Berlin (ots) -
Das geplante GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG) gefährdet die Versorgung von Kindern mit Arzneimitteln. "Wer nur das Billigste will, verhindert, dass bekannte Wirkstoffe, die dringend auch für Kinder benötigt werden, kindgerecht weiterentwickelt und als Kinderarzneimittel zugelassen werden können", kritisiert der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie (BPI), Dr. Kai Joachimsen. Die Versorgung mit Kinderarzneimitteln sei seit langem unzureichend. Die im BStabG vorgesehene Ausweitung des Preismoratoriums werde sie weiter verschlechtern.
Seit 2010 gibt es im Arzneimittelmarkt ein Preismoratorium. Das soll mit dem BStabG ausgeweitet werden, so dass sich künftig der Preis eines neuen Präparats am niedrigsten existierenden Marktpreis eines Produkts mit demselben Wirkstoff und vergleichbarer Darreichungsform zu orientieren hat. "Im Klartext bedeutet das: Wer Neuentwicklungen mit bekannten Wirkstoffen plant, muss angesichts der Kostensteigerungen von vornherein mit Verlusten rechnen. Logische Folge: Es wird diese Entwicklungen nicht mehr geben", so Dr. Joachimsen. Das sei gerade für Kinderarzneimittel ein "verheerendes Signal".
Bis zu 90 Prozent Off-Label Use
Viel zu viele Arzneimittel mit bekannten Wirkstoffen sind nach den Worten des BPI-Hauptgeschäftsführers noch immer nicht für Kinder zugelassen. "Der so genannte Off-Label Use, also der Anteil von nicht für Kinder zugelassenen, aber in der Pädiatrie verwendeten Arzneimitteln liegt in Deutschland bei 65 bis 90 Prozent. Und das, obwohl alle wissen: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen." Es fehlten geeignete Dosierungen, Darreichungsformen und Hilfsstoffe sowie altersgerechte Anwendungskonzepte. Für Dr. Joachimsen mit Blick auf Patientensicherheit und haftungsrechtliche Fragen schon jetzt eine sehr fragwürdige Situation: "Wenn das neue Spargesetz tatsächlich kommt, wird es für die Versorgung der Kinder noch schwieriger werden!"
Keine EU-Anreize für Kinderarzneimittel
Weiter kritisiert der BPI, dass auch die EU das Thema Kinderarzneimittel vernachlässige: So setze die EU beispielsweise mit dem Biotech Act I ein starkes politisches Signal zugunsten von Biotech, Biosimilars, ATMPs, KI und Biomanufacturing. Für pädiatrische Weiterentwicklungen bewährter Wirkstoffe gebe es dagegen keine vergleichbare Initiative. Spezifische Anreize zur Entwicklung von Kinderarzneimitteln - insbesondere PUMA-Arzneimittel (Paediatric Use Marketing Authorization, Weiterentwicklung bereits im Markt befindlicher Arzneimittel für Kinder auf Basis bewährter Wirkstoffe) - fehlten komplett. "Es ist gut, wenn High-Tech-Biotech-Projekte gepusht werden; es ist schlecht, wenn wichtige pädiatrische Weiterentwicklungen bewährter Wirkstoffe weiterhin unterfinanziert und wirtschaftlich unattraktiv bleiben", fasst Dr. Joachimsen zusammen.
Pressekontakt:
Hermann Hofmann, Tel. 0172 3526032, presse@bpi.de
Original-Content von: BPI Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie, übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/21085/6274291
Das geplante GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG) gefährdet die Versorgung von Kindern mit Arzneimitteln. "Wer nur das Billigste will, verhindert, dass bekannte Wirkstoffe, die dringend auch für Kinder benötigt werden, kindgerecht weiterentwickelt und als Kinderarzneimittel zugelassen werden können", kritisiert der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie (BPI), Dr. Kai Joachimsen. Die Versorgung mit Kinderarzneimitteln sei seit langem unzureichend. Die im BStabG vorgesehene Ausweitung des Preismoratoriums werde sie weiter verschlechtern.
Seit 2010 gibt es im Arzneimittelmarkt ein Preismoratorium. Das soll mit dem BStabG ausgeweitet werden, so dass sich künftig der Preis eines neuen Präparats am niedrigsten existierenden Marktpreis eines Produkts mit demselben Wirkstoff und vergleichbarer Darreichungsform zu orientieren hat. "Im Klartext bedeutet das: Wer Neuentwicklungen mit bekannten Wirkstoffen plant, muss angesichts der Kostensteigerungen von vornherein mit Verlusten rechnen. Logische Folge: Es wird diese Entwicklungen nicht mehr geben", so Dr. Joachimsen. Das sei gerade für Kinderarzneimittel ein "verheerendes Signal".
Bis zu 90 Prozent Off-Label Use
Viel zu viele Arzneimittel mit bekannten Wirkstoffen sind nach den Worten des BPI-Hauptgeschäftsführers noch immer nicht für Kinder zugelassen. "Der so genannte Off-Label Use, also der Anteil von nicht für Kinder zugelassenen, aber in der Pädiatrie verwendeten Arzneimitteln liegt in Deutschland bei 65 bis 90 Prozent. Und das, obwohl alle wissen: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen." Es fehlten geeignete Dosierungen, Darreichungsformen und Hilfsstoffe sowie altersgerechte Anwendungskonzepte. Für Dr. Joachimsen mit Blick auf Patientensicherheit und haftungsrechtliche Fragen schon jetzt eine sehr fragwürdige Situation: "Wenn das neue Spargesetz tatsächlich kommt, wird es für die Versorgung der Kinder noch schwieriger werden!"
Keine EU-Anreize für Kinderarzneimittel
Weiter kritisiert der BPI, dass auch die EU das Thema Kinderarzneimittel vernachlässige: So setze die EU beispielsweise mit dem Biotech Act I ein starkes politisches Signal zugunsten von Biotech, Biosimilars, ATMPs, KI und Biomanufacturing. Für pädiatrische Weiterentwicklungen bewährter Wirkstoffe gebe es dagegen keine vergleichbare Initiative. Spezifische Anreize zur Entwicklung von Kinderarzneimitteln - insbesondere PUMA-Arzneimittel (Paediatric Use Marketing Authorization, Weiterentwicklung bereits im Markt befindlicher Arzneimittel für Kinder auf Basis bewährter Wirkstoffe) - fehlten komplett. "Es ist gut, wenn High-Tech-Biotech-Projekte gepusht werden; es ist schlecht, wenn wichtige pädiatrische Weiterentwicklungen bewährter Wirkstoffe weiterhin unterfinanziert und wirtschaftlich unattraktiv bleiben", fasst Dr. Joachimsen zusammen.
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Hermann Hofmann, Tel. 0172 3526032, presse@bpi.de
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