Frankfurt (ots) -
Dass Friedrich Merz beim Bundeskongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) nicht auf Enthusiasmus stoßen würde, war absehbar. Ausgepfiffen und ausgebuht zu werden, passiert einem Kanzler aber auch nicht jeden Tag. Merz ist daran nicht ganz unschuldig. Ja, der Kanzler hat die unangenehme Rolle, einschneidende und zum Teil schmerzhafte Reformpläne verkaufen zu müssen. Sein größtes Problem ist aber die Art, wie er das tut: zu oft negativ und anklagend, statt motivierend und um Ausgleich bemüht zu sein. Merz fehlt mitunter das Feingefühl, um den richtigen Ton anzuschlagen und die Gesellschaft von der Notwendigkeit großer Umbrüche zu überzeugen. Und: Der Kanzler hat es versäumt, die Gewerkschaften früh einzubinden, sie mit Arbeitgebern an einen Tisch zu holen, um gemeinsam über diese riesigen Reformen zu reden. Die Pläne gegen die Gewerkschaften durchzukämpfen, ist keine gute Idee. Bei dem DGB-Besuch warb Merz zwar für die gemeinsame Suche nach Lösungen, aber das kommt reichlich spät.
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