
© Foto: fn Symbolbild
ITM Power hat viele und vor allem große Teile der Börsenwelt zuletzt überrascht. Wer sich getraut hat und vor einem Jahr eingestiegen ist, konnte seinen Einsatz vervierfachen. Kein anderer britischer Wasserstofftitel hat in dieser Zeit für so viel Gesprächsstoff gesorgt. Drei Großbanken analysieren die Aktie, und kommen nahezu zu drei völlig verschiedenen Urteilen. Morgan Stanley sieht Kaufpotenzial, UBS hält die Bewertung für weit überzogen, und Jefferies warnt vor mehr Abwärts- als Aufwärtsrisiko. Dazu kommen Insiderverkäufe, ein CEO mit erfolgsabhängiger Vergütung und Förderbescheide, die Ende Mai und im Juni erwartet werden. Die Aktie ist charttechnisch überkauft, konsolidiert aber bereits auf hohem Niveau. Wer einsteigen will, sollte genau wissen, was er tut, und warum Geduld hier mehr wert sein könnte als ein Schnellschuss.
ITM und seine Fortschritte
Der britische Elektrolyseur-Spezialist hat zuletzt operativ gezeigt, was die Branche, bzw. große Teile der Branche lange schuldig geblieben ist, nämlich echte Aufträge, greifbare Projekte und eine volle Kasse. Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres erzielte das Unternehmen einen Rekordumsatz von 18 Millionen Pfund. Die Jahresprognose wurde auf 40 bis 43 Millionen Pfund angehoben. Das Auftragsbuch umfasst inzwischen 152 Millionen Pfund, wovon 71 Prozent als profitabel gelten. Das ist ein Wert, der vor zwei Jahren noch undenkbar gewesen wäre. Konkrete Projekte stützen diesen Optimismus. In Kent liefert ITM ein 12,5-Megawatt-System für Kimberly-Clark, das bis Ende 2027 die Papierproduktion für Andrex-Produkte mit grünem Wasserstoff versorgen soll. In Wales folgt ein 20-Megawatt-Auftrag für MorGen Energy inklusive langfristigem Servicevertrag. In Deutschland sind es Vereinbarungen mit RWE und Stablegrid Projekte mit mehr als 710 Megawatt. Zusammen mit Worley, einem globalen Ingenieurkonzern, soll ITMs Neptune-V-Elektrolyseur künftig in mittelgroße Wasserstoffprojekte weltweit integriert werden. Diese Meldung war mitverantwortlich für den jüngsten Kursschub. Profitabel ist das Ganze leider dennoch noch nicht. Der Verlust vor Steuern weitete sich zuletzt auf 45,4 Millionen Pfund aus. Aber mit rund 198 Millionen Pfund Cash in der Kasse und keinerlei Schulden hat ITM Power Zeit gekauft. Genug, um die Wende selbst einzuleiten.
Charttechnik
Nach einer Kursrally von rund 400 Prozent innerhalb von zwölf Monaten ist eine Pause keine Überraschung. Eher könnte man sagen, dass sie überfällig war und genau das passiert gerade. Die Aktie konsolidiert auf hohem Niveau, der RSI notierte zuletzt bei 75, vor ein paar Wochen lag er noch bei 95! und damit tief im überkauften Bereich. Das ist ein klares Zeichen: Hier ist sehr viel Erwartung bereits eingepreist. Kurzfristig könnte die Aktie weiter unter Druck geraten. Eine erste Unterstützung liegt im Bereich um 1,50 Euro, darunter wäre die Zone um 1,20 bis 1,30 Euro das nächste mögliche Ziel. Wer Kursrücksetzer für einen Einstieg nutzen will, fährt mit einer gestaffelten Strategie möglicherweise um einiges besser als mit einem Einmalkauf. Das Kurspotenzial auf Sicht von zwölf bis achtzehn Monaten ist vorhanden, denn bei positivem Newsflow rund um den Chronos-Förderbescheid und weitere Großaufträge erscheint ein Kursziel von 2,60 bis 2,80 Euro erreichbar. Doch der Weg dorthin dürfte nicht unbedingt geradlinig verlaufen.

Was tun?
Die Bilanz ist solide, die Auftragslage wird besser, und die Richtung stimmt. Gleichzeitig ist die Aktie nach dem steilen Anstieg charttechnisch noch immer überhitzt und fundamental ist der Break-even frühestens 2028 in Sicht. Ende Mai entscheidet die britische Subventionsbehörde über einen Förderbetrag von 46,5 Millionen Pfund für die Chronos-Produktionslinie, eine automatisierte Fertigungsanlage mit einem Gigawatt Jahreskapazität in Sheffield. Fällt die Entscheidung positiv aus, folgt im Juni eine finale Investitionsentscheidung. Das könnte neues Feuer entfachen. Wer bereits investiert ist, sollte aber eine Absicherung im Blick behalten. Wer neu einsteigen möchte, muss nicht unbedingt jetzt schon in die laufende Konsolidierung hinein kaufen, sondern könnte auch auf tiefere Einstiegsbereiche warten und die Position schrittweise aufbauen. Die Aktie bleibt ein spekulativer Titel mit echtem Potenzial, aber eben auch mit echten, sehr hohen Risiken.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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