
© Foto: 2026 TUI
Noch vor wenigen Wochen war die Stimmung rund um die TUI-Aktie auf oder Nahe dem Tiefpunkt. Geopolitische Spannungen im Nahen Osten, teure Umwege um den afrikanischen Kontinent und gestrichene Kreuzfahrten, der Konzern kämpfte an mehreren Fronten gleichzeitig. TUI dreht den Spieß aber gerade um. Die Kreuzfahrtschiffe sind zurück im Einsatz, die Buchungszahlen steigen, und der Kurs hat möglicherweise bereits seinen Boden gefunden. Wenn jetzt auch noch Entspannung aus dem Iran-Konflikt kommt, könnte das die Zündung für den nächsten Sprung nach oben sein. Was steckt wirklich hinter dieser Erholung? Und hat die Aktie tatsächlich das Zeug, noch deutlich höher zu laufen? Ein Blick auf die Zahlen, den Chart und die aktuelle Lage zeigt, dass mehr dahintersteckt, als es auf den ersten Blick scheint.
Teure Krise, und trotzdem wieder auf Kurs
Sieben Wochen lang mussten die Kreuzfahrtschiffe Mein Schiff 4 und Mein Schiff 5 den langen Weg um Afrika nehmen, weil die Straße von Hormuz blockiert war. Rund 5.000 Passagiere wurden kurzfristig ausgeflogen, und die Mehrkosten summierten sich auf etwa 40 Millionen Euro. Das hat sicherlich Spuren hinterlassen. TUI hat seine Jahresziele nach unten angepasst. Das bereinigte operative Ergebnis für 2026 soll nun zwischen 1,1 und 1,4 Milliarden Euro liegen, ursprünglich war mehr geplant. Trotzdem: Die Reaktion des Konzerns war schnell und konsequent. Der Betrieb im Persischen Golf wurde wieder aufgenommen, ab Mitte Mai legen die Schiffe von Triest und Heraklion ab. Strategisch zieht sich TUI aus risikoreichen Gewässern zurück und setzt verstärkt auf Europa und die Kanarischen Inseln. Die geplante Orient-Route der Mein Schiff Flow im Winter 2026/27 wurde komplett gestrichen. Das kostet Einnahmen, schützt aber vor der nächsten Überraschung. Auf der anderen Seite laufen die Zahlen besser als gedacht. Im Winterquartal kletterte der Umsatz auf 4,1 Milliarden Euro, das operative Ergebnis verdoppelte sich gegenüber dem Vorjahr. Die Jahresprognose beim Umsatz wurde sogar angehoben. Die Buchungen liegen rund zehn Prozent über dem Vorjahresniveau, besonders Spanien, Griechenland, die Türkei und Ägypten sind gefragt.

Charttechnik
Bei rund 6,05 bis 6,20 Euro hat die TUI-Aktie einen Boden gebildet - so sieht es zumindest aus jetziger Sicht aus. Von dort aus hat sie sich spürbar erholt, ein Muster, das Chartisten bereits aus dem Sommer 2025 kennen. Damals folgte auf einen ähnlichen Tiefpunkt ein steiler Anstieg. Aktuell pendelt der Kurs um die 6,80 Euro. Die nächsten Widerstände liegen beim 50er SMA um 6,99 Euro sowie in der Zone 7,40 bis 7,60 Euro. Gelingt der Durchbruch, rücken Kurse von 7,80 oder sogar 8,00 Euro in Reichweite. Technische Indikatoren wie der RSI haben aus dem überverkauften Bereich nach oben gedreht und senden damit ein erstes Kaufsignal. Der RSI liegt bei rund 42, hat die entscheidende 50er-Marke aber noch nicht überwunden. Sollte die aktuelle Unterstützungszone bei ca. 6,40 - 6,50 Euro dagegen brechen, droht ein Rückfall in Richtung 6,00 oder sogar 5,50 Euro. Das bleibt das Risikoszenario.
Was tun?
Die Zahlen aus dem Winterquartal waren stark, die Buchungslage für den Sommer stimmt positiv. Charttechnisch hat die Aktie bei gut 6 Euro einen Boden gefunden und nach oben gedreht. Eine Fortsetzung der Erholung Richtung 7,50 oder 8,00 Euro ist durchaus möglich, wenn der Gegenwind weiter nachlässt. Und genau das könnte passieren: Sollten die Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA konkrete Fortschritte machen, fiele damit einer der größten Belastungsfaktoren der vergangenen Monate weg. Für mutige Anleger mit etwas Risikobereitschaft bietet die Aktie auf dem aktuellen Niveau eine interessante Ausgangslage. Wichtig bleibt die Absicherung: Ein Stopp knapp unterhalb der 6-Euro-Marke begrenzt das Verlustrisiko überschaubar. Am 13. Mai werden die Halbjahreszahlen präsentiert, spätestens dann zeigt sich, wie viel Substanz hinter der aktuellen Erholung steckt.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
Haftungsausschluss/Disclaimer
Die hier angebotenen Artikel dienen ausschließlich der Information und stellen keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar. Sie sind weder explizit noch implizit als Zusicherung einer bestimmten Kursentwicklung der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren birgt Risiken, die zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals und - je nach Art des Investments - sogar zu darüber hinausgehenden Verpflichtungen, bspw. Nachschusspflichten, führen können. Die Informationen ersetzen keine auf die individuellen Bedürfnisse ausgerichtete fachkundige Anlageberatung. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden wird weder ausdrücklich noch stillschweigend übernommen. Finanznachrichten.de hat auf die veröffentlichten Inhalte keinerlei Einfluss. Finanznachrichten.de hat bis zur Veröffentlichung der Artikel keine Kenntnis über Inhalt und Gegenstand der Artikel. Die Veröffentlichungen erfolgen durch externe Autoren bzw. Datenlieferanten. Infolgedessen können die Inhalte der Artikel auch nicht von Anlageinteressen von Finanznachrichten.de und/oder seinen Mitarbeitern oder Organen bestimmt sein.




