DJ KONJUNKTUR IM BLICK/US-Inflation steigt und Kevin Warsh übernimmt
Von Hans Bentzien
DOW JONES--Der Nahost-Konflikt mit Sperrung der Straße von Hormus und Blockade von 20 Prozent der weltweiten Öllieferungen sowie 30 Prozent der LNG-Lieferungen ist demnächst beendet - und das seit Wochen. US-Präsident Donald Trump, der das verspricht, tritt in der vor uns liegenden Woche die wahrscheinlich wichtigste Dienstreise seiner zweiten Amtszeit an, wenn er sich am Donnerstag auf den Weg nach China macht, um sich mit Staatschef Xi Jinping zu treffen. Einen Tag später übernimmt Kevin Warsh den Posten des Fed-Chairman - ein Mann, der nach eigenem Bekunden den Leitzins senken, die Fed-Bilanz verkleinern und ansonsten nicht so viel reden will. Daneben stehen in der vor uns liegenden Woche US-Verbraucherpreiszahlen und die ZEW-Konjunkturerwartungen auf dem Kalender.
US-Präsident Trump reist nach China
Welche konkreten Ergebnisse die Reise von Trump nach China bringen wird, lässt sich noch nicht absehen. Ein Meilenstein wäre alleine die Tatsache, dass diese Reise (am Donnerstag und Freitag) stattfindet, nachdem sie im März wegen des Iran-Kriegs verschoben worden war. Die Weltmacht USA und das sie wirtschaftlich wie militärisch herausfordernde China haben Konflikte an vielen Fronten - von der Ukraine über den Iran und die Handelspolitik bis hin zum Kampf um die Vormachtstellung bei der Künstlichen Intelligenz (KI). In Sachen KI zeichnete sich zuletzt etwas Bewegung ab. Offenbar wollen sich beide Länder auf bestimmte Leitplanken verständigen, um zu verhindern, dass Probleme auf diesem Gebiet zu einem ernsthaften Konflikt ausarten. Ein Diskussionspunkt dürfte außerdem der Außenhandel sein. Analysten rechnen damit, dass der seit vergangenem Jahr herrschende "Waffenstillstand" verlängert wird.
Kevin Warsh tritt Position als Fed-Chairman an
Kevin Warsh tritt am Freitag sein Amt als Fed-Chairman an. Er löst Jerome Powell ab, dessen Amtszeit als Fed-Gouverneur noch bis 2028 läuft. Auswirkungen dürfte der Amtsantritt Warshs zunächst keine haben. Die nächste FOMC-Sitzung steht erst am 16./17. Juni an, und vorerst sind auf der Website der Fed keine Redetermine vermerkt. Und vielleicht wird "der Neue" auch gar nicht so viele Reden halten? Jedenfalls hat er schon zu Protokoll gegeben, dass Fed-Gouverneure seiner Meinung nach zu viel reden. Die Kommunikation der Zentralbank ist nach Einschätzung von Analysten das Einzige, an dem Warsh kurzfristig etwas ändern könnte. Zu den von der Wall Street ersehnten Zinssenkungen dürfte es dagegen vorerst nicht kommen. Dagegen sprechen sowohl die Inflation als auch das sich derzeit abzeichnende Meinungsbild im Offenmarktausschuss FOMC.
US-Inflationsdruck nimmt im April zu
Der Inflationsdruck in den USA dürfte sich im April erhöht haben. Analysten rechnen laut Factset-Konsens damit, dass die Verbraucherpreise gegenüber dem Vormonat um 0,6 Prozent gestiegen sind und um 3,9 (März: 3,3) Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats lagen. Für die Kernverbraucherpreise werden Zuwachsraten von 0,4 und 2,7 (2,6) Prozent prognostiziert. Damit bewegt sich die Inflation aus Sicht der Fed in die falsche Richtung. Für die Notenbank dürfte auch die Entwicklung der Erzeugerpreise von Interesse sein, die am nächsten Tag veröffentlicht werden, weil einige Teile dieses Index in den Preisindex der persönlichen Konsumausgaben (PCE-Deflator) eingehen. Hier wird sowohl für den Gesamt- als auch für den Kernindex mit einem monatlichen Anstieg von 0,3 Prozent gerechnet.
Die Verbraucherpreiszahlen werden am Dienstag (14.30 Uhr) veröffentlicht, die zu den Erzeugerpreisen am Mittwoch (14.30 Uhr) und die zu den Importpreisen am Donnerstag zur selben Zeit. Weitere wichtige Veröffentlichungen betreffen die Einzelhandelsumsätze (Donnerstag, 14.30 Uhr) und die Industrieproduktion (Freitag, 15.15 Uhr). Auch aus Europa sind Daten zu erwarten.
ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland sinken im Mai
Die Meinung von Investoren zu den Konjunkturaussichten Deutschlands dürften sich im Mai kaum verbessert haben. Von Dow Jones Newswires befragte Analysten rechnen damit, dass der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erhobene Index der Konjunkturerwartungen auf minus 20,5 (April: minus 17,2) Punkte zurückgegangen ist. Interessant wird der Vergleich mit den Ergebnissen der Sentix-Umfrage sein, die ebenfalls einen Rückgang der Konjunkturerwartungen gezeigt hatte. Allerdings dürfte die ZEW-Umfrage unter dem Einfluss eines zumindest vorübergehenden Ölpreisrückgangs gestanden haben. Das ZEW veröffentlicht die Zahlen am Dienstag (11.00 Uhr).
Eurostat bestätigt Anstieg Euroraum-BIP um 0,1 Prozent
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Euroraums ist laut einer ersten Schätzung gegenüber dem Vorquartal um 0,1 Prozent gestiegen - das war etwas weniger als erwartet (0,2 Prozent), obwohl Deutschlands Wachstum - 0,3 Prozent gegenüber prognostizierten 0,2 Prozent - etwas stärker als erwartet ausgefallen war. Gleichwohl rechnen Analysten damit, dass Eurostat die Ergebnisse der Vorabschätzung (Mittwoch, 11.00 Uhr) bestätigen wird. Veröffentlicht werden außerdem Zahlen zur Entwicklung der Beschäftigung im ersten Quartal.
Sonstige wichtige Daten sind die chinesischen Verbraucherpreise (Montag, 3.30 Uhr) und das britische Bruttoinlandsprodukt für das erste Quartal (Donnerstag, 8.00 Uhr).
Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com
DJG/hab/apo/mgo
(END) Dow Jones Newswires
May 08, 2026 09:36 ET (13:36 GMT)
DJ KONJUNKTUR IM BLICK/US-Inflation steigt und Kevin Warsh übernimmt
Von Hans Bentzien
DOW JONES--Der Nahost-Konflikt mit Sperrung der Straße von Hormus und Blockade von 20 Prozent der weltweiten Öllieferungen sowie 30 Prozent der LNG-Lieferungen ist demnächst beendet - und das seit Wochen. US-Präsident Donald Trump, der das verspricht, tritt in der vor uns liegenden Woche die wahrscheinlich wichtigste Dienstreise seiner zweiten Amtszeit an, wenn er sich am Donnerstag auf den Weg nach China macht, um sich mit Staatschef Xi Jinping zu treffen. Einen Tag später übernimmt Kevin Warsh den Posten des Fed-Chairman - ein Mann, der nach eigenem Bekunden den Leitzins senken, die Fed-Bilanz verkleinern und ansonsten nicht so viel reden will. Daneben stehen in der vor uns liegenden Woche US-Verbraucherpreiszahlen und die ZEW-Konjunkturerwartungen auf dem Kalender.
US-Präsident Trump reist nach China
Welche konkreten Ergebnisse die Reise von Trump nach China bringen wird, lässt sich noch nicht absehen. Ein Meilenstein wäre alleine die Tatsache, dass diese Reise (am Donnerstag und Freitag) stattfindet, nachdem sie im März wegen des Iran-Kriegs verschoben worden war. Die Weltmacht USA und das sie wirtschaftlich wie militärisch herausfordernde China haben Konflikte an vielen Fronten - von der Ukraine über den Iran und die Handelspolitik bis hin zum Kampf um die Vormachtstellung bei der Künstlichen Intelligenz (KI). In Sachen KI zeichnete sich zuletzt etwas Bewegung ab. Offenbar wollen sich beide Länder auf bestimmte Leitplanken verständigen, um zu verhindern, dass Probleme auf diesem Gebiet zu einem ernsthaften Konflikt ausarten. Ein Diskussionspunkt dürfte außerdem der Außenhandel sein. Analysten rechnen damit, dass der seit vergangenem Jahr herrschende "Waffenstillstand" verlängert wird.
Kevin Warsh tritt Position als Fed-Chairman an
Kevin Warsh tritt am Freitag sein Amt als Fed-Chairman an. Er löst Jerome Powell ab, dessen Amtszeit als Fed-Gouverneur noch bis 2028 läuft. Auswirkungen dürfte der Amtsantritt Warshs zunächst keine haben. Die nächste FOMC-Sitzung steht erst am 16./17. Juni an, und vorerst sind auf der Website der Fed keine Redetermine vermerkt. Und vielleicht wird "der Neue" auch gar nicht so viele Reden halten? Jedenfalls hat er schon zu Protokoll gegeben, dass Fed-Gouverneure seiner Meinung nach zu viel reden. Die Kommunikation der Zentralbank ist nach Einschätzung von Analysten das Einzige, an dem Warsh kurzfristig etwas ändern könnte. Zu den von der Wall Street ersehnten Zinssenkungen dürfte es dagegen vorerst nicht kommen. Dagegen sprechen sowohl die Inflation als auch das sich derzeit abzeichnende Meinungsbild im Offenmarktausschuss FOMC.
US-Inflationsdruck nimmt im April zu
Der Inflationsdruck in den USA dürfte sich im April erhöht haben. Analysten rechnen laut Factset-Konsens damit, dass die Verbraucherpreise gegenüber dem Vormonat um 0,6 Prozent gestiegen sind und um 3,9 (März: 3,3) Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats lagen. Für die Kernverbraucherpreise werden Zuwachsraten von 0,4 und 2,7 (2,6) Prozent prognostiziert. Damit bewegt sich die Inflation aus Sicht der Fed in die falsche Richtung. Für die Notenbank dürfte auch die Entwicklung der Erzeugerpreise von Interesse sein, die am nächsten Tag veröffentlicht werden, weil einige Teile dieses Index in den Preisindex der persönlichen Konsumausgaben (PCE-Deflator) eingehen. Hier wird sowohl für den Gesamt- als auch für den Kernindex mit einem monatlichen Anstieg von 0,3 Prozent gerechnet.
Die Verbraucherpreiszahlen werden am Dienstag (14.30 Uhr) veröffentlicht, die zu den Erzeugerpreisen am Mittwoch (14.30 Uhr) und die zu den Importpreisen am Donnerstag zur selben Zeit. Weitere wichtige Veröffentlichungen betreffen die Einzelhandelsumsätze (Donnerstag, 14.30 Uhr) und die Industrieproduktion (Freitag, 15.15 Uhr). Auch aus Europa sind Daten zu erwarten.
ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland sinken im Mai
Die Meinung von Investoren zu den Konjunkturaussichten Deutschlands dürften sich im Mai kaum verbessert haben. Von Dow Jones Newswires befragte Analysten rechnen damit, dass der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erhobene Index der Konjunkturerwartungen auf minus 20,5 (April: minus 17,2) Punkte zurückgegangen ist. Interessant wird der Vergleich mit den Ergebnissen der Sentix-Umfrage sein, die ebenfalls einen Rückgang der Konjunkturerwartungen gezeigt hatte. Allerdings dürfte die ZEW-Umfrage unter dem Einfluss eines zumindest vorübergehenden Ölpreisrückgangs gestanden haben. Das ZEW veröffentlicht die Zahlen am Dienstag (11.00 Uhr).
Eurostat bestätigt Anstieg Euroraum-BIP um 0,1 Prozent
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Euroraums ist laut einer ersten Schätzung gegenüber dem Vorquartal um 0,1 Prozent gestiegen - das war etwas weniger als erwartet (0,2 Prozent), obwohl Deutschlands Wachstum - 0,3 Prozent gegenüber prognostizierten 0,2 Prozent - etwas stärker als erwartet ausgefallen war. Gleichwohl rechnen Analysten damit, dass Eurostat die Ergebnisse der Vorabschätzung (Mittwoch, 11.00 Uhr) bestätigen wird. Veröffentlicht werden außerdem Zahlen zur Entwicklung der Beschäftigung im ersten Quartal.
Sonstige wichtige Daten sind die chinesischen Verbraucherpreise (Montag, 3.30 Uhr) und das britische Bruttoinlandsprodukt für das erste Quartal (Donnerstag, 8.00 Uhr).
Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com
DJG/hab/apo/mgo
(END) Dow Jones Newswires
May 11, 2026 01:00 ET (05:00 GMT)
Copyright (c) 2026 Dow Jones & Company, Inc.
