BREMEN (dpa-AFX) - Weniger Schokolade zum höheren Preis: In Bremen will das Landgericht heute entscheiden, ob die neuen Milka-Tafeln die Kunden beim Kauf täuschen. Denn: Viele wiegen inzwischen nur noch 90 statt 100 Gramm, an der Verpackung hat sich jedoch kaum was geändert. Das hatte die Verbraucherzentrale Hamburg moniert und war gegen den Milka-Hersteller vor Gericht gezogen.
Bei der mündlichen Verhandlung vor drei Wochen hatte das Gericht in seiner ersten Einschätzung schon durchblicken lassen, dass Kunden durch die neue Packung getäuscht werden könnten. "Das ist eine relative Mogelpackung", sagte der Vorsitzende Richter bereits zu Verhandlungsbeginn. "Der Verbraucher erkennt keinen Unterschied." Heute will er nun seine Entscheidung verkünden.
Weniger Inhalt, höherer Preis
Die Verbraucherzentrale Hamburg kritisiert, dass Kunden in die Irre geführt werden. Sie klagt wegen unlauteren Wettbewerbs. Da die neue Tafel nur einen Millimeter dünner und das Design der Verpackung fast identisch sei, falle das geringere Gewicht nicht auf. Zugleich habe sich der Preis der Tafel erhöht - von 1,49 auf 1,99 Euro. Der Grundpreis sei damit um 48 Prozent gestiegen.
Der Hersteller Mondelez mit Sitz in Bremen wehrt sich dagegen: Die neue Grammangabe stehe auf der Vorder- und Rückseite der Schokoladentafel. Das Unternehmen sprach von einer klaren Gewichtskennzeichnung, die sicherstelle, dass sich die Verbraucher vor dem Kauf am Regal informieren könnten.
Kunden beschweren sich
Nach Angaben des Gerichts hatten sich viele Menschen an die Verbraucherzentrale gewandt und sich über die neue Milka-Tafel beschwert. Ihnen fehlten demnach klare Hinweise, dass die Schokolade jetzt dünner ist. Form, Größe und die lilafarbene Verpackung seien charakteristisch. Daran habe sich mit der neuen Füllmenge kaum was geändert.
Laut Verbraucherzentrale ist das kein Einzelfall. Das Phänomen - weniger Inhalt zum gleichen oder sogar höheren Preis - wird auch als "Shrinkflation" bezeichnet. "Shrink" ist Englisch für "schrumpfen". Häufig betroffen seien Markenprodukte, vor allem Süßwaren. Die Verbraucherzentrale Hamburg führt eine Liste mit mehr als 1.000 Mogelpackungen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit./fjo/DP/zb
