauregionen wie dem Amazonas-Becken (Zucker, Soja), dem Mittleren Westen der USA (Baumwolle, Mais, Weizen) und Westafrika (Kakao, Kaffee) aus. Damit steht der Markt für Agrarrohstoffe vor einer Dreifachbelastung.
In den vergangenen Wochen haben die Preise für einzelne Rohstoffe bereits stark angezogen. Weizen und Soja notieren gegenüber dem Stand vor einem Jahr mit Aufschlägen von rund 16 Prozent, bei Baumwolle sind es bereits 17 Prozent. Kaffee und Kakao handeln nach einem Crash zwar noch mit hohen Abschlägen, doch hier startete zuletzt eine steile Erholung.

Gewinnprognose schon jetzt deutlich angehoben
Für ADM zeichnet sich damit eine neue Sonderkonjunktur ab. Diese Erwartung hat das Management in der Bilanzpressekonferenz am Dienstag bestätigt. Nach einem starken Jahresauftakt hob der Konzern seinen Gewinnausblick für das Gesamtjahr dramatisch von 3,93 auf 4,43 US-Dollar je Aktie an, welche daraufhin nach einer in den vergangenen Monaten starken Rallye um weitere 3,8 Prozent zulegte.
Hier liegt ein klarer Aufwärtstrend vor, der sich jetzt sogar verschärfen könnte, wenn der Aktie der Sprung über den Widerstand bei 80 US-Dollar gelingt. Hierfür liefern die technischen Indikatoren, welche die Trendwende zunächst mit bullishen Divergenzen angekündigt hat und den Aufwärtstrend der Aktie jetzt mit eigenen Aufwärtstrends bestätigen, ein starkes Indiz.
In diesem Fall könnte ADM mittelfristig seine auf dem Höhepunkt des Ukraine-Krieges erzielten Allzeithochs egalisieren. Sollten sich die Käuferinnen und Käufer hierfür noch etwas Zeit lassen, böte der Unterstützungsbereich um 70 US-Dollar eine attraktive Einstiegschance.
Aktie könnte vor dauerhafter Neubewertung stehen
Mit Blick auf die Unternehmensbewertung sind höhere Notierungen mühelos zu vertreten. Das KGVe 2026 von 17,8 liegt zwar deutlich über dem 5-Jahres-Mittel von 12,7. Allerdings ist das Geschäft stark zyklisch, steigende Rohstoffpreise würden die Margen rasch ansteigen lassen und so zu einer Komprimierung der Bewertungsvielfachen führen.
Darüber hinaus bietet das Unternehmen mit rund 2,7 Prozent eine attraktive Dividendenrendite. Erhöht ADM noch ein weiteres Mal, steigt die Aktie angesichts von 25 Jahren Erhöhungen in Folge außerdem in den Kreis der Dividendenaristokraten auf. Das würde sie für die Aufnahme in entsprechende ETFs qualifizieren und könnte für zusätzlichen Kaufdruck sowie die Akzeptanz dauerhaft höherer Bewertungsvielfache sorgen.
Schon jetzt attraktiv bewertet ist ADM vor allem beim Kurs-Buch-Verhältnis, wo mit knapp 1,7 gegenüber dem Branchendurchschnitt ein Abschlag von 27 Prozent herrscht. Außerdem bietet das Unternehmen eine hohe Cashflow-Rendite von über 9 Prozent. Aus der wird neben der Dividende auch der Abbau von Schulden gestemmt.
Fazit: Aussichtsreiche Krisenvorsorge
Während Anlegerinnen und Anleger den Iran-Krieg faktisch für beendet halten und sich auf sinkende Energiepreise und nachlassenden Inflations- und Zinsdruck einstellen, lauert am Markt für Agrarrohstoffe die nächste Krise und der nächste Preisschock, denn hier beginnen sich die Auswirkungen des Krieges gerade erst entlang der Lieferkette niederzuschlagen.
Während dieses Szenario zu Abwärtsdruck an den überhitzten Aktienmärkten führen dürfte, bietet der Rohstoffhändler und -verarbeiter Archer-Daniels-Midland eine spannende Chance.
Er profitiert unmittelbar von steigenden Preisen, während die in einem Aufwärtstrend notierende Aktie trotz der bereits starken Kursgewinne noch immer moderat bewertet ist. Wer Krisenvorsorge sucht, wird hier fündig und kann sich die Aktie auch als Dividendenzahler als defensive Beimischung ins Depot legen.
Gastautor: Max Gross

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