DJ PRESSESPIEGEL/Zinsen, Konjunktur, Kapitalmärkte, Branchen
Die wirtschaftsrelevanten Themen aus den Medien, zusammengestellt von Dow Jones Newswires.
EZB/COMMERZBANK - EZB-Vizepräsident Luis de Guindos hat die Bundesregierung für ihren Widerstand gegen das Übernahmeangebot der italienischen Bank Unicredit für die Commerzbank kritisiert und davor gewarnt, dass solche Eingriffe in grenzüberschreitende Transaktionen dem Geist des EU-Binnenmarktes widersprechen. "Es ist für Regierungen sehr schwierig zu argumentieren, dass sie für die Spar- und Investitionsunion sind, wenn sie dann sagen: 'Nun ja, nein, wir sind gegen diese spezifische Transaktion'", sagte de Guindos der Financial Times. Deutschlands "sehr fragmentierte Bankenbranche" müsse modernisiert werden, während sie mit "großen" wirtschaftlichen Herausforderungen zu kämpfen habe, sagte er. (Financial Times)
CO2-ABGABEN FLUGVERKEHR - Die EU erwägt, CO2-Abgaben für Flüge aus der EU zu erheben. Die Kommission werde den Vorschlag am Dienstag bei einem Treffen mit Industrie- und Nichtregierungsorganisationen vorlegen, sagten drei Offizielle. Dabei werde sie auch eine breiter angelegte Überprüfung des Emissionshandelssystems (ETS) präsentieren. Derzeit deckt das ETS nur Flüge innerhalb der EU ab, was bedeutet, dass Fluggesellschaften zwar für die auf Flügen von Dublin nach Paris ausgestoßenen CO2-Emissionen zahlen müssen, Verbindungen von Paris nach New York jedoch davon ausgenommen sind. EU-Offizielle argumentieren, es sei an der Zeit, das System auf Flüge auszudehnen, die die EU verlassen, da alternative Bemühungen zur Senkung der Emissionen von Fluggesellschaften keine Früchte getragen hätten. (Financial Times)
BUNDESHAUSHALT - Ökonomen warnen die Regierung vor einer ausufernden Staatsverschuldung. Im Jahr 2026 drohe "ein übermäßiges Defizit". Die Experten im unabhängigen Beirat des Stabilitätsrats rechnen für das laufende Jahr mit einem Defizit von 4,25 Prozent. "Der Beirat empfiehlt nachdrücklich, den Anstieg der Schuldenquote so weit wie möglich zu begrenzen und mittelfristig wieder zurückzuführen", heißt es in ihrer Analyse. Andernfalls drohe Deutschland schon bald gegen die EU-Schuldenregeln zu verstoßen. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) verteidigte die hohen Schulden. "Wir investieren massiv in unsere Infrastruktur und in die Modernisierung unseres Landes und in unsere Sicherheit und Verteidigung", betonte er. "Nicht zu investieren, wäre langfristig viel teurer." (Handelsblatt)
KI-MODELLE - Kaum ein Unternehmen wird derzeit im Silicon Valley so viel diskutiert wie Anthropic. Dessen KI-Modell Claude setzt in Softwareentwicklung und Cybersecurity derzeit Maßstäbe. Aber sollen Firmen deswegen nur auf Claude setzen? Auf die Frage hat Nandan Nilekani, Mitgründer und Chairman des IT-Konzerns Infosys, eine nüchterne Antwort: "Modelle werden sich ständig ändern - neue werden entstehen, einige werden sich durchsetzen, und dann werden andere die Führung übernehmen", sagte er dem Handelsblatt. Es sei für Unternehmen unabdingbar, unabhängig von den verwendeten Tools zu bleiben und jeden auf dem Markt verfügbaren Agenten integrieren zu können. Allerdings würden viele Unternehmen gar nichts tun, obwohl KI "zweifellos ein Wendepunkt in der Technologie" sei. Der Unternehmer spricht von einer "Umsetzungslücke". (Handelsblatt)
IT - Die deutsche IT- und Softwarebranche bleibt nach Einschätzung des Kreditversicherers Allianz Trade trotz fortschreitender Digitalisierung strukturell im Hintertreffen. Vor allem US-Konzerne schöpften die Wachstumschancen rund um Künstliche Intelligenz (KI) ab, während deutsche Anbieter in zentralen Wachstumssegmenten nur schwach vertreten seien. Wie aus einer Branchenanalyse hervorgeht, erzielen US-Unternehmen rund 70 Prozent der europäischen IT-Umsätze. Deutsche Anbieter seien dagegen speziell bei Hyperscale-Cloud-Diensten, KI-Plattformen und datengetriebenen Ökosystemen kaum präsent. Der Umsatz des deutschen IT- und Softwaresektors stieg 2025 lediglich um rund 6 Prozent - dieser Wert liegt gut drei Prozentpunkte unter dem Zehnjahresdurchschnitt und deutlich unter den zweistelligen Zuwachsraten US-dominierter Märkte infolge des KI-Booms. "Zudem bleibt der deutsche IT-Sektor eng mit seiner industriellen Basis verbunden, was ihn anfällig für Konjunkturabschwünge im verarbeitenden Gewerbe macht", schreiben die Autoren der Studie. (Börsen-Zeitung)
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May 12, 2026 00:15 ET (04:15 GMT)
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