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Der Flugzeugturbinenhersteller MTU Aero Engines kommt einfach nicht aus der Kurskrise. Zumindest ein Unternehmensinsider wittert in dieser eine Einstiegschance.
MTU Aero Engines: Ein Tief jagt hier aktuell das nächste
Für die Aktie von MTU Aero Engines verläuft das Börsenjahr bislang alles andere als zufriedenstellend. Gegenüber dem Jahreswechsel handelt die Aktie mit einem Minus von fast einem Viertel, verglichen mit dem Stand vor einem Jahr stehen Verluste von knapp 20 Prozent zu Buche, womit die Anteile des in den vergangenen Jahren so starken Flugzeugturbinenherstellers weit hinter den Gesamtmarkt zurückgefallen sind.
Vor allem in den vergangenen Wochen hat sich die Talfahrt deutlich beschleunigt. Neben technischen Druck nach einem im Chart entstandenen Doppel-Top wird das Papier auch durch den Iran-Krieg belastet. Hohe Energiepreise bedeuten Margendruck, während der Kerosinmangel Airlines zu Flugstreichungen zwingt, was die Aussichten für das Wartungsgeschäft belastet.
Unternehmensinsider schlägt zu, COO kauft für 49.000 Euro
Auch am zum Wochenauftakt handelt die Aktie mit Verlusten. Der weiter steigende Ölpreis sowie ein schwaches Gesamtmarktumfeld nach einem Sell-Off am Anleihenmarkt führt zu Abgaben von fast 2 Prozent. Damit fällt MTU Aero Engines abermals auf ein neues Jahrestief und den niedrigsten Stand seit dem Höhepunkt des Zollcrashs im April vergangenen Jahres.
Ausgerechnet in dieser angespannten Lage hat jetzt ein Unternehmensinsider zugeschlagen, wie aus an die Börsenaufsichtsbehörde BaFin übermittelten Dokumenten hervorgeht. Unternehmensvorständin Silke Maurer, bei MTU Aero Engines für das operative Geschäft (COO), hat bereits am vergangenen Freitag Anteile mit einem Gesamtwert von knapp 49.000 Euro erworben. In insgesamt drei Tranchen wurden zu einem durchschnittlichen Ausführungspreis von 279,92 Euro 175 Anteile erworben. Damit signalisiert sie Vertrauen in die Stärke des eigenen Unternehmens und die Werthaltigkeit der Aktie.

Neues Jahrestief lässt weitere Verluste befürchten
Mit Blick auf den Chart der Aktie ist das Timing mutig, denn MTU Aero Engines befindet sich nach einem Doppel-Top bei 400 Euro in einen dynamischen Abwärtstrend. Viele relevanten Unterstützungen, darunter die gleitenden Durchschnitte, in denen es mit einem Death Cross zu einem Verkaufssignal gekommen ist, wurden aufgegeben. Eine Bodenbildung oder eine Trendwende sind derzeit nicht zu erkennen.
Im Gegenteil lassen die anhaltend schwachen technischen Indikatoren, welche die Talfahrt der Aktie bislang begleitet haben, weitere Verluste befürchten - erst recht, nachdem die nächste aus dem Chart ableitbare Unterstützungszone erst im Bereich von 245 bis 250 Euro liegt.
Erste Trendwendesignale sind in Sicht, aber ...
Gänzlich aussichtslos handelt MTU Aero Engines aber auch auf dem aktuellen Kursniveau nicht. Einerseits ist die Aktie bereits an der Unterkante des Abwärtstrendkanals angekommen, was zu einem erneuten Rebound an die Oberkante bei rund 320 Euro führen könnte.
Andererseits liegen in den technischen Indikatoren inzwischen bullishe Divergenzen vor. Sowohl der Relative-Stärke-Index (RSI) als auch der Trendstärkeindikator MACD haben in den vergangenen Wochen gegen den schwachen Trend der Aktie zugelegt. Solche Divergenzen gelten als Vorboten von Trendwendebewegungen.
... der Weg nach oben dürfte Geduld erfordern
Auch der überverkaufte RSI lässt eine Gegenbewegung täglich wahrscheinlicher werden, wenngleich der MACD weit unter der Nulllinie einen noch völlig intakten Abwärtstrend der Aktie anzeigt. Ein Sprung über 320 Euro wäre auf dem Weg zu einer Trendwende nur der erste Schritt. Erst der Sprung über die 200-Tage-Linie bei rund 360 Euro, wo auch ein Horizontalwiderstand liegt, würde die Abwärtsrisiken bannen.
Bis hierhin ist es jedoch ein weiter Weg. Zwischenanstieg wie ein Rebound bis 320 Euro sollten daher vorerst als Ausstiegsgelegenheiten für Long-Positionen beziehungsweise als Chance, neue Short-Positionen aufzubauen, begriffen werden. Mit dauerhaft niedrigeren Kursen müsste außerdem unterhalb von 250 Euro gerechnet werden. Dann wäre der mehrjährige Aufwärtstrend endgültig gebrochen.
Fazit: Schwacher Chart, zunehmend attraktive Bewertung
Während die Aktie aus technischer Perspektive fest in der Hand der Bären ist, gestaltet sich der Blick auf die Fundamentaldaten inzwischen vorteilhaft. Für 2026 ist MTU Aero Engines mit dem 15,7-Fachen der erwarteten Gewinne bewertet. Das liegt um fas die Hälfte unter dem 5-Jahres-Mittel von 31,9.
Für das kommende Jahr erwarten Analystinnen und Analysten ein KGV von 14,3. Selbst wenn es aufgrund der Belastungen durch den Iran-Krieg zu einem schwächeren Umsatz- und Gewinnwachstum kommen sollte, ist die Aktie attraktiv bewertet. Das gilt aufgrund der kaum vorhandenen Nettoverbindlichkeiten erst recht für das Verhältnis von Unternehmens und operativem Ertrag (EV/EBITDA), das mit 8,6 um fast 30 Prozent unter dem Branchendurchschnitt liegt. Auch die Dividende mit geschätzten 1,7 Prozent in diesem und 2,3 Prozent im kommenden Jahr immer attraktiver.
Sobald die Aktie daher einen belastbaren Boden gefunden hat oder sich die technischen Anzeichen für eine Gegenbewegung verdichtet haben, sollten es Anlegerinnen und Anleger der COO gleichtun und zuschlagen!
Gastautor: Max Gross
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