
© Foto: Gerd Altmann auf Pixabay (Symbolbild)
AMD hat geliefert. Wirklich geliefert. Umsätze auf Rekordniveau, ein Datencenter-Geschäft, das förmlich explodiert, und ein Ausblick, der einige mit einem offenen Mund zurücklässt. Vor staunen und ungläubig blickend. So ist es auch kein Wunder, dass die Aktie seit Jahresbeginn um über 90 Prozent nach oben geschossen ist. Große Namen der Wall Street, Goldman Sachs, Barclays, Bank of America, haben ihre Kursziele massiv angehoben. Die Geschichte klingt verlockend. Aber genau hier wird es interessant, denn hinter dem glänzenden Schaufenster lauert ein Chart, der schon seit Wochen überkauft ist. Der RSI sendet klare Signale. Wer hier unvorbereitet einsteigt, kann teuer bezahlen. Was also tun und wann es tun?
AMD explodiert! Aber wer jetzt kauft, könnte sich die Finger verbrennen
Das Rechenzentrum ist das neue Herzstück von AMD. Im ersten Quartal 2026 wuchs dieses Segment um über 57 Prozent. Damit wurden die Erwartungen der Analysten übertroffen. Der Gesamtumsatz lag bei 10,25 Milliarden US-Dollar. Gerechnet wurden mit knapp 9,9 Milliarden. Der bereinigte Gewinn je Aktie kam mit 1,37 US-Dollar rein. Hier lagen die Schätzungen ebenfalls darunter. Dazu kommt ein Ausblick für das zweite Quartal von 11,2 Milliarden US-Dollar, rund 700 Millionen mehr als erwartet. Diese Zahlen sind nicht nur solide, sondern sie sind außergewöhnlich. Was steckt dahinter? AMD profitiert direkt vom weltweiten Boom in der KI-Infrastruktur. Die EPYC-Serverprozessoren sind gefragt wie nie, die Instinct-GPUs gewinnen Marktanteile, und AMD liefert beides aus einer Hand. Hinzu kommen Megadeals. So z. B. mit Meta Platforms. Hier soll AMD über fünf Jahre bis zu 60 Milliarden US-Dollar an KI-Chips liefern. Auch eine Vereinbarung mit OpenAI wurde bekannt. CEO Lisa Su erhöhte zudem die langfristige Marktprognose drastisch, der adressierbare Markt für Server-CPUs soll bis 2030 auf über 120 Milliarden US-Dollar anwachsen. Im November lag die eigene Schätzung noch bei 60 Milliarden. Das ist kein Update, sondern das ist eine völlig neue Story. Trotzdem gibt es auch Schattenseiten. AMD ist vollständig auf TSMC als Fertigungspartner angewiesen, eine strukturelle Abhängigkeit, die bei steigender Nachfrage zum Problem werden kann. Das Gaming-Segment schwächelt, und in der zweiten Jahreshälfte erwartet das Unternehmen dort einen Rückgang von mehr als 20 Prozent. Auch der PC-Markt macht Druck durch steigende Speicherpreise.

Charttechnik
Die AMD-Aktie hat in wenigen Wochen einen der stärksten Läufe ihrer Geschichte hingelegt. Allein seit Ende März legte sie rund 85 Prozent zu. Das Papier hat eine hartnäckige Keilformation nach oben aufgelöst und neue Hochs markiert. Aber der RSI ist stark überkauft. Der Wert liegt bei 88! Außerdem hat der Cathie Woods ARK Invest bereits dreimal in Folge AMD-Aktien verkauft und dabei Kapital in spezialisierte KI-Werte wie Tempus AI umgeschichtet. Das ist ein Zeichen, dass vielleicht nach oben hin schon bald Schluss sein könnte. Gewinnmitnahmen setzen ein, die Luft wird dünner. Saisonal ist AMD zwischen Mai und Juli historisch schwach, die Trefferquote für steigende Kurse liegt in Zwischenwahljahren laut Daten nur bei rund 18 Prozent. Das durchschnittliche Analystenkursziel lag vor den Zahlen noch bei rund 308 US-Dollar, die Aktie notierte zwischenzeitlich bei über 430 US-Dollar. Der Markt hat sehr viel Optimismus eingepreist. Rücksetzer sind nicht auszuschließen und daher schon eher wahrscheinlich.
Was tun?
AMD ist fundamental stark. Die Quartalszahlen waren top, die langfristige Wachstumsstory rund um KI-Infrastruktur ist intakt, und namhafte Häuser wie Goldman Sachs, Barclays und Bank of America sehen das neue Kursziel bei 450 bis 500 US-Dollar. Aber der Chart zeigt auch deutlich: Jetzt sofort einzusteigen wäre unklug. Die Aktie ist überhitzt, der RSI schlägt Alarm, und erste große Investoren nehmen Gewinne mit. Wer AMD kaufen möchte, sollte Zeit mitbringen. Abwarten, bis sich eine Korrektur vollzogen hat, eine Bodenbildung erkennbar ist, und dann mit besonnener, ruhiger Hand einsteigen. Die Story ist gut. Der Zeitpunkt aber wahrscheinlich noch nicht.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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