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Die Vermietung von Mobilfunkmasten ist ein ebenso unaufgeregtes wie langfristig erfolgreiches Geschäftsmodell. In der Branche darf sich jetzt American Tower über eine neue Kaufempfehlung freuen.
Nach dem Halbleiterrausch sollten Investoren jetzt auf Defensive setzen
In den vergangenen Wochen setzten Anlegerinnen und Anleger vor allem auf Wachstumswerte aus dem KI- und Halbleiterbereich, wo sich dank der Rallyes bei Werte wie AMD, Intel und Micron hohe Kursgewinne erzielen ließen. Inzwischen herrscht jedoch "Höhenangst", da die technischen Trends überhitzt und die Unternehmensbewertungen aus dem Ruder gelaufen sind - und das in einem Umfeld stark steigender Anleiherenditen, welche eigentlich Gegenwind für Growth-Werte bedeuten, da zukünftig erwartete Unternehmensgewinne stärker diskontiert (abgezinst) werden müssen.
In dieser Situation könnte es sich für Anlegerinnen und Anleger auszahlen, einige ihrer Gewinne zu realisieren und in defensivere Werte umzuschichten. Hierfür sind Dividendenaktien eine beliebte Adresse, weil sie einerseits als wertstabil gelten und andererseits ihre konstanten Ausschüttungen für Cashflows im Depot sorgen, die genutzt werden zu können, um Kursrückgänge in wachstumsstärkeren Branchen zu kaufen.
American Tower bietet Wertstabilität und eine hohe Dividendenrendite
Ein besonders zuverlässiger Dividendenzahler ist der US-Immobilieninvestitionsfonds (REIT) American Tower mit ununterbrochenen Anhebungen seit 13 Jahren und einer überdurchschnittlich hohen Dividendenrendite von aktuell 4,0 Prozent. Mit Blick auf die Kursentwicklung mussten Anlegerinnen und Anleger im vergangenen Jahr allerdings kürzer treten, die Aktie büßte in den vergangenen 12 Monaten 17,6 Prozent an Wert ein.
American Tower, das sich auf die Vermietung von Mobilfunkmasten spezialisiert hat, machte einerseits der Anstieg der Anleiherenditen zu schaffen, da Immobilienwerte als zinssensitiv gelten. Andererseits befürchteten Investoren eine Verdrängung des Geschäftsmodells durch satellitengestützte Telefonie.
Die Aktie hat einen neuen Fan, Bernstein empfiehlt zum Kauf
Genau diese Sorgen hält Bernstein-Analystin Madison Rezaei allerdings für übertrieben, weswegen sie die Aktie am Dienstag mit einem Kursziel von 207 US-Dollar zum Kauf empfohlen hat. Sie verweist darauf, dass der Ausbau satellitengestützter Telefonie den Ausbau von terrestrischen Niedrigbandempfängern durch Anbietern erfordern würde, was für Unternehmen wie American Tower keinen Gegen-, sondern Rückenwind bedeuten würde.
Auf das Szenario steigender Zinsen sieht sie American Tower außerdem gut vorbereitet, da das Unternehmen sich in den vergangenen Jahren um den Abbau von Schulden und die Verbesserung seiner Kreditwürdigkeit bemüht hätte und Zinsrisiken im Kursrückgang der vergangenen 12 Monate bereits abgebildet wären. Auch die Sorgen um die Abwanderung von Kunden bei Anbietern von Satelliten-TV sieht sie als überzogen und im aktuellen Bewertungsniveau als bereits abgebildet an.
Ihr Kursziel von 207 US-Dollar impliziert gegenüber dem Schlusskurs vom Montag ein Aufwärtspotenzial von 16,8 Prozent. Sie sieht den fairen Wert etwas unter dem Durchschnitt ihrer Kolleginnen und Kollegen, welche im Mittel ein Kursziel von 216,14 US-Dollar nennen (+21,9 Prozent). Bei insgesamt 25 Bewertungen ist American Tower mehrheitlich zum Kauf empfohlen. Dabei hat die Zahl positiver Einschätzungen zuletzt etwas zugenommen.

Der Chart verspricht inzwischen eine Trendwende
Mit Blick auf den Chart der Aktie liegt auf Mehrjahressicht ein volatiler Seitwärtstrend und auf mittelfristiger Basis ein Abwärtstrend vor, welcher die jüngsten Sorgen um das Unternehmen und die steigenden Anleiherenditen reflektiert. Inzwischen ist es im Bereich von 170 US-Dollar jedoch zu einem Mehrfachboden gekommen, außerdem deutet der Kursverlauf auf eine U-förmige Konsolidierung hin, denen nach abgeschlossenen Bodenbildungen häufig besonders steile Aufwärtsimpulse folgen.
Dieses Szenario wird befürwortet durch die bullishen Divergenzen die vor allem im Trendstärkeindikator MACD schon seit geraumer Zeit vorliegen. Auch der jüngste Anstieg des RSI ausgehend von überverkauften Zuständen macht Mut dafür, dass die Aktie nicht nur die 50-Tage-Linie, sondern auch die Abwärtstrendlinie überwinden und damit für prozyklische Kaufsignale sorgen könnte. Für eine nachhaltige Trendwende gilt es jedoch die 200-Tage-Linie bei 184,44 US-Dollar zu überwinden. Hierfür zeichnet sich der nötige technische Rückenwind aber immer deutlicher ab.
Fazit: Hier stimmt auch die Bewertung, Einstieg empfohlen
Auch aus fundamentaler Perspektive gefällt die Aktie inzwischen wieder. Lange waren Mobilfunk-Aktien innerhalb der Immobilienbranche die am höchsten bewerteten Titel, da ihr Geschäftsmodell als besonders zuverlässig und krisenresilient gilt. Die anhaltende Kursflaute hat diese Besonderheit jedoch konsolidiert, sodass ein Kurs-FFO-Verhältnis von 17,4 nur noch ein leicht erhöhtes Bewertungsniveau darstellt. Dazu kommt die eingangs erwähnte Dividende von 4,0 Prozent die angesichts einer Ausschüttungsquote von 70,1 Prozent als sicher und zuverlässig gelten darf. Da American Tower seine Ausschüttungen weiter anheben möchte, ist für 2027 sogar eine Rendite von 4,3 Prozent zu erwarten.
Anlegerinnen und Anleger, die auf der Suche nach einem ebenso unaufgeregten wie zuverlässigen Dividendenzahler mit Steigerungspotenzial sind, werden bei American Tower fündig. Auf dem gegenwärtigen Kurs- und Bewertungsniveau kann die Aktie uneingeschränkt gekauft werden. Neuer Abwärtsdruck ist erst unterhalb des Mehrjahrestiefs bei 165 US-Dollar zu erwarten, wo risikoaverse Investoren eine Stopp-Loss-Order platzieren könnten.
Gastautor: Max Gross
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