ESSEN (dpa-AFX) - Der Chemikalienhändler Brenntag hat im ersten Quartal die Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten und die Sperrung der Straße von Hormus zu spüren bekommen. Umsatz und Ergebnisse gingen im Jahresvergleich zurück. "Obwohl das Jahr mit einem erwarteten langsamen Start begann, bin ich mit unserer Leistung zufrieden, insbesondere im Vergleich zum starken ersten Quartal 2025", sagte Unternehmenschef Jens Birgersson am Mittwoch laut einer Mitteilung. "Unsere neue, flachere Struktur hat den Härtetest bestanden." Das Gewinnziel für 2026 bestätigte er.
Die Aktie verlor am Vormittag in einem freundlichen Umfeld knapp zwei Prozent. Marc van't Sant von der Citigroup kritisierte die schwachen Volumina. Das Unternehmen profitiere jedoch von höheren Preisen infolge gestiegener Ölpreise. Auch legten Kunden aus Sicherheitsgründen Vorräte an.
Im ersten Quartal schrumpfte der Umsatz im Jahresvergleich um gut zehn Prozent auf 3,66 Milliarden Euro. Neben ungünstigen Wechselkursen begründete das Unternehmen den Rückgang mit niedrigeren Absatzpreisen und geringeren Absatzmengen. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ging um 13,8 Prozent auf 306 Millionen Euro zurück.
Dabei lief es im Geschäftsbereich Essentials mit standardisierten Industriechemikalien deutlich schlechter. In der Region Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA), in Nordamerika sowie Asien-Pazifik (APAC) habe die schwache Nachfrage angehalten, hieß es. Einen weniger starken Ergebnisrückgänge verzeichnete Brenntag im Geschäft mit Spezialchemikalien für bestimmte Branchen (Specialties). Für das Gesamtjahr peilen die Essener weiterhin für den operativen Gewinn 1,15 bis 1,35 Milliarden Euro an.
Der auf die Aktionäre der Brenntag SE entfallenden Konzernergebnis nach Steuern fiel in den drei Monaten bis Ende März von 135 Millionen Euro im Vorjahr auf 98 Millionen Euro. Während das Unternehmen bei Umsatz und operatives Ergebnis leicht besser abschnitt als von Analysten erwartet, traf es die Erwartungen beim Nettoergebnis.
Aufgrund der wirtschaftlichen Herausforderungen hatte Brenntag Anfang des Jahres seinen Sparkurs noch einmal verschärft. "Unser Kostensenkungsprogramm erreichte in Q1 Einsparungen in Höhe von 27 Millionen Euro und liegt damit im Plan für das Gesamtjahr", sagte Finanzchef Thomas Reisten. Bis 2027 will der Konzern zusätzliche 200 bis 250 Millionen Euro im Vergleich zu 2025 einsparen.
Konzernchef Birgersson hatte bereits im November mitgeteilt, Brenntag noch effizienter machen zu wollen. Zentrale Strukturen müssten vereinfacht sowie die Kostenbasis verbessert werden. Birgersson hatte die Leitung des Unternehmens am 1. September übernommen. Eine neue Strategie will der Vorstand am 12. November auf einem Kapitalmarkttag vorstellen.
Brenntag tritt in dem schwierigen Umfeld schon länger verstärkt auf die Kostenbremse. 2025 hatte das Unternehmen nach früheren Angaben von Finanzchef Reisten 165 Millionen Euro im Vergleich zu 2023 eingespart. Damit sei der Konzern auf dem besten Weg, das bisherige Ziel einer Senkung der jährlichen Kosten um 300 Millionen Euro bis 2027 zu erreichen.
Dabei will der Konzern etwa administrative Prozesse straffen sowie Doppelstrukturen beseitigen. Dies schließt auch einen weltweiten Personalabbau ein. Standortschließungen und der Abbau von Arbeitsplätzen zählten bereits jetzt zum Sparprogramm.
Brenntag handelt international mit Industrie- und Spezialchemikalien sowie Inhaltsstoffen. Das Unternehmen kauft die Stoffe bei Chemiekonzernen in größeren Mengen ein und verkauft sie in kleineren Mengen. In den vergangenen Jahren ist Brenntag durch zahlreiche kleinere Übernahmen gewachsen. Das Unternehmen beschäftigt weltweit mehr als 17.300 Mitarbeiter./mne/nas/stk




