
© Foto: KI-generiertes Symbolbild (ChatGPT).
Die Aktie des Speicherchip-Herstellers SanDisk kannten in den vergangenen Monaten nur eine Richtung. Jetzt zeichnet sich ein Ende der steilen Rallye ab.
Halbleiter-Aktien: Täglich neue Kursrekorde
Halbleiteraktien kannten in den vergangenen Wochen und Monaten kaum ein Halten mehr. Zwar sorgte der Ausbruch des Iran-Krieges zwischenzeitlich für einen empfindlichen Rückschlag, doch starke Quartalszahlen und der Ausblick auf noch höhere Investitionsausgaben von Hyperscalern wie Amazon, Meta Platforms und Microsoft beflügelte die Euphorie der Anlegerinnen und Anleger.
Während sich der Halbleiterindex Philadelphia Semiconductor ausgehend von seinem Tief vor 5 Wochen um mehr als 50 Prozent verteuern konnte, gelangen ausgewählten Einzelwerten wie AMD noch höhere Gewinne. Der lange als KI-Verlierer abgeschriebene Rivale Intel hat sich sogar mehr als verdoppelt.

Speicherchip-Werte besonders gefragt - SanDisk wie Nvidia zu seinen besten Zeiten
Die unumstrittenen Stars der Branche sind gegenwärtig jedoch Speicherchiphersteller. Während der Philadelphia Semiconductor Index gegenüber dem Stand vor einem Jahr knapp 152 Prozent zugelegt hat, gelangen Werten wie SanDisk, Seagate und Western Digital Kursanstiege von mehreren Tausend Prozent. Investoren hatten den Bedarf an Speicherchips, egal ob Masse- oder Arbeitsspeicher, für Inferenzberechnungen massiv unterschätzt.
In den vergangenen zwei Tagen legten die ersten Aktien aus der Speichernische den Rückwärtsgang ein. Ein Pullback war aus technischer Perspektive längst überfällig geworden. Offen ist jetzt die Frage, ob es sich nur um einen temporären Rücksetzer oder den Beginn des Abverkaufs der Fahnenstangen handelt.

Eine Tempoverschärfung nach der anderen ...
Gegenüber dem Jahresauftakt hat sich die Aktie von SanDisk als dem aktuellen Highflyer der Speicherchip-Branche um 464 Prozent verteuert. Gegenüber dem Stand vor einem Jahr steht ein Plus von sagenhaften 3.555 Prozent zu Buche. Das sind Kurswertsteigerungen, wie sie zuletzt auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase zu beobachten waren. Allerdings: Völlig aus der Luft gegriffen ist der Kursanstieg bei SanDisk nicht, denn schon das Quartalsergebnis zum ersten Quartal fiel so gut aus, dass das Unternehmen den von Analystinnen und Analysten für das gesamte Jahr vorgesehenen Gewinn nach nur 3 Monaten erwirtschaftet hatte.
Da Rücksetzer immer wieder sofort gekauft wurden und die Aktie aus jeder Zwischenkonsolidierung gestärkt hervorgehen konnte, beschleunigte sich der Aufwärtstrend allein in den vergangenen Monaten gleich 3 Mal. Am Mittwoch gelang der Aktie sogar der zwischenzeitliche Ausbruch aus dem ohnehin schon steilen Aufwärtstrend der letzten Wochen, der ausgehend vom Korrekturtief für einen Anstieg um fast 150 Prozent gesorgt hatte. Diese Tempoverschärfung konnte jedoch nicht behauptet werden, SanDisk legte anschließend den Rückwärtsgang ein.
... doch jetzt könnte das Ende der Fahnenstange erreicht sein
In diesem könnte sie vorerst bleiben, denn im Relative-Stärke-Index (RSI) liegen inzwischen ausgeprägte bearishe Divergenzen vor. Zwar ist die Aktie in den vergangenen Wochen von einem Hoch zum nächsten geschossen, doch die Rekordjagd konnte nicht durch neue Hochs im RSI bestätigt werden. Diese Bestätigung gelang zwar im Trendstärkeindikator MACD, trotzdem sind die jüngsten Rekordnotierungen technisch unvollständig. Das ist in der technischen Analyse als Vorbote von Trendwenden zu bewerten.
Der Verdacht einer Trendumkehr wird außerdem dadurch erhärtet, dass die Aktie zuletzt massiv überkauft war. Auf Tagesbasis wirkt der RSI-Wert von 81 am Mittwoch zwar moderat, doch auf Wochen- und Monatsbasis liegen RSI-Werte von 87 und 98 vor. Das sind Niveaus, wie man sie sonst nur unmittelbar vor dem Platzen von Spekulationsblasen kennt. Dass die Aktie zuletzt außerdem auf allen relevanten Zeitebenen außerhalb ihrer Bollinger-Bänder (nicht eingezeichnet) handelte, ist ein weiteres Warnsignal.
Die Abwärtsrisiken sind selbst kurzfristig gewaltig
Unmittelbare Korrekturgefahr besteht zunächst bis an die Unterkante des aktuellen Aufwärtstrendkanals bei rund 1.100 US-Dollar. Hier könnte dann der Beginn einer weiteren Anstiegsbewegung starten. Ebenfalls einzuplanen ist mit Blick auf die technische Überhitzung ein weiterer Test der 50-Tage-Linie. Selbst ein Rücksetzer bis in den Bereich zwischen 385 und 500 US-Dollar würde den übergeordneten Aufwärtstrend der Aktie nicht gefährden. Das verdeutlicht, wie dynamisch die Rallye hier zuletzt verlaufen ist.
Mit Blick auf die Oberseite hat SanDisk das Momentum auf seiner Seite, erst recht in einem Umfeld, wo Stärke schon fast manisch gekauft und Schwäche dagegen brutal abverkauft wird (was vor allem die immer höheren Kursausschläge nach Quartalszahlen beweisen). Ein Pullback ist daher keineswegs ausgemacht, die Aktie könnte sich jederzeit auch auf neue Allzeithochs verteuern - allerdings dürfte die zukünftige Fallhöhe aufgrund des auch übergeordnet bereits weit fortgeschrittenen Aufwärtstrends damit nur noch größer werden.
Fazit: Wer will, bleibt drin - aber bloß nicht mehr einsteigen!
Bei der Aktie von Speicherchip-Hersteller wächst die Pullback-Gefahr angesichts einer Rallye von mehreren Tausend Prozent in den vergangenen 12 Monaten täglich. Erste Anzeichen für eine charttechnische Umkehr liegen bereits vor, wenngleich noch kein Trendbruch zu erkennen ist. Das bedeutet für bereits investierte Anlegerinnen und Anleger, hier noch an Bord bleiben zu können, auch wenn erste Gewinnmitnahmen nicht verkehrt wären.
Wer den Zug verpasst hat, sollte allerdings nicht mehr aufspringen. Hierfür ist der Zug schon lange abgefahren. Gerade auf Wochen- und Monatsbasis besteht kaum noch Spielraum zur Oberseite. Wer aus Angst etwas zu verpassen das Gefühl hat, den nächsten Pullback kaufen zu müssen, sollte sich wenigstens mit einem Trailing-Stopp absichern. Zum Breaking-Punkt für SanDisk beziehungsweise die gesamte Speicherchip-Branche dürfte werden, wenn sich für den aktuellen Zyklus ein Margenhoch abzeichnet.
Gastautor: Max Gross

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